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Le Connaisseur – oder

28. Februar 2007

jekylla_sommelier

wie man einen Abend richtig runterziehen kann

Anlässlich einer Dinnergeschichte von Herrn GPunkt erinnerte ich mich an ein Date vor einiger Zeit.

Mit dem Herrn, seines Zeichens Sommelier von Beruf, verabredete ich mich zum Abendessen in einem ausgesprochen geschmackvollen Ambiente, bekannt für gute Küche und exzellenten Wein. Und in der frohen Erwartung, mit einem berufsbedingten Weinkenner unterwegs zu sein, der überdies auch noch einer der äusserst attraktiven Sorte war.

Die Speisen waren schnell gewählt, die Wahl des Weines überliess ich natürlich ihm. Den ich im weiteren Verlauf einfach Mr. Wichtig nennen möchte.

„Garcon, bringen Sie uns bitte den %$&/(%, den 1992er.“

Garcon entschwand, kehrte zurück und offerierte einen Probeschluck. Mr. Wichtig verzog angewidert das Gesicht.

„Niemals ist das ein 1992er, der hat üblichweise eine unverkennbar erdige Note.“ *aha*
„Dann versuchen wir es doch mal mit dem §%§$&$/ 1997.“

„Das tut mir leid, mein Herr, der ist aus, aber der 1998er…“

„Wenn ich den hätte haben wollen, hätte ich es Sie wissen lassen!“

Mittlerweile hätte mir erstmal ein Glas Wasser gereicht.

„Haben Sie einen $§%%&$/, 1994?“

Dazu sollte man anmerken, dass der Weg vom Restaurant ins Weinkellergewölbe in diesem Etablissement kein kleiner ist.

„Da muss ich nachsehen, der ist eigentlich nicht auf der Karte….“

Während Garcon Richtung Gewölbe entschwindet, höre ich mir einen Vortrag über die 1994er Weine an. Nichts gegen Bildungsessen, aber ich hätte halt gerne mal was getrunken. Vor allem, da mittlerweile das Essen da ist.

Leicht ausser Atem retourniert Garcon mit einem 1996er der gleichen Marke.

„Den können Sie gleich wieder mitnehmen. Der ist indiskutabel. Ich möchte mit Ihrem Chef sprechen.“

Sehr geil. Genau, was ich wollte. Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, durstig und nichts zu trinken zum Essen und kein Ende abzusehen.

Die nächste Litanei über unfähiges Restaurantpersonal. Zu dieser Zeit suchte Missjöh Le Sommelier übrigens eine neue Anstellung, natürlich nur in einem „ersten Haus am Platz“. Bereits da wusste ich, dass, wenn ich ein erstes Haus hätte, ER da nicht reinkäme. Überdies liess seine Attraktivität proportional zu seinem Verhalten minütlich nach.

Die Chefin des Hauses versucht danach noch durch zwei Kellerausflüge, den Mr. Wichtig zufriedenzustellen, es wollte nicht gelingen. Mit dem Essen war ich dann durch. Es gelang mir auch, seinen endlosen Tiraden über sein aufregendes Leben als Mundschenk der B-Prominenz in MünchenNewYorkRioTokio keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken.

Das Restaurantpersonal war sichtlich froh, als er die Rechnung verlangte. Ich hätte gern noch die Position „Schmerzensgeld für entgangene Dinner-Freuden“ unten angehängt. Und ihm mit einem benzingetränkten alten Wolllappen den nicht stillstehenden Mund gestopft.

Es soll ja Männer geben, die einfach nicht merken, dass eine Frau, die eine knappe Stunde lang nicht mehr als Ja, aha, ach so, wie interessant gesagt hat, nicht an einer Fortsetzung des Abends interessiert ist. Ich weiss nicht, wie man Langeweile, Desinteresse und die Sehnsucht nach dem Ende des Abends noch besser darstellen könnte als ich, aber es hinderte ihn nicht an der Frage

„Wollen wir bei mir noch einen Kaffee trinken?“

„Hast Du einen Kona Prime, geerntet am Mount Hulalai, entweder 2002 oder allerhöchstens 2003?“

„Äh..nein.“

„Dann kommt das für mich nicht in Frage.“

Und alles wurde gut. EOF.

