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Tierquälerin Stefanie F.

8. November 2008

Heute nachmittag im Stall wollte ich einfach nur genießen. Wetter schön, alles gut. Das erste Mal wieder reiten seit über einer Woche.

Da gibt es aber dieses sehr alte Pferd. Das wegen starker Arthrose kaum noch laufen kann. Dass nicht mehr mit den anderen auf die Koppel darf, weil es den Weg dorthin kaum noch schafft. Das eigentlich ein ganz trostloses und auch nicht mehr schmerzfreies Pferdeleben führt. Ein ganz lieber Kerl. Dessen Besitzerin an kompletter Wahrnehmungsfreiheit leidet. Die nicht merkt, wann es ihre Aufgabe ist, dem Pferd einen schmerzloses und würdevollen Abschied zu ermöglichen.

Stattdessen fand ich den armen Kerl heute in seiner Box liegend. Er kam nicht mehr hoch, das stark arthritische Bein hinten viel zu schwach. Aber er versuchte es weiter. Immer wieder zur Seite gefallen. Sich das Auge an der Wand verletzt dabei. Diese schwachsinnige Besitzerin nicht erreichbar. Nicht das erste Mal. Sein Kreislauf immer belasteter, immer wieder umgefallen, hinten die Beine haben einfach nicht getragen. Tierarzt gerufen. Dann hat er irgendwann vor lauter Schwäche aufgegeben und ist auf der Seite liegengeblieben. In der Zeit neben ihm gesessen und ihn gestreichelt, beruhigend auf ihn eingeredet. Einfach bei ihm gewesen. Bis die Tierärztin kam.

Nicht die erste Tierärztin, die empfohlen hat, dem Pferd sowas zukünftig zu ersparen. Den Kopf gehalten, als sie versuchte, den Zugang zu legen. Vor lauter Panik und Schmerz hat er es dann doch geschafft, mit unserer Hilfe aufzustehen. Was eigentlich nicht gut ist. Wäre er liegengeblieben, hätte sie ihn an Ort und Stelle eingeschläfert.Auch ohne das Einverständnis der Besitzerin, der Idiotin.

Infusion gelegt, Tierärztin hält die Infusion, ich das Pferd. Schmerzmittel wirken, aber er ist fix und fertig. Wenn er sich das nächste Mal hingelegt, geht das Ganze von vorne los.

Besitzerin kommt, ich geb ihr den Strick und verschwinde. Denke dauernd an Grönemeyers Textzeile „meine Faust will unbedingt in sein Gesicht.. und darf nicht“.

Das Drama mit ihr ist nicht neu. Ich weiss nicht, in welcher Welt sie lebt, dass sie ihre Verantwortung nicht begreift. Wie gross ihr Egoismus ist, das Tier nicht in Würde gehen zu lassen, weil das mit Tierliebe schon lange nichts mehr zu tun hat. Höre die Tierärztin beim Versuch, ihr die Situation des Pferdes zu erklären. Keine Einsicht. Wieder einmal. Noch ist sein Herz stark genug, um diese Strapazen zu überstehen. Aber das nächste Mal steht quasi schon vor der Tür. Und vielleicht ist dann niemand da, der den Arzt ruft. Dann wird er in stundenlangem Kampf elend sterben. Und es ist ihre Schuld.

Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich brechen könnte.

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35 Kommentare leave one →
  1. 8. November 2008 22:04:02

    Mir kommt die Wut hoch.

    Hm. Die Überschrift.. liest sie wenigstens mit?

  2. 8. November 2008 22:04:54

    Du liebe Güte. Ich kann Ihre Wut gut verstehen und habe Mitleid mit dem unnütz leidenden Tier.

  3. 8. November 2008 22:08:41

    @Michi: Selbst wenn, sie begreift es einfach nicht. Wenn ihr ein Tierarzt sagt, sie muss dem ein Ende machen, ruft sie das nächste Mal einen anderen. Es ist zum Verzweifeln, da zusehen zu müssen und NICHTS tun zu können…

    @Markus: das war wirklich schlimm, das kann ich so gar nicht beschreiben. Die Hilflosigkeit beim Danebenstehen ist das Schlimmste. Und er ist so ein liebes Pferd.
    :´-(

  4. 8. November 2008 22:08:58

    ..und sie wird allen anderen die Schuld geben. Solche Menschen sind einfach blind, so traurig wie es ist.

