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Was wäre wenn…

23. Februar 2007

..man immer das täte oder sagte, nach was einem gerade so ist?

Mal mit Kleinigkeiten begonnen wie diesen halbherzigen Guten Morgen – Grüßen der Kollegen.
Eine mögliche Antwort, die mir manchmal durch den Kopf schießt und unbedingt aus meinem Mund will, wäre „Was soll an diesem Morgen gut sein Oder werden? Aber das interessiert ja niemanden wirklich!!“ Natürlich im passenden Ton.

Oder das Telefonat mit der Bankangestellten, die kurz vor der Verabschiedung fragt, ob ich Telefon habe. „Nein, das sind hörbar gemachte Rauchzeichen, die Sie gerade empfangen, ich habe kein Telefon.“ Ohnehin bietet das Telefon -auch dienstlich- unzählige Möglichkeiten, mal NICHT das zu tun, was das Gegenüber erwartet. Und ich nutze das zuweilen weidlich aus. Und habe Spass dabei.

Höflicher, dienstlicher Schlipsträgeranruf. In dieser Branche scherzt man wenig.

„Guten Tag, Frau Jekylla, hier Müller-Lüdenscheidt von der **** Bank. Ich weiss ja nicht, ob Sie sich an mich erinnern..“

„Herr Müller-Lüdenscheidt, wie könnte ich SIE jemals vergessen?“ *fassungloser Unterton*

Ich sehe sein Gesicht vor mir und der nachfolgende Tonfall sagt mir „you just made my day“.

Die Frage meines Chefs, ob mein Wochenende gut war, würde ich gerne mal so ausführlich beantworten, wie es mir zuweilen dringend geboten scheint.
„Gräßlich war es. Ich habe furchtbar schlecht geschlafen von Freitag auf Samstag und bin trotzdem auf diese Party Samstagabend. Der Caipirinha war schlecht, also einer davon, und ich habe den Rest der Nacht über der Toilettenschüssel verbracht. Am Sonntag musste ich zum Kaffeekränzchen meiner Mutter, also insgesamt, nein, es war kein gutes Wochenende.“

Oder alternativ „Yep, das war der Hammer. Ich bin ja kaum aus dem Bett gekommen, der Typ war unglaublich, ich bin jetzt noch total durch.“

Irgendwann wird es mir sein Gesicht und die sich darin spiegelnde Verzweiflung wert sein.

Oder diese Straßeneinmündung, an der ich abends immer halten muss, um auf die Hauptstraße einzufahren. NIE ist da bisher um diese Zeit jemand gekommen, aber ich habe immer brav angehalten. Und wie oft denke ich, ich sollte einfach mal NICHT anhalten. Was mich davon abhält, ist die Überlegung „shit happens“. Aber dennoch denke ich immer wieder drüber nach. Je älter mein Auto wird, umso größer die Wahscheinlichkeit….

Und dieser Nothammer in den Bussen des ÖNV. Irgendetwas hält mich immer noch davon ab, ihn einfach aus dieser Halterung zu zerren und zu versuchen, ob dieses mickrige kleine Ding wirklich eine Scheibe niedermetzeln kann.

Verbotsschilder üben einen besonderen Reiz auf mich aus, seit ich lesen kann. Außer dem Schild „Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt“, daran halte ich mich immer. Ich mag meine Sachen.
Aber Schilder wie „No trespassing. Trespassers will be shot.“ Ob der Grundstücksbesitzer wirklich auf mich schießen würde ? Da sich das Schild in Texas befand, kann man fast davon ausgehen. Dennoch. Würde er wirklich ?
Und ich bin schon früher gern vom Beckenrand gesprungen. Direkt von der Aufschrift aus.
Und ich würde im Supermarkt gerne die unterste Dose aus der Pyramide ziehen. Aber nicht heimlich. Sondern mit einem dreisten Blick zum Marktleiter.

