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Ich hatte letztens Besuch…

28. August 2006

von meinem Patenkind. Ich gebe gleich zu, ich selbst wollte nie Kinder und ich war der Ansicht, ein Leihkind in Form eines Patenkindes sei eine prima Idee. Die Rolle der netten Tante stand mir gut zu Gesicht und der Plan ging auch immer voll auf. Bis letzte Woche.

Der Kleine ist 8 Jahre alt, ein putziges Alter. Mutter liefert ihn schweißgebadet bei mir ab, er kommt inklusive eines riesengroßen Rucksacks, seiner Inliner, einem großformatigen technischen Gerät und mehreren Tüten. Ich sollte dazu erwähnen, dass es sich nicht um einen mehrwöchigen Besuch handeln sollte, nicht mal mehrere Tage, sondern nur ein paar Stunden.

Bevor ich die nassgeschwitzte Mutter ordnungsgemäß verabschieden konnte, stürzte er ins Wohnzimmer, herrisch folgte die Frage „Wo issen Deine Fernbedienung??“
Auf meinen schüchtern vorgebrachten Einwurf, es wäre doch wunderschönes Wetter draußen und man könnte ja vielleicht skaten, erhielt ich ein muffiges „von mir aus“. Ich sollte dazu erwähnen, dass „die Tante“ seit Jahren nicht mehr Rollschuh äh Inliner gefahren ist, aber es heißt ja immer, man würde das nie verlernen.
Dass ich mich im folgenden vor einem Achtjährigen der absoluten Lächerlichkeit preisgegeben habe, muss ich nicht extra erwähnen. Ich danke den Ersinnern von Knieschonern, Ellbogenschonern und Handgelenksschonern, es handelt sich hier um Stellen, die dringend der Schonung bedurften. Zumindest hat er sich eine Stunde lang großartig amüsiert. Dann wurde ihm langweilig. Ich konnte ihn ein bisschen verstehen, da er für die Runde um den großen Schulparkplatz etwa eine Nanosekunde brauchte, ich allein zum Aufstehen nach den Stürzen das Zehnfache.

Am einfachsten ist ja, wenn man sie fragt, was sie denn gerne machen würden. „Du hast doch so ein Auto ohne Dach.“ Yep, ich habe ein Cabriolet. „Ich möchte mit dem Auto ohne Dach fahren.“ Dem Kinde zu erläutern, warum bei arktischen Temperaturen launige open-air-Fahrten durchaus nicht selbstverständlich sind, war ein sinnloses Unterfangen. Vorgeschobene Unterlippe, weinerlicher Gesichtsausdruck…. Auto aus der Garage geholt, Tiefkühlklamotten übergeworfen und losgefahren. In die Stadt zum Shoppen. Auch gut.
Ich befinde mich in Spendierlaune und sage ihm, dass er sich eine Uhr aussuchen darf, so bis max. 100 Euro. Zielstrebig wählt er das Luxusmodell aus, mit dem man auch KiKa schauen kann und das einen integrierten Gameboy hat. Das würde jedenfalls den Preis erklären. 250 Euronen. Ich mache wohl sehr deutlich, dass das nicht ganz das ist, was ich mir vorgestellt habe. Nun heult er. Alles starrt mich an, böse Mama. Wie peinlich ist das denn jetzt?
Mit dem greinenden Zwerg an der Hand – ja, ich habe Prinzipien – zurück ans Auto und nach Hause, ehe man mich bei Amnesty anzeigt.

Mittlerweile empfinde ich tiefste Hochachtung für die Leidensfähigkeit der Kindsmutter. Nachdem er alles, was so dekorativ in meiner Wohnung steht, entweder zweckentfremdet, zerstört oder annektiert hat, komme ich zu dem Ergebnis: nice to have, but not a „must have“.

Andererseits, es gibt ja auch nette Kinder. Ich habe kürzlich eins kennen gelernt, das ich ganz reizend und liebenswert fand. Die Nachwuchsgeneration der bösen Weiber. Wenn dieses Exemplar mal zur Adoption freigegeben wird, schlag ich zu.

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  1. zoee (anonym) permalink
    28. August 2006 15:31:02

    ankommt dienstag, 29.08.06, 13.55 h, wiesbaden, ICE 456

    ach ja: sie kann inlinern und schwimmen kann sie auch. sie isst am liebsten rohes gemüse und nudelauflauf und eis. sie darf keine cola trinken und nicht nach hamburg telefonieren!

    viel spass! 😉

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