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World Trade Center by Oliver Stone

11. September 2006

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Es ist ein ungewöhnlich warmer Morgen in New York, als John McLoughlin (Nicolas Cage) und Will Jimeno (Michael Peña) ihre Arbeit auf dem Port Authority Police Department aufnehmen wollen – so wie sie es jeden Tag machen, doch dieser wird ihr Leben für immer verändern.

Kurze Zeit später rast ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers und setzt mehrere Etagen in Flammen. Sergeant John McLoughlin bildet für Rettungsmaßnahmen und die Evakuierung des Towers eine Gruppe von Polizisten. Als der Trupp am Einsatzort eintrifft, bietet sich ihm ein Bild des Grauens. Menschen fliehen blutverschmiert in Panik. Das Chaos herrscht. Die New Yorker Cops betreten die U-Bahn-Ebene unter den Türmen, als plötzlich der Südturm einstürzt. Die Helfer werden unter den herumschleudernden Steinmassen verschüttet. Während sie in völliger Dunkelheit eingeklemmt unter Beton- und Stahlresten auf Hilfe warten müssen, klammern sich draußen die Angehörigen an den letzten Strohhalm der Hoffnung und warten auf ein Wunder.

Niemand auf der Welt wird sich so schnell der Erinnerungen an den 11. September 2001 entledigen können. Fünf Jahre nach der Serie von Schreckensereignissen, die für viele Amerikaner den schwärzesten Tag in der amerikanischen Geschichte brachte, ist die Schonfrist der Trauer vorüber, die Phase der Aufarbeitung hat begonnen und Hollywood bringt den zweiten großen Film über die Terrorereignisse in die Kinos. Bevor Oliver Stone das Projekt WORLD TRADE CENTER in Angriff nahm, griff er häufig in seiner Karriere politisch kontroverse Themen auf und verarbeitete so seine eigenen Kriegserlebnisse. Während FLUG 93 von Paul Greengrass die letzten Stunden vom United Airlines Flug 93 erzählte und die Hintergründe der Täter beleuchtete, basiert WORLD TRADE CENTER auf der wahren Geschichte zweier Mitarbeiter des PAPDs. Sergeant John McLoughlin und Officer Will Jimeno werden zur Unglücksstelle beordert, an der sie Menschen helfen wollen. Bei ihrem Rettungsversuch werden sie selbst von den Trümmern der zusammenstürzenden Türme begraben. 2749 Menschen sterben, 20 überleben die Katastrophe, sie waren Nummer 18. und 19.

Anders als bei FLUG 93 werden keine Täter gezeigt, niemand beschuldigt. Selbst das islamistische Terrornetzwerk Al-Qaida wird mit keinem Wort erwähnt. Auch der Zusammenprall der Flugzeuge mit den Türmen wurde trickreich vermieden. Der Film handelt nicht von den Sündenböcken oder Übeltätern, er fokussiert die Männer, die helfen wollten und bevor sie helfen konnten, sich selbst unter Schutt und Asche wieder fanden. Er erzählt die Geschichte der Frauen, die tatenlos auf ein Lebenszeichen ihrer Männer warteten. Er handelt vom Mut Anderen helfen zu wollen und vom Mut Anderen sein eigenes Leben anvertrauen zu müssen. Er handelt von Schmerz und dem Willen zu überleben. Doch trotz alledem sollte man sich fragen, warum solch ein Film gedreht worden ist. Bereitet er wirklich nur einen erschreckend grauenvollen Moment in der US-amerikanischen Geschichte auf oder steckt mehr dahinter?

Oliver Stone, der der Überzeugung ist, in Vietnam von einer Granate der eigenen Truppen verwundet worden zu sein, schuf mit Filmen wie PLATOON, GEBOREN AM 4. JULI oder ZWISCHEN HIMMEL UND HÖLLE viel gesehene Anti-Kriegsfilme, doch in dem so hoch gelobt unpolitischen WORLD TRADE CENTER kommt ein mehr als nur fragwürdiger Charakter vor. Dave Karnes, der pflichtbewusste Ex-Marine aus Connecticut, der letztendlich die beiden Polizisten in den Trümmern fand, gibt am Ende äußerst strittige Sätze von sich. Es wären nun wahre Männer für die richtige Rache nötig. Ein Testpublikum hielt den Charakter sogar für eine Erfindung Hollywoods, doch Karnes ist nicht fiktiv, ließ sich nach den Ereignissen sogar wieder ins Marine-Corps aufnehmen und kämpfte im Irak. Durfte man diesen Charakter aufgrund der Authentizität nicht etwas verändern oder wollte man mit ihm doch politisch Stellung beziehen?

Natürlich ist es schwierig diese umfangreichen Ereignisse in einem Film einzufangen und sicherlich werden Amerikaner diesen Film mit anderen Augen sehen als wir Europäer. Man sollte bei allen Schwierigkeiten auf der Welt dennoch nicht das Filmtechnische an diesem Film vernachlässigen. Oft macht es sich Oliver Stone sehr leicht und umgeht mit abrupten Schnitten schwierige Szenen. Die Musik von Craig Armstrong ist dezent im Hintergrund gehalten, nur an wenigen Stellen etwas pompöser. Per Parallelmontage wird zwischen den Handlungssträngen in den Trümmern des World Trade Centers und den Angehörigen gesprungen, was das Warten der Angehörigen tragischer werden lässt. Die beklemmende Atmosphäre mit ihren knirschenden Metallgeräuschen, sowie die computeranimierten Effekte erzeugen eine beängstigende Stimmung.

Quelle: Haiko Kàcserik-Maczek für moviereporter

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