  5. 8. November 2008 22:11:55

    @theswiss: als ihr junges Pferd sich in der Box festgelegt und total verkeilt hatte und der Stall-Pole ihm helfen wollte beim Aufstehen, hat das Pferd ihm aus Panik unglücklicherweise ins Gesicht getreten. Glauben Sie nicht, dass die nur einmal gefragt hat, wie es dem Mann geht.

    Wir anderen haben zwei Tage seinen Dienst gemacht, damit er sein Gesicht in Eis legen konnte…
    Im Gegenteil, ihr Kommentar: „hat ihn doch keiner gezwungen, da rein zu gehen“

  6. 8. November 2008 22:14:30

    Zum Kotzen!
    Ist das nicht schon strafbar?

    Lt. Wikipedia:
    Als Tierquälerei wird dabei die in § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG) beschriebene Straftat bezeichnet.
    Nach dieser Vorschrift wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer […] Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

  7. 8. November 2008 22:18:31

    Darüber wollte ich mich Montag mal bei einem Fachanwalt für Pferderecht schlau machen.
    Dazu müssten dann allerdings die diversen Tierärzte aussagen und ob die das machen, da bin ich nicht sicher. Sie wissen doch, wie das ist….

  8. 8. November 2008 22:18:58

    Das kommt davon, wenn Viecher vermenschlicht werden….

  9. 8. November 2008 22:21:11

    @Herr gorillaschnitzel: so ist es. Trotz all meiner Liebe für mein Pferd bin ich mir der Tatsache bewusst, dass es meine Verantwortung ist, für sein Wohlergehen zu sorgen und auch im Notfall die richtige Entscheidung zu treffen, so bitter sie für mich auch dann sein mag. In seinem Sinn, nicht in meinem.

    Das würde ich im Übrigen für mich selbst genauso erwarten, wenn ich das mal selbst nicht mehr kann.

  10. 8. November 2008 22:31:21

    Problematisch für so fürsorgliche und tierliebende Pferdehalter ist ja, dass der Einstich einer Kanüle, mit der möglicherweise Luft ins Herz injiziert würde, unter dem Fell nicht erkennbar wäre – selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass noch eine Autopsie durchgeführt würde, wenn ein derart altes Tier morgens tot im Stall aufgefunden würde…
    So etwas wäre selbstverständlich niederträchtig und verabscheuungswürdig. Drücken wir Frau F. die Daumen, dass ihr sowas nie passiert.

  11. 8. November 2008 22:35:44

    Das wäre selbstverständlich niederträchtig und verabscheuungswürdig. Und eher unwahrscheinlich, weil keiner, so wie ich vermute, genügend anatomische Kenntnisse hat, um das optimal zu lösen.
    Das ist das Glück von Frau F. Und das Pech des alten Pferdes.

  12. 8. November 2008 22:49:06

    So ein Unglücksfall würde sie auch aus der Verantwortung nehmen und sie hätte innert kurzer Zeit ein neues Opfer.

  13. 8. November 2008 22:50:44

    Das Schlimme ist: sie hat noch zwei Pferde. Ein beinahe ebenso altes und noch einen jungen. Das Grauen geht auf jeden Fall weiter.

  14. 8. November 2008 23:03:18

    Hallo Frau Jekylla,

    mein Einwurf weiter oben klingt vielleicht anfangs etwas flapsig, das will ich gerne zugeben, hat aber irgendwo auch einen mehr oder minder ernsten Hintergrund:
    Frau F.s bedauernswertes Familienmitglied hätte -so Frau F. halbwegs Vernunft zeigen würde- ja immerhin die Chance einen halbwegs würdigen Tod zu sterben. Diese Gelegenheit hat Opa Fritz nicht, der muss durch die Intensivmedizin und vermutlich hätte das die Frau F. auch gerne.
    Es ist letzten Endes das peinliche Aushängeschild einer -in weiten Teilen- verantwortungslosen Gesellschaft: Persönliche Verantwortung? Nicht vorhanden. Irgendwo muss es ja schließlich eine Stelle geben, die diesen Mist nun übernimmt. Klassische Versichertenmentalität, mit dem Unterschied, dass es eben nicht um eine zerdepperte Glasscheibe geht sondern halt um Lebewesen.
    Und so werden Menschen wie Frau F. weiter glauben, dass das Unvermeidliche aufzuhalten sei und sie werden erst dann bemerken, dass dem nicht so ist, wenn sie selbst den letzten Schnapper tun.

