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The Schlipsträger Company

16. Juli 2009

Ich arbeite ja in einem Unternehmen, in dem die Kleidungsfarben Blau, Schwarz, Grau und Weiß –jeweils miteinander kombiniert- im klassischen Businesslook zusammenlaufen. Also ohne Uniformzwang, aber doch dann irgendwie unterschwellig mit.

Nun bin ich selbst ja schon zuweilen antimainstreamig unterwegs in etwas fröhlicheren Farben und auch schon mal mit den guten alten Luccese Straußenleder-Boots und Jeans, aber da gibt es zwei, die sind noch besser drauf. Der eine Herr erscheint zuweilen auch klassisch, nämlich klassisch Australisch im Staubmantel und Down Under-Cowboyhut, das Ganze unterlegt mit Klapperschlangen-City-Slicker-Cowboystiefeln und mit frechem Pferdeschwanz. Also die Haare. Er ist schon ein Hingucker zwischen all den Anzugträgern mit ihren formvollendeten Casual Cut-Haarschnitten, aber einer, den man amüsiert zur Kenntnis nimmt.

Dann hätten wir allerdings noch diese Dame in den Endfünzigern (die Einschätzung kann nach oben täuschen wegen grauer Haare und Hautzustand), die im Sommer –also jetzt- mit einem an Leichtigkeit nicht zu überbietenden Baumwollkleid in maximal Oberschenkelmitte-Länge kombiniert mit handelsüblichen Flip Flops umherwandelt.

Ich schwanke da zwischen latentem Entsetzen und Belustigung, tendiere aber langfristig zu Entsetzen. Andererseits verdient es ja inmitten dieser perfekt Gedressten schon fast Bewunderung, wie man herrschende Kleidercodici so vollumfänglich ignorieren kann. Dazu mit einer Figur gesegnet, die alles andere als über-Knie-Länge einfach nicht mehr rechtfertigt. Und es heißt Cellulite, nicht Cellulitis, übrigens.
Dazu gehört entweder eine immens große Portion Selbstbewusstsein oder eine immens große Portion Ignoranz der Naturgegebenheiten, auch verschobene Selbstwahrnehmung genannt.

Vielleicht und nur vielleicht ist sie aber einfach an einem Punkt angelangt, wo ihr das einfach alles scheißegal ist. Wie das aussieht, was andere drüber denken. Hauptsache, sie fühlt sich wohl. Und das ist bei Temperaturen um 30 Grad in ihrem Outfit eher wahrscheinlich als im Anzug. Mit Schlips. Vielleicht frag ich sie einfach mal. Oder ich starre ihr einfach weiter verwundert hinterher. Bin noch unentschlossen.

10 Kommentare leave one →
  1. 16. Juli 2009 11:52:49

    Howdy! So lange der Cowboy den Kaffee nicht mit dem Lasso einfängt….😉

    Ich finde ja, was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Ich bin auch früher immer gerne im Hochsommer zwischen all den Röckchen-und-Blüschen-Juristinnen in grau-blau-schwarz mit meinen fröhlich-bunten Trägerkleidern umhergelaufen. Und der Unsitte, im Winter unterm Rollkragenpulli eine Bluse zu tragen, deren Kragen man dann nach oben rauspfriemelt, habe ich mich auch erfolgreich widersetzt🙂

    Ich würde also vorschlagen, Sie tragen morgen zu Abwechslung mal Ihre blumige Badekappe ins Büro. Kann man ja auch mit ner hübschen Bluse kombinieren. Da wird die Dame mit dem Baumwollkleid aber Augen machen!

    • 16. Juli 2009 12:35:28

      Frau Pleitegeiger, ich bin relativ sicher, da Sie in besagtem Outfit im wahrsten Sinne eine gute Figur machen wrden. Und da der Tip mit der Gummipuschelblmchenbadekappe von Ihnen kommt, war mir SOWAS von klar!🙂

      Am 16.07.09 schrieb

      • 16. Juli 2009 15:29:42

        Ich freue mich schon auf Ihren neuen Gravatar. Blümchen-Badekappe hat schliesslich nicht jede😉

        • 16. Juli 2009 15:31:15

          Wenn das Ablösen der Gummiblümchenpuscheln aber in der Geschwindigkeit weitergeht, werde ich bald nur noch eine schnöde Glatzengummihaube haben. Offenbar schwimme ich zu schnell🙂

          • 16. Juli 2009 15:37:28

            Dann sollten Sie das Foto schleunigst machen (lassen). Oder die Geschwindigkeit verringern. Oder die Blümchen mit Spezialkleber fixieren.

          • 16. Juli 2009 15:41:06

            Hahahaha, stelle Sie mir jetzt als Cone-Jeky vor!😀

            • 16. Juli 2009 15:42:16

              Ja, mit jeweils einem Gummipickel an der Stelle, wo der Puschel saß. Apart, sage ich Ihnen, apart!

  2. 17. Juli 2009 17:10:37

    ich bin ja immer für freestyle im job. üblicherweise sind die hier konsequent unangepassten die cooleren (oft auch die klügerren) vom rest.

  3. 22. Juli 2009 13:15:32

    Bin ich froh, dass ich mich in meinem Berufsleben nie mit irgendwelchen Bekleidungsvorschriften, ob nun direkten oder unterschwelligen, auseinandersetzen mußte🙂

    • 22. Juli 2009 13:17:33

      Ganz früher war ich ja auch mal eine Weile Uniformträgerin. Wobei das durchaus Vorteile hat: es spart morgens Zeit vorm Kleiderschrank und das Klamottenstutengebeisse ist bei den Kolleginnen nicht vorhanden🙂

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