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35 Kommentare leave one →
  1. its me permalink
    28. Februar 2007 09:21:38

    ..des Hauses wurd dann dem Herrn Savoir Vivre mit der Rückgabe seiner Amexo Platin Card sicherlich ein Verhüterli überreicht, mit der Bemerkung: „…damit sich solch ein Gast wie Sie nicht vermehrt…“ 😉

  2. its me permalink
    28. Februar 2007 09:21:38

    ..des Hauses wurd dann dem Herrn Savoir Vivre mit der Rückgabe seiner Amexo Platin Card sicherlich ein Verhüterli überreicht, mit der Bemerkung: „…damit sich solch ein Gast wie Sie nicht vermehrt…“ 😉

  3. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 09:23:44

    REPLY:
    eine der tischdeckengrossen Servietten über den Kopf gezogen. Ich habe immer gehofft, dass mich niemand gesehen hat, der mich kennt. Ich hatte Glück. 🙂

  4. herrgpunkt permalink
    28. Februar 2007 10:01:56

    Danke, haben Sie mich heute morgen schon zum Lachen gebracht, vor allem der benzingetränkte Wolllappen hat es mir angetan. Aber bitte nur Shell V-Power 100+, min 100 ROZ, den Jahrgang überlass ich Ihnen.

  5. herrgpunkt permalink
    28. Februar 2007 10:01:56

    Danke, haben Sie mich heute morgen schon zum Lachen gebracht, vor allem der benzingetränkte Wolllappen hat es mir angetan. Aber bitte nur Shell V-Power 100+, min 100 ROZ, den Jahrgang überlass ich Ihnen.

  6. pathologe permalink
    28. Februar 2007 10:07:38

    REPLY:
    Zigarette dazu?

  7. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:12:51

    REPLY:
    zur Reminiszenz. Ich weiss gar nicht, wie ich das bis zum Schluss durchhalten konnte.

    @Herr Pathologe: Rauchen ist manchmal gesundheitsfördernd. Wenn man es richtig macht *g

  8. adama (anonym) permalink
    28. Februar 2007 10:13:16

    sowas gibt es wirklich noch in der Realität? Ich dachte nur bei Loriot.
    Das ist bestimmt einer der Typen welche morgens Schweißgebadet mit einem breiten Grinsen zu ihrer Faust sagen: „Und, Schatz – wie war ich?“ und die Faust antwortet :“Du warst toll, wie immer!!“

  9. adama (anonym) permalink
    28. Februar 2007 10:13:16

    sowas gibt es wirklich noch in der Realität? Ich dachte nur bei Loriot.
    Das ist bestimmt einer der Typen welche morgens Schweißgebadet mit einem breiten Grinsen zu ihrer Faust sagen: „Und, Schatz – wie war ich?“ und die Faust antwortet :“Du warst toll, wie immer!!“

  10. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:16:34

    REPLY:
    war definitely auch too sexy for his brain.

    Das Dumme war, dass ich ihn am Ende des Abends eigentlich hässlich fand. Das passiert eben, wenn die inneren Werte nach aussen treten 😉

  11. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:16:34

    REPLY:
    war definitely auch too sexy for his brain.

    Das Dumme war, dass ich ihn am Ende des Abends eigentlich hässlich fand. Das passiert eben, wenn die inneren Werte nach aussen treten 😉

  12. LLaura permalink
    28. Februar 2007 10:43:51

    „Ich weiss nicht, wie man Langeweile, Desinteresse und die Sehnsucht nach dem Ende des Abends noch besser darstellen könnte als ich“

    mit einem simulierten Herzinfarkt oder einer lautstark vorgetragenen Nierenkolik, meine Liebe.

    Glaub mir, das funktioniert immer!

  13. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:46:03

    REPLY:
    Du hier! Darauf einen Passionsfruchtsaft! :-))

  14. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:46:03

    REPLY:
    Du hier! Darauf einen Passionsfruchtsaft! :-))

  15. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:47:21

    REPLY:
    ich, was mir die ganze Zeit gefehlt hat:
    „Fragen Sie Frau LLaura“ !!!!!

  16. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:47:21

    REPLY:
    ich, was mir die ganze Zeit gefehlt hat:
    „Fragen Sie Frau LLaura“ !!!!!

  17. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:47:21

    REPLY:
    ich, was mir die ganze Zeit gefehlt hat:
    „Fragen Sie Frau LLaura“ !!!!!