    Amen.

    So dies langweilt oder etwas fehlplatziert wirken sollte: Wech mit…

  15. 8. November 2008 23:09:26

    Nix wech mit, gut platziert und alles andere als langweilig. Und Ihren Einwand oben habe ich verstanden, ich sehe das -trotzdem oder vielleicht auch weil ich Pferdebesitzer bin- genauso.

    Eine meiner grössten Ängst ist so eine Art Siechtum, gegen das ich selbst nichts mehr unternehmen kann. Also bei mir jetzt.

    Meinem Pferd kann ich das ersparen und diese Entscheidung treffe ich sicher nicht leichtfertig, aber ich treffe sie. Zu seinen Gunsten. Das wusste ich schon vorher, aber spätestens heute, als ich diese Qualen gesehen und gehört habe.

    Sie ist der Ansicht, so lange er noch krauchen kann -und das ist mittlerweile wörtlich zu sehen- hat er am Leben zu bleiben.

    Zumindest die Tierärztin, die heute da war, ht sich klar geäussert, wenn sie nochmal gerufen wird und die Besitzerin nicht da ist, wird sie die Entscheidung für sie treffen. Ihr Mann ist Anwalt.. den wird sie dann auch brauchen.

  16. 8. November 2008 23:18:59

    @Gorillaschnitzel: Ich glaube, dahinter steht oft Feigheit, nicht der Wunsch, das Unvermeidliche aufzuhalten.
    Die Entscheidung, die hier zu treffen ist, ist die größte und schwerste: die über Leben und Tod. Sich davor zu drücken, nimmt die Entscheidung in letzter Konsequenz ab, denn irgendwann kommt das Sterben von allein.

  17. 8. November 2008 23:23:27

    Oh, ich breche mit Ihnen Frau Jekylla. Unglaublich. Als Tierbesitzer muß man diesen Teil der Verantwortung einfach mit annehmen und sich dem stellen. Wer das nicht tut… Faust=>Gesicht. Ich bin da voll bei Ihnen.

  18. 8. November 2008 23:25:55

    Herr Clamix, das ist wohl wahr. Und es graut mir vor dem Tag, an dem ich sie treffen muss. Aber das Grauen befreit mich nicht von der Pflicht, die ich mit dem Tier zusammen übernommen habe. Das bin ich ihm schuldig, ihn nicht elend verrecken zu lassen, nur weil ich zu egoistisch bin.

    Ihr stünden für die Entscheidungsfindung sämtliche Tierärzte zur Seite.

    Sie sehen, das Thema macht mir echt zu schaffen. 😦

  19. 8. November 2008 23:27:43

    @Herr Curi0us, wenn das so weitergeht, kann ich auch dauerhaft für mich nicht garantieren #Faust->Gesicht
    Gewalt ist keine Lösung, aber es täte mir soooo gut…

    Vergessen Sie das, ich weiss schon…

  20. 8. November 2008 23:59:41

    @Clamix, es ist nicht Feigheit, sondern Egoismus. Aber das haben Sie vermutlich gemeint. Siehe auch Frau Jekyllas weiterer Kommentar dazu.

    Ich mußte im März07 die bis dato schwerste Entscheidung meines Lebens treffen und habe meinen kleinen „Soulmate“ erlösen lassen (ich hatte schon viele Tiere, und habe auch jetzt wieder welche, aber dieser kleine Kerl war etwas ganz besonderes). So sanft wie möglich. Bei uns zu Haus. Nach 11 Jahren voller gegenseitiger Liebe und Respekt. Er starb in meinen Armen. Ich habe Rotz und Wasser geheult, wußte aber um meine Verpflichtung diesem kleinen Wesen gegenüber, das bis zuletzt voller Lebenswillen gekämpft hat.

    Das Gleiche hätte ich mir für „my darling“ gewünscht 2004. Da konnte ich ich nur „beten“. Ich wußte nur nicht, wohin. Weil ich nicht im eigentlichen Sinne glaube. Nur an das Schicksal. Und an das, was wir daraus machen. Auch hier hätte ich gern etwas getan. Aus reinster Liebe. Und weil ich hoffe, dass es in meinem Leben irgendwann jemanden geben wird, der tapfer in meinem Sinne entscheidet und handelt, wenn es nötig ist. Und wie es das Schicksal wollte, wurde mein „Gebet“ 2 Stunden später erhört. Und ich wurde ganz ruhig. Und es war Frieden.

