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Addicted

10. Februar 2007

jekylla_desire1

Die WHO definiert Abhängigkeit als „einen seelischen, eventuell auch körperlichen Zustand, der dadurch charakterisiert ist, dass ein dringendes Verlangen oder unbezwingbares Bedürfnis besteht, sich die entsprechende Substanz fortgesetzt und periodisch zuzuführen.“

Der Begriff Sucht wird nur noch ungern von der Wissenschaft verwendet, man tendiert heute mehr zum etwas weniger Drastischen. Wobei das immer noch drastisch ist.

Ich gestehe: ich bin suechtig. Mir gewisse Dinge periodisch und fortgesetzt zuzufuehren. Von manchen koennte ich lassen. Also ein bezwingbares Beduerfnis. Von manchen eben nicht.
Rauchen zum Beispiel, mal als klassische Sucht genommen. Mach ich. Muss ich aber nicht. Hab ich schon versucht, ich kann es lassen. Aber ich will nicht.

Was ist Sucht fuer ein Gefuehl? Ich sehe es in erster Linie als Hochgefuehl. So lange man dem Beduerfnis nachkommen kann. Was nicht mal immer gleich sein muss. Man kann sich in der Sucht geradezu suhlen, das Gefuehl geniessen, etwas haben zu wollen, was man auch bekommt. Genuss, Vorfreude, ungestilltes Verlangen, das nur darauf wartet, erfuellt zu werden. Wieder und wieder.
Koennen Sie mir folgen? Verlaufen Sie sich nicht!

Schokolade zum Beispiel. Kann ich wochenlang ohne, aber ploetzlich ueberfaellt mich das „unbezwingbare Verlangen“ nach einem Schokodonut. Mit Kokosraspeln. Oder einer Tafel Milka Haselnuss. Diese Sucht kann mich auch mal nachts an eine Tankstelle treiben und ich bin erst zufrieden, wenn ich das obskure Objekt meiner Begierde -um es mal mit Luis Bunuel zu sagen- in der Hand habe. Manchmal reicht dann schon ein Riegel, ein Biss, dann ist es auch wieder gut. Aber ich WILL es.

Bloggen kann auch eine Sucht sein. Sich das fortgesetzt zuzufuehren, wenn man erstmal damit angefangen hat, alles, was im Kopf keinen Platz mehr hat, in das Blog zu packen, damit es „ein Gesicht“ bekommt. Aber auch das kann man lassen. Wie man leider an nicht namentlich genannten Ex-Bloggern sehen kann. Ich erwaehne extra an dieser Stelle weder Mister Oh noch Madame Columbia.

Und dann gibt es noch die Sehn-Sucht. Die die Eigenschaft hat, sich in die Gedanken zu schleichen und sich dort einzunisten. Die keine Gelegenheit auslaesst, sich immer wieder bemerkbar zu machen. Die in jeder Kleinigkeit existent zu sein scheint. In einem Wort. In einer Melodie. In einem Bild. Man kann sie nicht verdraengen. Auch nicht vergessen. Man will sie erfuellen. Erfuellen lassen. Und selbst dann, irgendwie ist es nie genug. Deswegen bleibt sie.

Ich mag sie.

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20 Kommentare leave one →
  1. Stanley Beamish permalink
    10. Februar 2007 22:06:08

    manche Süchte sind nachvollziehbar.

    Erinnert mich an Schnaps. Ein Grappa war einfach nach einem guten Essen nötig. So nötig, daß ich zur Tanke mußte, leider nur Jägermeister, Klarer und Wodka. Kein Grappa.
    Aber noch ein Apfelkorn, Marke obersauer. 9,00 EUR. Gekauft, zu Hause ein Gläschen eingekippt, dran genippt, gewürgt und den Rest ins Klo gegeben.
    Grappa brauchte ich dann auch nicht mehr.
    Merke: Hast Du Sucht, fahr zur Tanke…

  2. Jekylla permalink
    10. Februar 2007 22:29:12

    REPLY:
    habe ich eine intensive Jugenderfahrung. Die sich auch und gerade deswegen nie wiederholt hat. Den gleichen Weg ins cerebrale Nirwana hat auch eine Sudelbruehe namens Persico angetreten. Sorry, those were the 80s….

