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High Surf

5. März 2006

jekylla_highsurf

It´s not the sound of the waves,
it´s the motion of the ocean,
a ride into my soul

Open your mind….
Glitzernde Sandkörner unter den Fußsohlen, warmes Prickeln. Das Rauschen kommt näher, ich trage das Brett gewichtlos mit mir.

Umklammere es, denn die Angst ist ein Teil des Kicks. Es treibt mich in die Nähe, ich höre die Bewegung, wie sie flüstert.

Die auflandige Brandung scheint nach mir zu greifen, feuchte Hände, die sich nach mir ausstrecken und nach der Kontrolle über mich gieren.

Ich gebe nach, wenn ich eintauche in das kühle Nass, das meinen Körper zärtlich umspielt. Meine Nervenenden berühren die Oberfläche, jeden Zentimeter abtastend, während ich meine Entscheidung treffe. Ich lege mich auf das Brett und lasse mich ziehen, unter mir das kristallene Blau, die Erde noch sichtbar, aber nicht mehr zum Greifen nah. Schwebe schwerelos auf das Ziel zu und lasse das Ziel hinter mir.

Das Rauschen ist um mich herum, kriecht in mein Ohr und füllt mich mit Vorfreude, die sich einlullend über mein Angst legt. Sehe die weiße Linie am Ende des Blaus, bevor es in das weiße Himmelblau übergeht und schaue der Herausforderung ins gischtige Auge.

Mein Herz klopft im Rhythmus der herannahenden Berge, das Brett erklimmt sie mit Leichtigkeit, spielerisch und verführerisch zugleich Sicherheit versprechend. Das Salz auf meiner Haut brennt wie eine Berührung, jedes einzelne Korn wie ein kleiner Finger. Jetzt bin ich mitten drin, um mich herum nur das Blau, das Fühlen, Sehen und Hören. Es hüllt mich ein und ich bin wie in einer Seifenblase, das schlierige Bunt an der Außenseite verfremdet den Blick und ich sehe zu, wie wir tanzen werden, gleich.

Meine Atmung wird flacher, kürzer, es wird Zeit. Die nächste ist meine.

Ich sehe sie, groß, dunkel, verlangend, wie eine Decke aus blauem Samt – drehe mich um und stehe auf, als sie mich erfasst. Ride into my soul, ich höre nichts mehr, nur das Donnern in einem sprudelnden Crescendo, um auf der Höhe zu verharren. Es ist, als stehe alles still, für den Bruchteil einer Sekunde hat die Welt angehalten, als würde ein Countdown gezählt und dann stürze ich hinunter und schon bin ich da, der Kamm trägt mich auf seinem Weg. Ich bin atemlos und fühle das Schreien der Verzückung mit jeder Faser meines Körpers, ich höre nur noch in mich, um mich herum ist es laut, mächtig, bedrohlich und ich bin eins mit ihm in meiner Seifenblase, die auf der Welle tanzt. Nimm mich mit, lass mich Dir folgen oder Dir voraus sein, warte auf mich, lauf voraus, ich bin immer bei Dir. Hält mich, lässt mich los und der Fall ist wie in Watte getaucht und ich bin ein einziges Gefühl, das nie zu enden scheint. Das nicht enden will.

Es ist, als habe ich immer darauf gewartet und immer gewusst, dass es sich so anfühlen muss. Ausgeliefert, keine Kontrolle, aber die Angst willkommen, die sich in purem Genuß entlädt.

Diese Reise ist einmalig, nie wieder wird es genauso sein, immer wieder ein bisschen anders und immer wieder wird es nie wieder genauso sein, wie es dann ist.

18 Kommentare leave one →
  1. mo-zart (anonym) permalink
    3. September 2006 22:13:32

    …und wenn Du mal heiratest, muss er unbedingt etwas von dieser Welle haben – nicht perfekt, …aber perfekt genug!

  2. Jekylla permalink
    4. September 2006 13:07:35

    REPLY:
    Wie schön, dass Du da warst. Und eine gute Empfehlung auch noch dagelassen🙂

  3. Sebbi "The Body" Superstar (anonym) permalink
    7. März 2007 09:48:17

    Diesen Sommer ist es bei mir auch wieder so weit! Yeeha! Sie Surfbabe, Sie…

  4. Jekylla (anonym) permalink
    7. März 2007 11:22:37

    REPLY:
    in welchen längst vergangenen Tagen stöbern Sie den rum?
    Haaach jaaaa, das sind feine Gedanken, vor allem an einem Tag wie heute.

  5. sebbi "The Body" Superstar (anonym) permalink
    7. März 2007 11:27:50

    Ich interessiere mich auch für die Anfänge, Madame… und en plus geht’s hier um Strand, Meer, Sonne etc. Das sind Schlüsselreize!

    P.S. Ich will weg.

  6. Jekylla permalink
    7. März 2007 11:30:03

    REPLY:
    auch nochmal gelesen habe, geht es mir genauso. Ich will dahin, wo Sie hinwollen: WEG !!

  7. Jekylla permalink
    7. März 2007 11:30:03

    REPLY:
    auch nochmal gelesen habe, geht es mir genauso. Ich will dahin, wo Sie hinwollen: WEG !!

  8. Sebbi "The Body" Superstar (anonym) permalink
    7. März 2007 11:37:12
  9. Sebbi "The Body" Superstar (anonym) permalink
    7. März 2007 11:37:12
  10. 9. August 2010 15:29:48

    Wow. Toller Post. Hab ich doch vor 4 Jahren, als du den geschrieben hast, glatt übersehen.🙂

    Wie groß war denn die Welle?

    • 9. August 2010 18:43:42

      Dass Du den überlesen konntest!😉

      Knapp vor Banzai war die. Breathtaking.

      • 9. August 2010 19:18:12

        Hab ich ja zum Gück noch ausfindig gemacht.
        Better later than never.🙂

        Ich spreche die Surfsprache aber nun mal leider nicht: Wie groß ist ein Banzai in Metern?

        Ich bin mal vor einer 3 Meterwelle geflüchtet, seitdem weiß ich, wie Wäsche sich anfühlt, die sich in einer laufenden Waschmaschine befindet…

        • 9. August 2010 19:19:31

          Ungefähr so

          • 9. August 2010 20:42:48

            Huiuiui.
            Etwas größer als die, vor der ich damals in Bondi geflüchtet bin.

            Und mit soner haste schon Bekanntschaft gemacht? Meine Hochachtung.

            • 9. August 2010 20:58:10

              Aber eine der moderateren. Alles andere ist für Profis.

              Hach, das waren noch Zeiten🙂

  11. 9. August 2010 20:59:46

    Huch, eben wurde es eng. Banzai!

  12. 9. August 2010 21:26:13

    Interessant.
    Alle
    Worte
    untereinander.
    Jekylyric?

    • 9. August 2010 21:36:31

      Die Idee ist nicht schlecht. So als Erklärung schon mal.

      Und dann noch ein Haiku draus machen. Auf was man so alles kommt wegen eines alten Podcasts🙂

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