    Was den Umgang mit Schutzbefohlenen angeht: Ich fordere seit langem „Führerscheine“ für Kinder und Tiere. Für alles braucht man Genehmigungen und Prüfungen. Nur für das Übernehmen von Verantwortung für andere Lebewesen nicht. Ich finde das EMPÖREND! Und das ist nicht bloggerisch lustig gemeint, sondern toternst!

    Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass das arme Viecherl bald seine Ruhe findet und dass diese unverantwortliche Person sämtliche Rechte entzogen bekommt, Tiere zu halten!

    Ersteres trifft hoffentlich ein, für Letzteres habe ich kaum Hoffnung….

    Frau Jekylla – weiter so! Nicht wegschauen!

  21. 9. November 2008 00:03:43

    Vollumfänglich bei Ihnen, Frau Vee. Auch todernst.

  22. 9. November 2008 07:31:35

    Grausam. Und wie lange geht das Ganze nun schon, ohne dass interveniert wurde?
    Leider kann man nie genau sagen, warum manche Besitzer eine Euthanasie verweigern. Mich erstaunt, dass der Stallbesitzer hier nicht schon lange etwas unternommen hat, denn es wäre an ihm zu reagieren. Wenn die Besitzerin einen Partner oder beste Freundin hat, dann wäre es vielleicht hilfreich, die anzurufen. Das sollte aber der Stallbesitzer tun. Schliesslich leidet schlussendlich sein Ruf, denn er sollte als erster erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Als Tierarzt hat man rechtlich keine andere Möglichkeit, als das Tier zu behandeln versuchen. Die Euthanasie ohne Einwilligung ist uns nur im äussersten Notfäll erlaubt. Gross- und Pferdetierärzte schalten meiner Erfahrung nach seltener den Tierschutz ein als wir bei den Kleinieren. Die Heimtiere sind gesetzlich auch viel besser geschützt als die Nutztiere, zu denen auch die Pferde zählen ohne entsprechende Ummeldung. Interessant auch, dass ein Bauer eine Kuh niemals solchen Qualen aussetzen würde, er hätte sie längst zur Schlachtung geschickt. Auch wenn die Szene schrecklich gewesen sein muss, es handelte sich der Beschreibung nach zu urteilen nicht um eine direkt lebensbedrohende Situation für das Pferd, wie zum Beispiel bei einer Darmdrehung bei einer Kolik, wenn das Pferd schon festliegt in der Box.

    Ihr könntet Folgendes tun:
    Nochmals mit der Besitzerin sprechen und deren Partner und ihr sagen, dass ihr innerhalb von 2 Tagen den örtlichen Tierschutzverein einschalten werdet,
    Den Tierschutz benachrichtigen, welcher sich die Situation anschauen kommt und Rücksprache nimmt mit den behandelnden Tierärzten und mit den verantwortlichen Behörden. Es kann gut sein,. dass die Besitzerin das Pferd abholen kommt und in einen anderen Stall verschwindet, das sollte dem Tier zu liebe unbedingt verhindert werden. Das ist das, was ich vorschlagen würde, wäre ich Eure Pferdetierärztin. Ausserdem würde ich den Fall nach Rücksprache mit meinem Chef dem Amtstierarzt melden.

    Hat sich bei der ganzen Diskussion überhaupt jemand überlegt, wie gut es die meisten Tiere eigentlich haben? In unseren Spitälern liegen zig Menschen, die eines elenden Todes unter Schmerzen sterben werden, nur weil sie zB einen unbehandelbaren Tumor haben und auch wenn sie inständig darum bitten, kein Gesetz und darum auch kein Arzt der Welt sie sterben lassen würden…

  23. 9. November 2008 07:41:30

    Und dem Clamix möchte ich noch sagen:

    Ich hoffe für Dich, dass Du niemals auch nur auf die Idee kommen solltest, Deinen Vorschlag je bei einem Tier zu versuchen. Das ist ja wohl das Dümmste, was ich je gehört habe!!