  3. radarmixer (anonym) permalink
    11. Februar 2007 20:47:06

    So wie Du Sucht beschreibst, hätte sie etwas von Koketterie, vielleicht sogar eine ästhetische Dimension, die man/frau ohne konkrete Gefährdung seiner selbst einfach mal so ausleben könnte, weil es einen gerade in besonderem Maße gelüstet und man/frau diesem Drang nachgibt. Der Sucht mag zwar unbezwingbares Verlangen anhaften, allein das unbezwingbare Verlangen ist noch keine Sucht. Das Gefühl, sich etwas gönnen zu wollen und zu können und dafür auch gewisse Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen, spricht für einen persönlichen Stil, nicht jedoch für eine Sucht. Die Grenzen sind zwar oft im wahrsten Sinne des Wortes fließend, lassen sich jedoch ziemlich schnell festmachen. Wenn Du tatsächlich süchtig in somatischer Hinsicht wärst, würdest Du zumindest nicht so darüber schreiben (können). Sucht geht einher mit einem elementaren Würdeverlust und dies wird spezifisch von dem Süchtigen auch so empfunden. Es gibt viele Definitionen von Sucht, die hier nicht zu erörtern sind. Bei Ehrlichkeit gegenüber sich selbst schleicht sich zunächst ein bestimmter Verdacht ein, der sich in dem Moment, wo du gegen deinen gespürten Willen dir das Suchtmittel zuführen musst, zu einer ganz konkreten, tief erschütternden Erkenntnis erhärtet: der Mensch spürt es sehr genau, wenn er in somatischer Hinsicht süchtig ist. Ich weiss, wovon ich spreche. Die dunklen Seiten des Lebens sind mir von Beginn an nicht verborgen geblieben, aber diese Dunkelheit der Sucht möchte ich nicht noch einmal erleben. Mir war die Möglichkeit einer Heilung gegeben, unzählige Andere beenden ihr Leben in dunklen Kellerlöchern oder erschlagen in Rinnsteinen und niemand interessiert sich dafür. Ich habe das erlebt.

    Dennoch, jeder Mensch hat auch Recht auf Genuß im Leben, ich denke da durchaus hedonistisch, in Maßen versteht sich. Also, wenn Du das nächste Mal nachts durch die Stadt schleichst, um bei einer Tanke Schokolade zu kaufen, brauchst Du Dir den Genuß nicht vermiesen zu lassen, solange das Wort „manchmal“ eine Rolle dabei spielt….

  4. radarmixer (anonym) permalink
    11. Februar 2007 20:47:06

    So wie Du Sucht beschreibst, hätte sie etwas von Koketterie, vielleicht sogar eine ästhetische Dimension, die man/frau ohne konkrete Gefährdung seiner selbst einfach mal so ausleben könnte, weil es einen gerade in besonderem Maße gelüstet und man/frau diesem Drang nachgibt. Der Sucht mag zwar unbezwingbares Verlangen anhaften, allein das unbezwingbare Verlangen ist noch keine Sucht. Das Gefühl, sich etwas gönnen zu wollen und zu können und dafür auch gewisse Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen, spricht für einen persönlichen Stil, nicht jedoch für eine Sucht. Die Grenzen sind zwar oft im wahrsten Sinne des Wortes fließend, lassen sich jedoch ziemlich schnell festmachen. Wenn Du tatsächlich süchtig in somatischer Hinsicht wärst, würdest Du zumindest nicht so darüber schreiben (können). Sucht geht einher mit einem elementaren Würdeverlust und dies wird spezifisch von dem Süchtigen auch so empfunden. Es gibt viele Definitionen von Sucht, die hier nicht zu erörtern sind. Bei Ehrlichkeit gegenüber sich selbst schleicht sich zunächst ein bestimmter Verdacht ein, der sich in dem Moment, wo du gegen deinen gespürten Willen dir das Suchtmittel zuführen musst, zu einer ganz konkreten, tief erschütternden Erkenntnis erhärtet: der Mensch spürt es sehr genau, wenn er in somatischer Hinsicht süchtig ist. Ich weiss, wovon ich spreche. Die dunklen Seiten des Lebens sind mir von Beginn an nicht verborgen geblieben, aber diese Dunkelheit der Sucht möchte ich nicht noch einmal erleben. Mir war die Möglichkeit einer Heilung gegeben, unzählige Andere beenden ihr Leben in dunklen Kellerlöchern oder erschlagen in Rinnsteinen und niemand interessiert sich dafür. Ich habe das erlebt.

