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Nur ein kleiner Vogel

26. September 2008

Gestern im Stall rief mich eine Reitkollegin in die Reithalle, ob ich wohl so nett sein könnte, einen toten Spatz aus der Ecke zu entfernen. Die kleinen Piepmätze verirren sich gern mal durch die offene Tür hinein, weil aber irgendwelche Sauerstoffallergiker, die ihre Zossen nicht im Griff haben, diese dann wieder schliessen, donnern die Ärmsten beim Fluchtversuch gegen die obere Scheibengalerie und nach einer Weile sind sie entweder genickgebrochen oder völlig entkräftet.

Dieser war nicht tot, versuchte noch ein paar Meter knapp überm Boden zu fliegen, um mir zu entkommen, gab aber dann auf. Das kleine Federbündel hab ich dann rausgetragen, sein Herz hab ich in der Hand schlagen hören, es war völlig fertig. Habe es dann an den Rand der Wiese gesetzt und erstmal versucht, im tröpfchenweise Wasser einzuflössen, es trank auch und ich hatte die begründete Hoffnung, dass es nach einer Weile Ruhe wieder in Ordnung käme.

Eine Stunde später wollte ich nach ihm sehen, in der Annahme, dass er zwischenzeitlich wahrscheinlich weggeflogen wäre. War er nicht. Der kleine Spatz war tot. Wenigstens ist er nicht in der staubigen Halle gestorben und auch die Katze hat ihn nicht gefressen. Er saß ihm Gras in der Abendsonne und hat einfach aufgehört zu atmen. Und jetzt sagen Sie mir nicht, ich sei sentimental und der Kreislauf des Lebens und es war doch bloss ein Spatz und all sowas. Weiß ich alles. Und trotzdem hat es mich gestern traurig gemacht. Ich bin eben manchmal doch ein sentimentales Weichei. Mir doch egal.

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18 Kommentare leave one →
  1. spontiv permalink
    26. September 2008 15:58:48

    eben! ich hätte es nicht anders gemacht! lieber weichei als gar kein rückgrat 😉

  2. 26. September 2008 16:21:20

    Es ist ein Lebewesen, daher ist es vollkommen normal, dass sein Tod traurig machen kann.
    Wer Sie Weichei schimpft ist ein roher Klotz.

  3. 26. September 2008 17:13:21

    So konnte er in Freiheit gehen und nicht eingeschlossen und in Panik.

  4. 26. September 2008 18:16:42

    *Snief
    Wie traurig, Madame!
    Aber wenigstens hat niemand von Ihnen verlangt, den Spatz jetzt mit nach Hause zu nehmen und ihn in einem Schuhkarton liegend im Garten zu verbuddeln, mit Trauergesang udn Ansprache.
    Und das nicht nur, weil Sie keinen Garten haben.

  5. 26. September 2008 19:21:13

    Sie hatten ihm Wasser zu trinken gegeben? Sicher?

  6. 26. September 2008 19:45:27

    Rüge @ Adama!

    Mein herzlichstes Beileid. Ihr Bericht hat mich doch sehr berührt! Wenigstens war er in seinen letzten Stunden bei einem Mensch mit Herz.

    Hmm wegen der Verirrungen der Vögel sollte man aber mal Vorsorge treiben … evtl Vogelaufkleber auf die Scheiben kleben oder sowas. Diese Aufkleber wirken wirklich.

  7. 26. September 2008 19:55:39

    Ich hab gerade Gewässer im Geäug.

  8. 27. September 2008 00:08:08

    * touched *

  9. 27. September 2008 09:43:16

    *

  10. 27. September 2008 13:17:58

    Ich verstehe ja dass es einem nahe geht ein verletztes Tier zu Entdecken und hilflos dazustehen. Das falscheste was man da machen kann ist diese Tiere – aber vor allem sein Handeln – zu vermenschlichen. Ich glaube kaum dass es dem Tier verständlich zu machen gelingt dass man ihn fängt und umher trägt nur zu seinem Besten.
    Ob jetzt die Stallkatze den Vogel jagt oder Madame mit ihren ehrenwerten Absichten ist dem Vogel eigentlich egal – nur für seine Rekonvaleszenz ist es abträglich, beides.

