Zurück. Nach sechs intensiven, erlebnisorientierten Tagen in Dubai. Und ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ein paar Schlagworte gefällig? Gigantisch, unglaublich, unfassbar, groß, schnell, sauber, sicher, futuristisch, surreal, beeindruckend, weltoffen, freundlich, modern, atemberaubend. Ich werde nachfolgend viele Links einbauen zur Information, denen Sie natürlich nicht folgen müssen, wenn Ihnen mein Geplauder reicht :-)

Ankunft Mitternacht in Abu Dhabi mit Etihad Airways, der Airline der Emirate. Und auch der frisch gekürten World Airline 2009. Nicht zu Unrecht. Selten in der Plastikklasse so gut gegessen und so gut gesessen. Beim Verlassen des Flughafengeländes das Aufeinandertreffen der warmen Wand und mir. Wenn man bedenkt, dass es sich im November bereits um moderate Temperaturen handelt, bin ich froh, dass ich von einer Reise im Juli Abstand genommen habe. Transfer mit dem Etihad Airline Bus nach Dubai, Ankunft im Domizil 03.30 Uhr Ortszeit. Die Gastwirtin schnell noch aus dem Bett geklingelt, Einlass ins Apartment, da komplette Dunkelheit, nur noch kurz alles abgestellt, Bett.

Am nächsten Morgen Besichtigung der Unterkunft. 41. Stock, etwa 100 qm, aufgeteilt auf zwei Schlafzimmer, ein riesiges Wohnzimmer, zwei Bäder, ein Gäste WC und ein Balkon mit Aussicht. Und was für eine Aussicht!

SDC10115

Der Al Fattan Tower ist einer der 245 m hohen Zwillingstürme (Oasis Beach Tower ist der andere), ein großer Teil ist privat vermietet, ein anderer Teil wird als Hotel genutzt. Mit der Lage direkt an „The Walk“, einer Amüsiermeile mit unzähligen Bars und Restaurants, unschlagbar als Location und Ausgangspunkt für Exkursionen. Allein den Ausblick habe ich stundenlang genossen – wenn ich nicht gerade mit Muddi auf Tour war. Was eigentlich ständig der Fall war. Die Zwillingstürme waren sicher mal die höchsten Gebäude in dem Gebiet um die Dubai Marina, aber das war mal. Höher, größer, glänzender ist die Devise. Es wird 24 Stunden am Tag gebaut, ein Skyscraper nach dem anderen, Glas, Stahl, Beton und ein Ende ist nicht abzusehen. Sie haben ja auch Platz, da in der Wüste. Horizontal und vertikal.

SDC10179
Die zwei mit dem eckigen Dach sind die Zwillingstürme, das bescheidene kleine Gebäude am Strand ist das Hilton Jumeirah…

Auch schön der Ausblick aus dem Glaspanoramafahrstuhl Richtung 51. Stock Richtung Autobahn. Für nicht ganz so Höhensichere gibts es natürlich auch noch drei „Indoor“-Fahrstühle.

SDC10217

Um sich einen ersten Ein- und Überblick zu verschaffen, empfiehlt sich eine Tour im Big Bus, am besten die kombinierte Beach- und City-Tour. Man zahlt 200 Dirham (umgerechnet 36 Euro) und kann 24 Stunden diesen Bus-Service nutzen, an Haltestellen nach Belieben ein- und aussteigen, Besichtigungen und Einkäufe erledigen und wieder zusteigen. Das ganze ist per Bandansage mit Headset touristisch geführt, in fünf Sprachen und außer lehrreich auch noch praktisch. Nach der Tour weiß man, was man unbedingt näher begutachten möchte und wofür auch ein kurzer Anblick gereicht hat.

Die Stadt im nördlichen Teil erinnert mich an „Das fünfte Element“, man wartet eigentlich ständig drauf, dass Autos in der Luft fahren auf verschiedenen Ebenen statt auf der 6-spurigen Sheikh Zayed Road, die den Süden mit dem Norden verbindet und direkt durch Dubai durch führt. Der Verkehr ist auch unglaublich, Mietwagen dort würden meine Nerven nicht durchhalten und ich wäre wohl nach maximal fünf Minuten im Gewirr der Einbahnstraßen, Baustellen und Autobahnzu- und abfahrten komplett verloren. DAS Fortbewegungsmittel mangels öffentlichem Nahverkehr ist das Taxi, bei umgerechnet 60 Eurocent Grundpreis und sehr moderatem Ticker kommt man selten über 10 Euro bei langen Fahrten in und um Dubai und Taxis gibt es wie Sand in den Emiraten an jeder Ecke. Anders als hier, wo sich Taxifahrer am Flughafen darüber mokieren, eine 15 Euro-Fahrt zu machen, weil sich das nicht lohnt, ist es dort kein Problem, für 1,80 Euro umgerechnet auch Kurzstrecke zu fahren.