    Dennoch, jeder Mensch hat auch Recht auf Genuß im Leben, ich denke da durchaus hedonistisch, in Maßen versteht sich. Also, wenn Du das nächste Mal nachts durch die Stadt schleichst, um bei einer Tanke Schokolade zu kaufen, brauchst Du Dir den Genuß nicht vermiesen zu lassen, solange das Wort „manchmal“ eine Rolle dabei spielt….

  5. larousse permalink
    11. Februar 2007 21:01:27

    Die Sehnsucht zwickt unmittelbar den Solar Plexus. Und lässt ihn nicht in Ruhe. Ich bin nicht sicher, ob ich sie mag. Weil sie einen Dinge tun lässt, die nicht immer zwingend vernünftig sind.
    Ich glaube, ich bin prinzipiell suchtgefährdet. Ausser Eifersuchtgefährdet. Das gar nicht.
    Sehr schöner Text, Kompliment!

  6. larousse permalink
    11. Februar 2007 21:01:27

    Die Sehnsucht zwickt unmittelbar den Solar Plexus. Und lässt ihn nicht in Ruhe. Ich bin nicht sicher, ob ich sie mag. Weil sie einen Dinge tun lässt, die nicht immer zwingend vernünftig sind.
    Ich glaube, ich bin prinzipiell suchtgefährdet. Ausser Eifersuchtgefährdet. Das gar nicht.
    Sehr schöner Text, Kompliment!

  7. larousse permalink
    11. Februar 2007 21:01:27

    Die Sehnsucht zwickt unmittelbar den Solar Plexus. Und lässt ihn nicht in Ruhe. Ich bin nicht sicher, ob ich sie mag. Weil sie einen Dinge tun lässt, die nicht immer zwingend vernünftig sind.
    Ich glaube, ich bin prinzipiell suchtgefährdet. Ausser Eifersuchtgefährdet. Das gar nicht.
    Sehr schöner Text, Kompliment!

  8. Stanley Beamish permalink
    11. Februar 2007 21:42:14

    REPLY:
    Sie haben sehr vernünftige Ansichten, über die sich lohnt, nachzudenken. Süchte in Maßen, aber nicht in Massen, machen das Leben lebenswert.

    Da ist sie wieder, die Sucht! Ich hätte Lust auf einen Grappa… 😉

  9. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 09:04:00

    REPLY:
    diese oberflächliche Betrachtung der „normalen“ Süchte ist eine Form der Koketterie mit den eigenen Schwächen, die aber auch an ihre Grenzen stossen. Wo diese Grenzen verwischt oder nicht vorhanden sind, beginnt die Gefahr.

    Und auch in der Einschätzung, dass ein somatisch Süchtiger so und in dieser Form nicht schreiben könnte oder auch wollte, liegst Du wohl richtig. Ich habe zum Glück nie selbst eine wirkliche, beängstigende, existenzbedrohende Sucht erlebt, nur das Abgleiten von Menschen, die mir nahestanden, in eine Welt, die ich nicht verstanden habe, die keinen Platz mehr für anderes liess.

    Ja, alles in Maßen. Selbst Maßlosigkeit hat einen Rahmen. Normalerweise. Für das eigene Empfinden.

  10. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 09:04:00

    REPLY:
    diese oberflächliche Betrachtung der „normalen“ Süchte ist eine Form der Koketterie mit den eigenen Schwächen, die aber auch an ihre Grenzen stossen. Wo diese Grenzen verwischt oder nicht vorhanden sind, beginnt die Gefahr.

    Und auch in der Einschätzung, dass ein somatisch Süchtiger so und in dieser Form nicht schreiben könnte oder auch wollte, liegst Du wohl richtig. Ich habe zum Glück nie selbst eine wirkliche, beängstigende, existenzbedrohende Sucht erlebt, nur das Abgleiten von Menschen, die mir nahestanden, in eine Welt, die ich nicht verstanden habe, die keinen Platz mehr für anderes liess.

    Ja, alles in Maßen. Selbst Maßlosigkeit hat einen Rahmen. Normalerweise. Für das eigene Empfinden.

  11. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 09:04:00

    REPLY:
    diese oberflächliche Betrachtung der „normalen“ Süchte ist eine Form der Koketterie mit den eigenen Schwächen, die aber auch an ihre Grenzen stossen. Wo diese Grenzen verwischt oder nicht vorhanden sind, beginnt die Gefahr.