Eine lange im Verborgenen gehegte Passion erfülle ich mir in letzter Zeit, das Rechts überholen auf der Autobahn. Während man in der Mitte 85 und links 95 fährt, die rechte Spur bis zum Horizont frei ist und ich mit 120 dran vorbei fahre (Geschwindigkeitsbegrenzung einhaltend), erfüllt mich ein tiefes Gefühl der befriedigenden, niemanden schädigenden Gesetzesbrecherei. Ehe jetzt einer der zwölf Verkehrapostel mahnend den Zeigefinger hebt: in Deutschland herrscht Rechtsfahrgebot. Eines der wenigen Gebote, an das ich mich dann gerne halte.

Bei dem überaus attraktiven Angestellten in diesem Computershop, der mich fragte, ob er sonst noch was für mich tun könnte, wäre ich gestorben für den Mut zu sagen: „Ja, mich gelüstet nach einem intensiven Kuss und ich würde zu gerne sehen, was sich unter dem Stoff dieser figurbetonten Wrangler Jeans befindet.“ Nicht, dass ich das gewollt hätte, aber allein der Gedanke an die Reaktion wäre es doch wert. Andererseits kann einen das ja auch in nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten bringen. Ich hab es vorerst gelassen, aber als Option notiert.

Der Polizist, der mich letztens so jovial fragte „Na, junge Frau“ -was ihn mir sofort sympathisch machte- „wie schnell waren wir denn eben so in etwa?“, den hätte ich gern gefragt, ob er denn keinen Tacho hat, weil er mich so was fragt. Aber ich glaube, mein unschuldiger, von Betroffenheit geprägter Augenaufschlag war der Sache dienlicher.

Die Einladung zur Weihnachtsfeier der Abteilung habe ich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und natürlich unter größtmöglichem Bedauernsbekunden abgesagt. Ich hätte schon lieber gesagt, dass es mir reicht, die Pappnasen tagein, tagaus im Büro zu ertragen und dass ich keinesfalls die Absicht habe, mir meine wertvolle Freizeit noch mit Bürogelaber zu ruinieren. Warum ich es nicht getan habe, weiß ich nicht. Aber dieses Jahr gibt es wieder eine.

Aus Gründen des Wohlverhaltens, der Moral, des Anstandes, der Kalkulation, des Überlebenswillens – weswegen auch immer, es gibt immer gute Gründe, nichts zu sagen oder nichts zu tun.
Zumindest meine Freundin hat sich daran gewöhnt, auf Fragen wie „Wie findest Du meine neue Frisur?“ keine überflüssigen Höflichkeiten erwarten zu können. Sollte dann mal ein „ok“ kommen, weiß sie es sicherlich mehr zu schätzen, nachdem der letzte Friseurbesuch die Beschreibung „explodiertes Eichhörnchen“ meines Erachtens nach voll gerechtfertigt hat.

Manchmal kann man ja die Wahrheit sagen, ohne dass man nicht die Wahrheit sagt. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Auf die Frage „Liebst Du mich auch?“ – das Stellen dieser Frage allein ist bedenklich – genügt ja eine Wortumstellung in „Ja, Dich lieb ich auch.“ Manchmal fällt es nicht einmal auf. Die Betonung ist wesentlich, da der Fragende ohnehin die Antwort zu kennen weiß und nicht mehr soooo genau hinhört.

Aber in diesen Angelegenheiten gehe ich mit Wahrheiten und „Verbotsübertretungen“ äußerst heikel und behutsam um.

Mir würden noch viele Dinge einfallen, die ich gern täte, aber nicht dürfte oder sagte und nicht kann. Wie auch beim Herrn Pathologen erörtert, laden auch Sicherheitskontrollen an Flughäfen zu allerlei Dummheiten ein…..