Frühstücken kann man sehr gut bei Paul, einer Restaurantkette französischen Ursprungs, die auf eine 120jährige Geschichte zurückblicken kann. Nicht zu Unrecht, das Frühstück dort ist super. Backwaren, die jeden deutschen Bäcker vor Neid erblassen liessen, selten besseres Brot gegessen als dort, das Rühreifrühstück hält den ganzen Tag vor für umgerechnet 8 Euro inklusive des besten Cappuccino jenseits von Rom. Man kann dort auch Mittag- oder Abendessen zu sich nehmen, wie fast überall in Dubai in den „Außenbereichen“ aber keinen Alkohol. Gar nicht so schlecht, der restriktive Umgang mit Alkohol. In sechs Tagen nicht einen einzigen alkoholisierten Menschen auf der Amüsiermeile getroffen, das macht die Lage insgesamt auch wesentlich entspannter. Weltbestes Steak mit Riesengarnelen übrigens erhältlich bei „The Butcher Shop & Grill“, ebenfalls am „Walk“ gelegen. Das Fleisch war so zart, dass es mir geradezu von der Gabel fiel und die Garnelen…. mmmh. Entschuldigung an alle Vegetarier unter meinen Lesern, aber das war fantastisches Essen.
Auf Sauberkeit wird übrigens extrem Wert gelegt in Dubai, kein Müll, keine Zigarettenkippen, alle rauchen nur direkt neben den Aschenbechern und ständig wird geputzt und aufgeräumt. Sie können gehen, wohin Sie wollen, es ist immer fast schon klinisch rein. Überall. SEHR angenehm!

Ich merke, ich könnte stundenlang erzählen und gerate dabei immer mehr ins Schwärmen. Sollte mich aufs Wesentliche beschränken, aber kann mich ganz schlecht entscheiden.

Dinnercruise mit alter Dhow
Das ist so etwas klassisch Touristisches, was man aber unbedingt machen sollte. Auf dem Dubai Creek etwa zwei Stunden vor der abendlichen Kulisse des südlichen Dubai zu schippern, dabei hervorragendes Buffet genießen (natürlich wird man vor dem Hotel abgeholt und wieder zurückgebracht) und die etwas andere Skyline des „älteren“ Dubai im Nachtlicht betrachten bei einer leichten abendlichen Brise um die 23 Grad. Schön, das.

SDC10254

Shop ’til you drop
Kann man, wenn man über den angemessenen Designer-Kram-Geldbeutel verfügt. Die Dubai Mall, eine der größten Shopping Malls überhaupt, bietet neben extrem hochpreisigen Geschäften (1.200 an der Zahl) unter anderem eine Indoor-Eisbahn und von Donnerstag bis Samstag ab 18.00 Uhr ein besonderes Vergnügen: eine Feuerwerkshow aus Wasser. Also Wasser statt Feuerwerk. Bilder geben das gar nicht her, daher ein kleines Video davon. Die zehnminütige Show im Abstand alle zwanzig Minuten ist ein vielbesuchtes Spektakel und wirklich schön anzusehen, mit Musik unterlegt.

Die Mall of the Emirates ist etwas kleiner, aber dafür auch von den Anbietern etwas gemischter, auch für den etwas angespannteren Finanzhaushalt interessanter. Allerdings muss ich sagen, dass es dort nichts sonderlich viel günstiger gibt als hier, Schnäppchenjäger dürften in Dubai wohl nur auf dem Goldmarkt oder dem Gewürzmarkt oder auch dem Stoff-Markt Glückseligkeit erreichen, der Rest ist preislich fast identisch mit Europa. Ich kann stolz sagen, dass ich mich wirklich zurückgehalten habe, eine einzige schmale Gelbgold-Weißgoldkette ist mir zum Opfer gefallen, man wird aber auch optisch derart vom Angebot erschlagen, dass einem schon fast die Lust vergeht. Ein Gold-Overflow. Wobei der Goldpreis ja weltweit der gleiche ist, nur der Preis fürs „Handwerk“ ist ungleich geringer in Dubai, daher die günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Und handeln muss man natürlich. Unbedingt. Es nicht zu tun, ist fast eine Beleidigung für den Verkäufer und Spass macht es auch.
Was die Mall auch hat: ein Skigebiet. Richtig gelesen. Skigebiet. Mit Abfahrten, mit Sessellift, mit Schlepplift und echtem Schnee. Die passenden Skiklamotten kann man ausleihen und dann ein paar Schwünge machen, um sich vom Shoppen zu entspannen.

