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Happy Birthday, Muddi!

21. Januar 2009

Sage ich ihr heute natürlich auch noch persönlich, allerdings nur per Telefon, weil Muddi mal wieder aushäusig, sogar ausländig unterwegs ist. Der Beschluss, diesmal keine grosse Party zu feiern, sondern eine essspanische Sssonneninsel zu besuchen, kam spontan. Wie Muddi eben so ist. Diesmal sogar sehr langweilig fest gebucht und nicht Standby, das nimmt zwar ein bißchen den Nervenkitzel, aber in dem Alter kann man auch mal ohne.

Muddi ist einfach klasse. Nach dem Tod meines Vaters vor zehn Jahren wuppt sie alles alleine, was ich ihr nie zugetraut hätte, denn zu Vaters Lebzeiten hat er sich um alles gekümmert. Man konnte den Verdacht haben, dass sie alleine nicht zurechtkommen würde. Weit gefehlt. Wenn sie muss, kann Muddi alles. Dabei kann ich die Tage an zwei Händen abzählen, an denen sie schlecht drauf ist. Wo andere froh sind, wenn sie ihre Mütter maximal am Muttertag, am Geburtstag und an Weihnachten sehen, bin ich gerne mit ihr unterwegs. Die gemeinsamen Urlaube waren bisher immer großartig, wobei ich sagen muss, dass sie bei afrikanischer Hitze eindeutig die bessere Partykondition hat, vor hawaiianischen Riff-Haien weniger Angst als ich und kein Problem mit nächtlichen U-Bahn-Fahrten in New York hat. Nun könnte man meinen, Muddi wäre dann eher eine Freundin als der Muttertyp, aber das stimmt so auch nicht. Muddi ist alles das. Eine tolle Frau, eine hundertprozentige Vertraute, eine Freundin – und meine Muddi.

Standards waren auch noch nie ihr Ding, wenn jemand Verständnis für meine zuweilen irritierend anmutenden Unternehmungen hat, dann sie. Noch bloggt sie nicht selbst, aber sie findet es … faszinierend. Sie probiert ohnehin immer alles aus. Fährt Jetski und paraglidet, saß das erste Mal auf Hawaii auf einem Pferd, fragt bei 230 km/h „kann der schneller?“, ist eine prima Sozia auf dem Krad, fällt in Dresden in der Semper-Oper die Freitreppe hinunter und bricht sich den Arm, verpasst aber deswegen nicht den letzten Akt, geht in Amerika als Standby unterwegs verloren und schlägt sich zwei Tage alleine durch, ist ein Linksspur-Drängler, ist völlig vorurteilsfrei und immer offen für Neues. Dreimal die Woche ins Fitness-Studio, unzählige Freunde, Wandergruppe, Theater, Konzert – Muddi ist alles andere als die klassische Rentnerin, das steht fest. Und dass es manchmal logistisch eine echte Herausforderung ist, einen „Tochter-Termin“ zu bekommen. Aber wenn ich sie brauche, ist sie da.

Ich kann nur hoffen, dass ich ein paar von den guten Genen erwischt habe von Muddi, weil SO kann man dann wirklich beruhigt älter werden. Man merkt es ja gar nicht. Oder es ist einem egal. Muddi ist der beste Beweis für die Theorie „man ist so alt, wie man sich fühlt“. Also eben nicht.

Von hier aus wünsche ich der großartigsten Mutter überhaupt -abgesehen vielleicht von Ihrer- einen tollen Geburtstag in der Sonne und freue mich schon auf das verspätete Geburtstagsessen. Vielleicht im Rahmen eines Wellnessweekends in… Amsterdam. Da wollten wir schon immer mal hin übers Wochenende. Natürlich wegen der Grachten und so🙂

10 Kommentare leave one →
  1. 21. Januar 2009 00:53:52

    So’ne Tochter, die solche Blogeinträge macht, ist aber auch nett…

    Ansonsten:
    Mal kurz geschluckt. So ein ungetrübtes Verhältnis hatte ich nicht, dass es je zu solch einem Beitrag gekommen wäre. Aber so ab und zu hätte ich schon gern lebende Eltern…

    Meistens ist es mit Ersatzeltern in Ordnung, Schwiegereltern und so.

    Aber halt nicht immer…

    Klasse Beitrag, Glückwunsch an die Muddi und ihre Tochter!

  2. 21. Januar 2009 06:21:54

    Ich weiß, dass ich da wirklich Glück hatte. Mit beiden.

    Den Glückwunsch muss ich gar nicht ausrichten, sie liest das früher oder später hier, danke🙂

  3. 21. Januar 2009 07:52:33

    Du hast wirklich einen wunderschönen Beitrag über deine Mutter geschrieben.

    Frau Muddi! Unbekannterweise wünsche ich Ihnen ein weiterhin viele ereignisreiche und glückliche Jahre!

  4. 21. Januar 2009 08:06:27

    Das war auch ganz leicht, ich hätte noch viel mehr schreiben können🙂

  5. 21. Januar 2009 09:47:57

    Wenn Sie da genetisch genug mitbekommen haben, Mrs. Jay, fangen Sie mit 85 wahrscheinlich noch das Nacktfallschirmspringen oder Freeclimbing an Wolkenkratzern an. Wenn Sie sich von Ihrem Ponyhof auf Hawaii trennen koennen, natuerlich.

    Trotzdem auch von hier die besten Wuensche nach Gomera (das sollte es ja passenderweise sein), da der Weg wohl kuerzer ist als bis nach Deutschland.

  6. 21. Januar 2009 10:03:27

    Doktor Pé, die Chancen stehen ganz gut, glaube ich. Wobei man das Freeclimbing mit dem Fallschirmspringen verbinden könnte. Man hat doch immer zu wenig Zeit😉

  7. 21. Januar 2009 10:08:09

    Und das Ausziehen dann vor dem Aufstieg oder erst am Gipfel des Hoehepunktes? Eine Ju-Tjub-Veroeffentlichung ist natuerlich obligatorisch.

  8. 21. Januar 2009 13:25:51

    Puh, da wird mir ja schon vom Lesen schwindelig und ich bekomme Herzrasen von dem Muddi-Tempo. Zwei Dinge sind klar: Es wurde weiter vererbt an Tochter Jeky. Und es wird Zeit für das eigene Blog, Frau Muddi! Bei DEM Potential?

    Doch vorerst die herzlichsten Glückwünsche, da Sie ja hier mitlesen! (Auch zur Tochter übrigens! Wohl Ihre Bestleistung.)

  9. 21. Januar 2009 20:33:29

    Hach ja…

    Meine ist zwar älter, aber auch „bekloppt“. Als sie 75 wurde, habe ich sie als Sozia mitgenommen. Auch Tempi über 200 waren kein Problem für sie, höchstens für mich (Landstrassen sind in D doch irgendwie tempobeschränkt?). Daß sie zu Anfang ihre Beine wie ein junges Mädel zusammengekniffen hat, ist ihrer motorradtechnischen Unerfahrenheit zuzuschreiben. Irgendwann habe ich mal nach hinten gefühlt, ob sie noch da ist.
    Nur ausgehen werde ich nicht mit ihr. Sie möchte den jungen Dingern immer Konkurrenz machen und das ist dann doch etwas zu viel des Guten für mich alten Mann.😉

    Muddi herzliche Glückwünsche und dickes Küßchen von

    Stan B.

  10. 21. Januar 2009 21:25:36

    Frau Vee, das können Sie laut sagen, manchmal komme ich mir älter vor als sie🙂

    Her Beamish, das wundert mich üüüberhaupt nicht, immerhin sind SIE der Sohn😉

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