  18. pipistrella permalink
    28. Februar 2007 10:48:24

    und seither wird der gute auf der suche nach diesem ominösen wein sein und sich übrigens wundern, warum du nicht nächsten tags sofort telefoniert oder ge-sms-elt hast, um ihn wieder und wieder zu treffen 😉

  19. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:54:34

    REPLY:
    hat vielleicht bis heute nicht herausgefunden, dass es sich im meine bevorzugte Kaffeesorte handelt, denn völlig humorentkernt war er ausserdem noch. Wie schlecht also kann ein Abend verlaufen, der gefühlsmässig mit Brad Pitt angefangen und mit einem

    aufgehört hat?

    Ich glaube, mein Telefon war irgendwie drei Wochen .. kaputt.

  20. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:54:34

    REPLY:
    hat vielleicht bis heute nicht herausgefunden, dass es sich im meine bevorzugte Kaffeesorte handelt, denn völlig humorentkernt war er ausserdem noch. Wie schlecht also kann ein Abend verlaufen, der gefühlsmässig mit Brad Pitt angefangen und mit einem

    aufgehört hat?

    Ich glaube, mein Telefon war irgendwie drei Wochen .. kaputt.

  21. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:54:34

    REPLY:
    hat vielleicht bis heute nicht herausgefunden, dass es sich im meine bevorzugte Kaffeesorte handelt, denn völlig humorentkernt war er ausserdem noch. Wie schlecht also kann ein Abend verlaufen, der gefühlsmässig mit Brad Pitt angefangen und mit einem

    aufgehört hat?

    Ich glaube, mein Telefon war irgendwie drei Wochen .. kaputt.

  22. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:59:13

    REPLY:
    ich kann noch viel von Dir lernen, meine Liebe! Brandy? 😉

  23. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:59:13

    REPLY:
    ich kann noch viel von Dir lernen, meine Liebe! Brandy? 😉

  24. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 10:59:13

    REPLY:
    ich kann noch viel von Dir lernen, meine Liebe! Brandy? 😉

  25. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 11:08:17

    REPLY:
    das sollte jeden halbwegs Entsetzbaren in die Flucht schlagen. Sollte. Eine handliche kleine Kettensäge, verpackt in einem hübschen Prada-Täschchen, fällt wahrscheinlich doch zu sehr auf…..

  26. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 11:08:17

    REPLY:
    das sollte jeden halbwegs Entsetzbaren in die Flucht schlagen. Sollte. Eine handliche kleine Kettensäge, verpackt in einem hübschen Prada-Täschchen, fällt wahrscheinlich doch zu sehr auf…..

  27. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 11:08:17

    REPLY:
    das sollte jeden halbwegs Entsetzbaren in die Flucht schlagen. Sollte. Eine handliche kleine Kettensäge, verpackt in einem hübschen Prada-Täschchen, fällt wahrscheinlich doch zu sehr auf…..

  28. larousse permalink
    28. Februar 2007 11:18:27

    REPLY:
    Womit wir eigentlich wieder beim Thema wären.

  29. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 11:22:38

    REPLY:
    wie sich Kreise früher oder später immer schließen?

    Wie haben wir das nur wieder so anbetungswürdig elegant hingekriegt? Ach!

  30. larousse permalink
    28. Februar 2007 11:38:08

    REPLY:
    Dreamteam, Madame, der Rest kommt geht ganz von selbst (o;

  31. larousse permalink
    28. Februar 2007 11:38:08

    REPLY:
    Dreamteam, Madame, der Rest kommt geht ganz von selbst (o;

  32. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 17:39:21

    REPLY:
    Praeferenzen, ich weiss 🙂

  33. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 17:44:35

    REPLY:
    und ich stimme zu. Also Ihren Ausfuehrungen zum Charakter des Herrn. Wo ich die Geduld hernahm? Man weiss es nicht. Ich war nicht mehr jung und brauchte auch kein Geld.
    Aber immerhin war er dann jetzt Jahre spaeter wenigstens fuer etwas gut 😉

  34. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 17:44:35

    REPLY:
    und ich stimme zu. Also Ihren Ausfuehrungen zum Charakter des Herrn. Wo ich die Geduld hernahm? Man weiss es nicht. Ich war nicht mehr jung und brauchte auch kein Geld.
    Aber immerhin war er dann jetzt Jahre spaeter wenigstens fuer etwas gut 😉

  35. Jekylla permalink
    28. Februar 2007 17:44:35

    REPLY:
    und ich stimme zu. Also Ihren Ausfuehrungen zum Charakter des Herrn. Wo ich die Geduld hernahm? Man weiss es nicht. Ich war nicht mehr jung und brauchte auch kein Geld.
    Aber immerhin war er dann jetzt Jahre spaeter wenigstens fuer etwas gut 😉

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