    Ausserdem scheinst Du keine Ahnung zu haben, was für eine Riesenkanüle Du brauchen müsstest um durch Haut und Herzmuskel eines Pferdes zu stossen und da sich das Herz auf wundersame Weise mehrmals pro Minute kontrahiert, wären die Verletzungsspuren einer Kanüle (so werden übrigens die „Nadeln“ korrekt genannt“) im Herzen selbst für mich bei einer pathologischen Untersuchung sichtbar. Ein grausamer Tod wäre vorprogrammiert.

  24. 9. November 2008 07:53:41

    Und je länger ich darüber nachdenke Jekylla: Ihr könnt wirklich etwas tun, ihr anderen Pferdebesitzer. Denn wollt ihr wirklich in einem Stall Eure Pferde haben, in dem der Besitzer des Stalles diesem Umstand schon so lange zuschaut? Immerhin scheint es dort jemanden zu geben, der sich wirklich um das Pferd sorgt: Du! Und dafür danke ich Dir im Namen des Pferdes.

  25. 9. November 2008 10:01:23

    Ich wünschte, Sie wären unsere Tierärztin (ich lese öfter bei Ihnen).
    Das Ganze geht jetzt seit einem Jahr, die Abstände werde jetzt kürzer. Das gestern war die fünfte Tierärztin, die der Besitzerin dringend geraten hat, das Tier zu erlösen.
    Sie wird nicht in einen anderen Stall verschwinden, es nimmt sie nämlich keiner mehr. Außer ihrer unverantwortlichen „Tierliebe“ ist sie nämlich dazu noch eine extrem unangenehme Person, auch das hat sich schon rumgesprochen. Die Stallbesitzerin hat sie bereits vor einem halben Jahr aufgefordert zu gehen. Macht sie einfach nicht. Das ignoriert sie. Unglaublich, oder? Und da setzen dann zwei Dinge ein bei der Stallbesitzerin: das „Mitleid“ mit den Pferden („wo soll sie denn hin“) und diverse private Verquickungen mit der Familie der Besitzerin. Auf der Schiene geht also gar nichts. Zumindest aber haben sowohl die Stallbesitzerin als auch ihr Mann gestern das Elend mal so richtig hautnah und live mitgekriegt, ich werde heute nochmal mit ihr darüber sprechen.

    Mit dem Tierschutz habe ich bereits gesprochen und muss sagen, es war enttäuschend. Da wird nach der Haltung geschaut (Box sauber, fressen etc.) und nach dem optischen Zustand (verwahrlost, ungepflegt etc.) und da ist nunmal nichts zu bemängeln und dementsprechend könne man da nichts machen. Es hieß, am besten wäre, wenn ein Tierarzt den Stein ins Rollen bringt.

    Stimmt, der Zustand war -noch- nicht lebensbedrohlich. Deswegen hatte auch die TA gehofft, dass das mit dem Aufstehen nichts mehr wird, dann hätte sie… sagte sie. Und das nächste Mal würde sie… sagte sie.

    Ich war heute nacht noch mal dort, um nach ihm zu sehen. An die Wand gelehnt, total kaputt – ein Bild des Jammers.

    Was Herrn Clamix angeht, ich verstehe seinen Gedanken und wenn es so einfach wäre, wie man sich das vorstellt. Ist es aber nicht. Es war ja schon ein Drama, die Braunüle in die Vene zu bekommen, so verspannt, wie das Tier war. Das sind aber die Gedanken, die aus dem Zorn entstehen, dass man selbst einfach nichts machen kann.

    Und ich hab ja weiter oben schon gesagt, dass ich das für mich selbst auch hoffe, dass jemand mir hilft, wenn ich mir mal nicht mehr selbst helfen kann und mich nicht elend dahnvegetieren lässt. Das ist grauenvoll, da haben Sie vollkommen recht. Diese illegale und strafbare Veranwortung muss dann jemand übernehmen und das hoffe ich sehr. Ich bin ein großer Befürworter der begleiteten Sterbehilfe und das war schon oft Diskussionsthema im Freundeskreis.

    So gesehen hat das Tier an sich es viel besser in dieser Beziehung. Wenn es denn einen Menschen hat, der sich nicht vor der Verantwortung drückt.

  26. 9. November 2008 10:27:06

    !!! Es ist alles gesagt. Ich hoffe, F. wird eines Tages als ihr eigenes Pferd reinkarniert. Damit sie am eigenen Leibe erfährt, WAS es bedeutet.