SDC10241

Atlantis at „The Palm Jumeirah“
Das Burj al Arab ist ja mittlerweile weltbekannt, Touristen ist zum nur Glotzen auch mittlerweile kein Eintritt mehr gestattet, also nur die eindrucksvolle Kulisse des Gebäudes von der Ferne, aber das neueste monumentale Werk des Scheichs von Dubai kann man nicht nur vom Weltraum aus sehen. Einige der Palmwedel sind noch im Bau, aber es stehen schon unzählige Apartmenthäuser und kleine Häuser entlang des Stamms und der fertigen Wedel – unglaublicher Luxus. Schätzungsweise 70% werden wohl an Leute verkauft, die es einfach für unerlässlich halten, da Wohnwerk zu besitzen, aber maximal eine Woche im Jahr dort sind.
Am Ende der Palme thront das ATLANTIS, ein unglaubliches Bauwerk -also ganz in dubaiischer Tradition, mit integrierter Unterwasserwelt (The Lost Chambers), Einkaufsstrasse, Restaurants und ja, auch Zimmern.

SDC10208

Angeschlossen ist „Aquaventure„, ein Wasservergnügungspark von unfassbaren Ausmaßen. Mit künstlichen Stränden, mit echtem Strand, mit Wasserfällen, Stromschnellen, Wasserachterbahnrutschen und…

The Leap of Faith. Eine 30 Meter hohe Rutsche mit 35° Gefälle, wo man mit knapp 40 Stundenkilomtern fast im freien Fall hinunterstürzt, durch eine Röhre, die durch ein Unterwasserbecken mit Haien verläuft, geschossen wird und entschleunigt in einem Becken landet. Ich sage Ihnen, wenn man da oben steht, ist man für einen Moment versucht, es doch lieber sein zu lassen. Es geht wirklich beinahe senkrecht runter, mit einem atemberaubenden Ausblick und nicht wenige überlegen sich das doch noch anders.

SDC10357

Ich nicht. Also überlegt hab ich schon, aber mir ein Herz gefasst, die vorgeschriebene Position eingenommen (ganz flach hinlegen, Arme über der Brust kreuzen) und ab. Das war UNGLAUBLICH. Bikini- und Badshortsträger müssen sich im Auffangbecken zwar erstmal wieder „richten“, aber es ist wirklich ein Wahnsinnserlebnis. Für einen Moment bleibt einem der Atem weg, das ist wie Bungeespringen, nur ohne Seil. Und ich gebe zu, nachdem ich das eine Weile beobachtet habe und der Frauenanteil der „Faithfullen“ eher gering war und etliche Männer einen Rückzieher gemacht haben, war ich schon ein bißchen stolz auf mich.
Alle anderen Wasserattraktionen habe ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen, als sich am Ende des Tages Schwimmhäute bildeten, wusste ich aber wenigstens, warum. Aber das Größte war

Dolphin Bay
Auch hier im Dubai-Stil „Größer, schöner. besser, artgerechter“ ein von Delphinschutzorganisationen ausgezeichnetes Delphinarium mit wahrscheinlich den teuersten Delphin-Trainern, die es weltweit für Öldirhams gibt, und der Möglichkeit zur „Interaction“ mit den Tieren. Das wollte ich schon auf Hawaii mal machen, aber der dortige -auch nicht gerade kleine- Sea Life Park erschien mir immer noch nicht so wirklich politically correct, wenn Sie verstehen. Aber Dolphin Bay… ok, war mir dann eben einfach egal, ich wollte das erleben. Und habe „shallow water interaction“ gebucht. Nach einer kurzen Einführung in den Umgang mit den Tieren und allgemeinen Informationen über den bottlenosed dolphin lernten wir (Gruppe von sieben Leuten) dann Kathy kennen. Eine achtjährige Delphindame, die seit zwei Jahren in Dubai lebt. Wir hatten die Möglichkeit, sie zu berühren, mit ihr zu spielen (Ball und Ringe werfen) und ganz engen Kontakt mit dem Tier zu haben. Ich kann das so nicht beschreiben, aber ich verstehe jetzt viel besser, warum die Delphintherapie bei autistischen Kindern so erfolgreich ist. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Absolut unbeschreiblich.
Wissen Sie, wie sich die Haut eines Delphin anfühlt? Wie ein geschältes hartgekochtes Ei.