Wie auch immer, ich muß jetzt los. Zu dieser Kreuzung, wo nie jemand kommt…..

bereits früher mal geschrieben und nicht klüger geworden

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8 Kommentare leave one →
  1. radarmixer permalink
    23. Februar 2007 20:11:30

    … steckt vermutlich der Wunsch, aus den eingeschlagenen Wegen herauszuspringen und in eine andere Rolle zu schlüpfen. Eine Herausforderung! Es muss ja auch irgendwie stimmig sein und sollte nicht aufgesetzt wirken (auch auf einen selber). Man/frau fühlt sich dann anders. Vielleicht hat Sie der Karneval inspiriert, Frau Jekylla! Es ist auch schon mal interessant und durchaus erkenntnisreich, sich selber einmal anders zu erleben. Der Horizont weiter sich.
    Ich kenne das auch: wenn ich Mopped fahre, erkenne ich mich oft auch nicht wieder. Im normalen Leben eher dem Kontemplativen zuneigend kann ich beim Moppedfahren schon durchaus mal prollig-ruppig werden… Das macht eine Heidenlaune! Wenn ich dann absteige, bin ich wieder der lieve Jung, schüchtern und zurückhaltend, blond und blauäugig… 😉

  2. Jekylla permalink
    23. Februar 2007 21:44:15

    REPLY:
    ich weiss, was Sie meinen. Und fuer meinen eigenen Karneval brauche ich nicht einmal eine Maske. Jedenfalls keine, die als solche zu erkennen bist. Und eigentlich -dieses Wort!- bin es dennoch immer ich. Nur immer anders. Verstehen Sie?

  3. radarmixer permalink
    23. Februar 2007 22:02:39

    Frau Jekylla,
    „es“ bleibt ja gleich, unangetastet, keine Änderung der Identität, jedoch, wir tragen verschiedene Facetten in uns, nicht alle kommen zur Entfaltung, sie alle gehören aber zu „der“ Identiät. Im Grunde genommen gibt es „den“ einen bestimmten Charakter nicht, wir sind ein schimmerndes Bild… Es ist aber ungeheuer interessant, die anderen Seiten seinerselbst hervorzulocken, sie sich zeigen und darstellen zu lassen, ohne dass wir zu einer multiplen Persönlichkeit werden. Wir sind eigentlich „Reichtum“ und nutzen es nicht… Wir sollten es uns gestatten! Fragt sich, ob der Begriff der Identität taugt. Es wird auch schon mehr im Sinne einer Kohärenz gesprochen. Dieser Begriff trifft „es“ vielleicht besser.

  4. Jekylla permalink
    23. Februar 2007 22:06:55

    REPLY:
    zum Gefuehl der multiplen Persoenlichkeit scheinen bei der Entfaltung der Facetten manchmal fliessend zu sein. Ich finde jede neue, die ich entdecke und entfalte, aufregend. Und jede ist ein akzeptierter, nein, willkommener Teil eines Persoenlichkeitspuzzles. Meines Puzzles. Ich mag es, mich selbst zu ueberraschen. Mit mir. Jeden Tag

  5. Jekylla permalink
    23. Februar 2007 22:06:55

    REPLY:
    zum Gefuehl der multiplen Persoenlichkeit scheinen bei der Entfaltung der Facetten manchmal fliessend zu sein. Ich finde jede neue, die ich entdecke und entfalte, aufregend. Und jede ist ein akzeptierter, nein, willkommener Teil eines Persoenlichkeitspuzzles. Meines Puzzles. Ich mag es, mich selbst zu ueberraschen. Mit mir. Jeden Tag

  6. Jekylla permalink
    23. Februar 2007 22:12:42

    REPLY:
    ueberrascht? Ihnen entgeht was 🙂

  7. Stanley Beamish permalink
    23. Februar 2007 22:15:38

    REPLY:
    bei mir gar nichts mehr. Seit ich Sie kenne. *lol*

  8. Jekylla permalink
    23. Februar 2007 22:18:06

    REPLY:
    living la vida loca 🙂

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