  27. 9. November 2008 11:48:52

    Fachanwälte für Pferderecht gibt es bei uns noch nicht, nur Kollegen, die sich dort spezialisiert haben. Allerdings gilt das meist für zivilrechtliche Fragestellungen; hier geht es um StrafR oder OwiR. Das Gesetz bestraft den, der ohne vernünftigen Grund dem Tier leiden zufügt; und die lieben Juristen können in den Begriff des vernünftigen Grundes alles und nichts hineinlesen (das macht jeder Staatsaanwalt schon anders). Ich würde den zuständigen Amtsveterinär einschalten, der kann dann die Kreisordnungsbehörde informieren; die könnte dann was machen. Mussen tut sie auch nix…

  28. Schonzeit permalink
    9. November 2008 12:00:45

    ich kann das auch immer nicht verstehen, wie leute der Meinung sind, dass man so mit tieren umgeht. Möglichst lange Leben ist nicht immer der Beweis für Tierlebe.

    Das verstehe ich genausowenig, wie das ich immer als Tierhasser abgestempelt werde von militanten Tierfreunden, nur weil ich sage, dass ich mir keine Tiere halten möchte. manchmal sind die Wahrnehmungen so auf den eigenen Punkt fixiert, dass die Welt nicht mehr zählt.

    Traurig sowas. Ich hoffe, dass das Tier bald ohne großes Leid in Würde abtreten kann.

  29. sparschäler permalink
    9. November 2008 13:07:19

    mir als pferdelaie ist dieser traurige anblick sofort augefallen und glücklicherweise ist mir eine begegnung mit dieser frau erpart geblieben. dafür hab ich absolut kein verständnis, ein pferd nur noch so vor ich hin vegetieren zu lassen.

  30. 9. November 2008 14:13:01

    Vielleicht hatte ja Clamix eher die Pferdehalterin im Sinn, als ihm die Idee mit der Kanuele kam? Unfaelle passieren nun mal…

  31. 9. November 2008 16:33:13

    Das Thema kenne ich leider. Dummerweise hat ausser dem Besitzer niemand eine Möglichkeit da einzugreifen.
    Als wir mal einen ähnlichen Fall hatten setzten wir die Gruppendynamik ein. Als der Besitzer zur gewohnten Zeit im Stall eintraf sah er sich drei Tierärzten und 18 Miteinstellern gegenüber die ihn erst gehen liessen als er sich „richtig“ entschied. Hinterher war er sogar dankbar dafür und hatte auch seine Einstellung korrigiert.

  32. 9. November 2008 18:28:04

    @Michi: ja, das ist insgesamt ein grenzwertiger Fall. Der Amtsveterinär wurde auch schon zu dem Thema befragt, die Einstellung ist die gleiche wie vom Tierschutzverein: wenn die Haltungsbedingungen, Futter und Erscheinungsbild in Ordnung sind, passiert. nix.

    @Herr DaShan: es ist manchmal ein Zeichen größerer Tierliebe, die Entscheidung zu treffen, keins zu halten, weil man den Bedürfnissen (Zeit, Pflege, Haltung) nicht entsprechen kann als sich einfach eins ins Haus zu holen und „schau mer mal“.

    @Herr Adama: an der Einstellung dieser Frau korrigiert nichts und niemand was. Habe vorhin mit ihrer Mutter gesprochen -die einzige mit Hirn in der Familie- und ihr den gestrigen Ablauf geschildert. Sie will mit ihrer Tochter sprechen, aber ich sehe da nicht viel Hoffnung.
    😦

    @Herr sparschäler: ja, wenn man das erstmal selbst aus der Nähe gesehen hat, geht es einem noch viel näher.

    @Herr Pé: das kann natürlich sein.. ….

  33. 10. November 2008 20:11:53

    Fällt mir nichts zu ein. Und das passiert bekanntlich selten. Zumal ich in einem solchen Fall bei meinem Pferd, wenn’s im schlecht ginge, überhaupt im Stall schlafen würde.

  34. 12. November 2008 18:16:24

    Geht mir genauso. Ich stehe dem auch recht verständnislos gegenüber. Ich hätte wohl keine ruhige Minute „away“, also das mit dem im Stall schlafen könnte von mir sein.

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  1. Kein schöner Tag « Hyde and Seek

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