    Weil ich täglich mit solchen Dingen konfrontiert bin mag ich diesem allgemeinen Trauergesang nicht zustimmen.

  11. 27. September 2008 13:50:05

    Das verlangt auch niemand von Ihnen. Ich hielt seine Chancen ausserhalb der Reithalle schlichtweg für besser.

  12. 27. September 2008 14:21:44

    Da spalten sich wiedermal die Gemüter.
    Ich habe einst ein häßliches kleines Federknäuel aus umherkickenden Füßen von drei Jungs gerettet (unfaßbar!). Der Tierarzt sah keine großen Chancen. Ich habe das Vieh in einer Wohnung mit zwei Katzen aufgezogen, immer größer werdenden Käfige vor mein Fenster montiert (nur für meine Arbeitszeiten, ansonsten Freilauf), damit tagsüber die natürlichen Umgebungsgeräusche da waren. Habe Vogelbäder in meiner Wanne veranstaltet, bin schließlich 2x täglich in den Park gegangen und habe dem Viech fliegen beigebracht! (dabei gelernt, auf Bäume zu klettern) Als alles gut war, brachte ich es in den Berliner Zoo, wo „Tobi“, die Taube, dann ein prima Leben geniessen konnte.

    WEITER SO, Frau Jekylla. Es HÄTTE auch gut gehen können.

  13. 27. September 2008 14:25:24

    Es sind übrigens Aufkleber an den Fenstern. Nutzen leider nichts. Wären nicht so viele Schisser auf Pferden unterwegs, wäre allerdings die Tür meistens auf und das Problem nicht existent.

  14. 27. September 2008 16:13:09

    Mal so tief vom Boden aus gefragt – wovor schissern die Schisser hoch zu Ross eigentlich genau? Vor einer Sauerstoffvergiftung??

  15. 27. September 2008 17:36:17

    Die Schisser meinen, ihre Pferde würden sich durch vorbeiaufende/-fliegende/-fahrende Menschen, Vögel, Hunde, Traktoren oder was auch immer erschrecken und könnten sich bei geschlossener Tür viel besser konzentrieren. Die Wahrheit ist, dass sie ihre Pferde nicht im Griff haben. Aber natürlich sind die Pferde die Schisser. Nicht die Reiter, die sich nicht ins Gelände trauen, weil da so viele Gefahren lauern.

    Da bleibt dann eben die Tür zu. Und die Vögel drinnen. Und der Sauerstoff draussen. Frische luft wird ja auch komplett überschätzt. 😦

  16. 28. September 2008 11:58:10

    Sind das Pferde oder hochsensible Seismographen? Meine Fresse, Pferde sind stabil und keine Porzellanfigürchen. Da sieht man mal wieder, dass den meisten „Pferdenarren“ wohl ins Gehirn geschissen wurde….

  17. 28. September 2008 12:18:19

    Herr Multe, Pferde koennen auch schon mal umfallen, wie es das Bild bei Herrn r|ob beweist. Da waere ich also vorsichtig.

    (Sie wissen doch bestimmt selbst, dass so ein kleiner Spatz auch die unwilligste Dame umwerfen kann. Vor Lachen.)

  18. 13. Oktober 2008 11:52:17

    Als Kind habe ich einen kleinen Piepmatz vor dem Hungertod bewahren wollen. Er war von seinen Piepmatzeltern aus dem Elternnest gekickt worden.
    Habe ihm so viel Wasser und Körner hingelegt, wie man sich als Piepmatz nur wünschen kann, aber am zweiten Tag war er dann leider auch hinüber. Habe Tage gebraucht, um darüber hinwegzukommen…

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