    Und auch in der Einschätzung, dass ein somatisch Süchtiger so und in dieser Form nicht schreiben könnte oder auch wollte, liegst Du wohl richtig. Ich habe zum Glück nie selbst eine wirkliche, beängstigende, existenzbedrohende Sucht erlebt, nur das Abgleiten von Menschen, die mir nahestanden, in eine Welt, die ich nicht verstanden habe, die keinen Platz mehr für anderes liess.

    Ja, alles in Maßen. Selbst Maßlosigkeit hat einen Rahmen. Normalerweise. Für das eigene Empfinden.

  12. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 09:06:34

    REPLY:
    die nicht immer vernünftig sind.“

    Wie wahr, Madame Larousse, wie wahr. Ich verhehle aber auch nicht ein gewisses Gefühl des Spasses an der Unvernunft. Selbst vermeintlich vernünftige Ansichten können ja falsch sein. Und so viele „unvernünftige“ Dinge machen einfach unglaublich viel Spass 🙂

  13. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 09:06:34

    REPLY:
    die nicht immer vernünftig sind.“

    Wie wahr, Madame Larousse, wie wahr. Ich verhehle aber auch nicht ein gewisses Gefühl des Spasses an der Unvernunft. Selbst vermeintlich vernünftige Ansichten können ja falsch sein. Und so viele „unvernünftige“ Dinge machen einfach unglaublich viel Spass 🙂

  14. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 09:06:34

    REPLY:
    die nicht immer vernünftig sind.“

    Wie wahr, Madame Larousse, wie wahr. Ich verhehle aber auch nicht ein gewisses Gefühl des Spasses an der Unvernunft. Selbst vermeintlich vernünftige Ansichten können ja falsch sein. Und so viele „unvernünftige“ Dinge machen einfach unglaublich viel Spass 🙂

  15. larousse permalink
    12. Februar 2007 09:55:16

    REPLY:
    @ Mr Beamish: Mme Larousse ist ein sehr vernünftiger Mensch, wenigstens, wenn die Brut anwesend ist… (o;

    @Jekylla: Das ist genau mein Problem! Ich LIEBE unvernünftige Dinge! Sie ziehen mich an, sie rufen nach mir, sie verführen mich!
    Manchmal habe ich den Verdacht, die Pubertät nie erfolgreich abgeschlossen zu haben, da die Lust am Unvernünftigen unverändert groß ist (o;

  16. larousse permalink
    12. Februar 2007 09:55:16

    REPLY:
    @ Mr Beamish: Mme Larousse ist ein sehr vernünftiger Mensch, wenigstens, wenn die Brut anwesend ist… (o;

    @Jekylla: Das ist genau mein Problem! Ich LIEBE unvernünftige Dinge! Sie ziehen mich an, sie rufen nach mir, sie verführen mich!
    Manchmal habe ich den Verdacht, die Pubertät nie erfolgreich abgeschlossen zu haben, da die Lust am Unvernünftigen unverändert groß ist (o;

  17. larousse permalink
    12. Februar 2007 09:55:16

    REPLY:
    @ Mr Beamish: Mme Larousse ist ein sehr vernünftiger Mensch, wenigstens, wenn die Brut anwesend ist… (o;

    @Jekylla: Das ist genau mein Problem! Ich LIEBE unvernünftige Dinge! Sie ziehen mich an, sie rufen nach mir, sie verführen mich!
    Manchmal habe ich den Verdacht, die Pubertät nie erfolgreich abgeschlossen zu haben, da die Lust am Unvernünftigen unverändert groß ist (o;

  18. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 10:17:31

    REPLY:
    Wenn ich all die unvernünftigen Dinge in meinem Leben achtlos hätte an mir vorbeigehen lassen… ach, ich darf gar nicht daran denken, was mir entgangen wäre.
    Und wenn man ihre Notwendigkeit vernünftig erklärt, gehts ja wieder *g

  19. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 10:17:31

    REPLY:
    Wenn ich all die unvernünftigen Dinge in meinem Leben achtlos hätte an mir vorbeigehen lassen… ach, ich darf gar nicht daran denken, was mir entgangen wäre.
    Und wenn man ihre Notwendigkeit vernünftig erklärt, gehts ja wieder *g

  20. Jekylla permalink
    12. Februar 2007 10:17:31

    REPLY:
    Wenn ich all die unvernünftigen Dinge in meinem Leben achtlos hätte an mir vorbeigehen lassen… ach, ich darf gar nicht daran denken, was mir entgangen wäre.
    Und wenn man ihre Notwendigkeit vernünftig erklärt, gehts ja wieder *g

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