
Nun gehöre ich nicht zu den A-Twittern mit fünfstelligen Followerzahlen, auch nicht zu den B-Twitterern mit den vierstelligen Followerzahlen, ich werde nie gefaved und in twitkrit besprochen – also ich bin eher der V-Twitterer. V wie verzichtbar.
Dementsprechend geht mir dieser Psychostress mit einer trotz weniger Verfolgten noch relativ kleinen Timeline auf die Nerven.
Man liest von allem ein bißchen, von nichts was genaues. Oberflächliches Nachlesen, hier mal ein Klick, da mal ein Klick. Und natürlich gibt es superinteressante Twitterer und natürlich könnten man Tausenden folgen. Man kann es aber auch lassen. Und nur denen folgen, die wirklich außerordentlich gut sind und die man einfach lesen möchte, weil sie einem gut tun und dann die, die man vielleicht schon persönlich kennt, mit denen man kommuniziert, die man einfach bei sich haben will. Trotz räumlicher Entfernung an ihrem Leben mehr als nur ein Telefonat oder einen kurzen Mailwechsel füllend ab und zu interessiert ist.
Als „Werbeplattform“ für die Blogs brauche ich Twitter auch nicht. Wer bei mir liest, tut das schon länger und schaut immer mal rein (oder auch nicht), neue Leser bringt das nicht, muss es auch nicht. Diese automatische „New Blogpost“-Funktion ist aber ganz praktisch. Man spart sich das umsonst Schauen. Wenn man twittert.
Irgendwie wird mir gerade wieder so folkloristisch. Die Blogzeiten waren … haltbarer. Ich kann mich heute noch an diverse Blogartikel aus längst vergangenen Zeiten erinnern, aber fragen Sie mich nicht nach einem Tweet von gestern. Doch, einer fällt mir gerade ein, von @rrho – sogar gefaved hab ich den. Als einen von wenigen. Ganz in den Anfängen.
Schön, daß sich das Kind schon in diesem zumindest sprachlich weitgehend vordiskursiven Alter mit Foucault beschäftigt. Schade um das Buch.
Selbst das Faven macht nicht richtig Spaß, weil entweder ich kann bei einem User wie @Vergraemer oder @haekelschwein oder @peterbreuer 99 von 100 Tweets faven, dann ist es aber auch nichts mehr Besonderes oder ich brauche schon wieder viel zu lange, um zu entscheiden, wenn ich gefiltert faven will. Und dann galoppiert mir vor lauter Überlegen wieder die Timeline davon. Dilemma. Und diese ganzen vielen Leben zu verfolgen verkürzt meins. Und ich hab nur das eine. Und spüre mich gerade wie wild durchhetzen. Ungesund. Und universaldilettantischtwitteristisch.
Darum habe ich beschlossen, meine Timeline auf ein für mich erlebbares Maß zu beschränken. Dem werden viele zum Opfer fallen, die meisten werden es nicht mal merken, die wenigsten wird es wirklich interessieren und sehr Vereinzelte nehmen es vielleicht persönlich. Ist es nicht. Das heisst nicht, dass sie uninteressant sind oder nicht lesenswert, ich hab einfach nur zwei Augen und ein Hirn und der Tag inklusive Nacht nur 24 Stunden und ich kann insbesondere den dann nicht mehr Verfolgten nicht die Aufmerksamkeit widmen, die ihnen im Grunde ja zusteht. Und nur so tun als ob, ist auch nur .. halbgeil.
Den dementsprechenden Followerschwund werde ich heroisch ertragen, ich verstehe es ja. Da ich aber auch in keine Charts einziehen wollte oder mich die Angst quält, aus welchen rauszufliegen, ist das alles sekundär. Ich will wieder mehr bloggen. Ganz altmodisch und rückständig. Und wieder mehr Blogs lesen. Und Zeit genießen. Nicht vorbeifliegen sehen.
Für den 140-Zeichen-Junkie war das jetzt zum Beispiel schon alles wieder zu langweilig. Oder? Naja. Egal.
Das Schöne ist ja, dass ich mich auf die Verfolgten (wie das immer klingt!) ja auch verlassen kann. Ich werde nichts für mich Interessantes verpassen, sie retweeten es sicher. Oder haben Links dazu. Auch sehr angenehm und bequem, ich lasse quasi von berufenen Twitterern vorsortieren. Praktisch, das.
Das Interessante aber ist, dass dieses Posting wahrscheinlich nur die lesen, die es ohnehin gelesen hätten und die ich auch weiterverfolge und die gar keine Erklärung brauchen. Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn hier viele aufschlagen würden, die aus meiner Timeline verschwinden. Denn so weit geht das Interesse beim Gros eben nicht. Und damit wäre ich ja dann auch in meiner Einschätzung bestätigt. Verstehen Sie, was ich meine? Die, die mein Getwittere vorher nur halbinteressiert verfolgt haben, haben an Blogpostings wahrscheinlich weniger Spaß. Ist nicht so … konsumfreundlich.
Also wird es so enden, dass bis auf ganz wenige Ausnahmen (vom @Vergraemer, von @peterbreuer und vom @Haekelschwein kann ich aus unterhaltungstechnischen Gründen einfach nicht lassen) die Verfolgten mir folgen. Im eher kleineren Kreis. Twitter ist super, informativ, unterhaltsam, rasant, immer vorne dabei – keine Frage.
Aber ich hätte mal gerne wieder einen LFA. Und ich kriege eine Blogkochshow. Wissen Sie was? Das war der Auslöser. Für das hier. Morgen ist Entfollow-Wednesday.