SDC10365
Das Foto ist nicht so unscharf, weil ich es gemacht habe (wie auch?) und auch Muddi ist nicht schuld, sondern es liegt daran, dass ich das Original schnell abfotografiert habe, gottlob war vor Ort ein Fotograf, der sein Handwerk versteht, so dass ich es kaufen konnte.

Ich hab aber auch noch eins in scharf:

Dolphin2a

Desert Adventures
Und natürlich darf das nicht fehlen: eine Jeep Safari in die Wüste. Abgeholt vom Hotel, irgendwo in die Wüste transportiert, dort mit neun weiteren Jeeps Typ Tahoe getroffen.

SDC10293

Vor dem Start wird erstmal Luft aus den Reifen gelassen und ab gehts. In absoluter Schräglage mit einer Gischt aus Sand eine Düne hinunterzustürzen, ist definitv nichts für schwache Nerven. Mich hat die Tatsache beruhigt, dass der Fahrer das seit 12 Jahren macht und die Route, die unsere Gruppe nahm, für ihn fahrerisch eher Kindergeburtstag ist. Die „Red Dunes“-Tour, die viele Anbieter wegen des hohen Gefahrenpotentials gar nicht im Angebot haben, ist da wohl eher nach seinem eigenen Geschmack. Trotzdem, der Kindergeburtstag hat völlig gereicht. Mir jedenfalls. Erstmal. Ich plane eine etwas ausgiebigere Wiederholung beim nächsten Besuch. Besucht wurde auch eine Kamelfarm mitten in der Wüste. Frelaufende Kamele. Hat man zwar zuhause auch, vorwiegend im Büro, aber die sind ja wirklich größer als man so glaubt. Wenn sie so frei auf einen zulaufen… aber freundlich. Diese dort auf der Kamelfarm.

SDC10303

Die für die Touris vorbereiteten Reitkamele schwanken da eher zwischen gleichgültiger Gelassenheit und deutlich zur Schau getragener Genervtheit. Wie das Kamel, das ich mit meiner Anwesenheit beglücken durfte. Selten ein schlecht gelaunteres Kamel gesehen und gehört. Vor allem gehört. Deutlich geäußerter Unmut, ber irgendwie gerade dadurch ein Kamel mit Charakter. Ich fand es gut. Und verständlich. Danach noch wieder ein Touristenklassiker, arabisches Barbeque mitten in der Wüste untermalt mit Bauchtanz. Was Betrug war, diese Frau hatte keinen Bauch. Sondern eine fantastische Figur, hüftlange Haare, unglaubliche Bewegungen, ein bildhübsches Gesicht -also eine richtige blöde Q! Gottseidank holte sie nur Männer zum Mittanzen auf die teppichausgelegt Bühne, JEDE Frau hätte neben ihr einfach nur erbärmlich ausgesehen.

Sie lesen ja, ich könnte stundenlang erzählen, wie sehr mich diese pulsierende, fortschrittliche Stadt beeindruckt hat. Es gibt dort nichts, was es nicht gibt und wenn etwas unmöglich erscheint – dort geht es bestimmt. Ich glaube ehrlich, dass Dubai die erste Stadt sein wird, die all das kann, was man in den Zukunftsfilmen immer sieht. Das Geld und die Visionen hat der Scheich und den Platz auch. Es gibt Dubai Knowledge City, Dubai Media City, Dubai Internet City etc etc etc. Alle Nationalitäten sind dort vertreten, die Atmosphäre hat was von ständigem Aufbruch, ich finde, New York trägt den Beinamen „the City that never sleeps“ zu Unrecht. Oder zumindest nicht alleine.

Für die Rückfahrt haben wir uns statt des Zubringerbusses eine Limousine mit Fahrer geleistet. Ishan kommt aus Pakistan und arbeitet 18 Stunden am Tag, unterstützt seine komplette Familie und brachte uns in 50 Minuten zum 160 km entfernten Abu Dhabi, für umgerechnet 45 Euro, klimatisiert, mit Softdrinks und integrierter Fremdenführung. Vorbei am Abu Dhabi-Racing Course der Formel 1, an den palmengesäumten Straßen… apropos Grün: sowohl Dubai als auch Abu Dhabi sind sehr begrünt, aber das hat seinen Preis. Dubai verbraucht pro TAG eine Milliarde Liter Wasser zur Unterhaltung der Grünflächen und der Menschen. 70% werden aus Meerwasser gefiltert. Wo auch immer ein Baum oder Strauch steht, eine Wasserleitung liegt darunter. Es ist eben Wüste. Aber die modernste Wüste, die ich mir vorstellen kann. Und ich muss da wieder hin. Ganz bald und ganz unbedingt.

Natürlich habe ich noch viel, viel mehr Fotos. In altbekannter Qualität :-)