Skip to content

Es kann JEDEN treffen …

12. Oktober 2009

Gestern abend ruft bester Freund von allen ganz aufgelöst an. In der Nähe der Wiesbadener Fußgängerzone seien ihm (er hatte eine Tüte Zeugs dabei) vier Jugendliche mit Migrationshintergrund im Alter von geschätzt 15 Jahren auf dem Bürgersteig entgegengekommen. Eigentlich sei genug Platz gewesen, aber als sie ihn sahen, hätten sie sich soweit aufgefächert, dass er keine Chance mehr hatte, an ihnen vorbeizukommen. Er also mitten durch. Einer der Typen, der einen Karton trug, liess den fallen und rief „Hey, Du Sack, da war Handy drin, Du mir geben 100 Euro. Jetzt.“ Und schwupps, sei er umzingelt gewesen. Ihm sei spontan der Schweiß ausgebrochen, aber er sei nach nach außen ruhig geblieben, konstatierte nur, dass er keine 100 Euro geben würde, er sei lediglich durchgegangen, nachdem sie ihm den Weg versperrt hätten. Der Ton wurde wohl unangenehmer, immer noch „Du mir gebe 100 Euro JETZT oder willst Du aufs Maul?“

Das sei der Moment gewesen, als ihm dämmerte, dass er aus der Nummer eventuell nicht unbeschädigt rauskommen würde und er entschied auf Gegenangriff. Liess seine Plastiktüte fallen, stellte sich in Positur und sagte: „Dann fang an.“ Zu Gute kommt dem besten Freund von allen eine äußerst kompakte Statur, bei einer Größe von 1,89 und einem Kampfgewicht von 98 Kilo kommt dann noch der böseste Gesichtsausdruck von allen dazu. Das Gesamtpaket hat die vier Buben wohl verunsichert. So wie ich ihn kenne, hat er auch besorgniserregend wütend ausgesehen, das kann schon gewirkt haben. Die vier drehten unter wüsten Beschimpfungen im Stil von „Deutsche Sau“ ab. Das Ganze spielte sich -wie üblich- unter den Augen von etlichen Passanten ab und wie üblich kam keiner zu Hilfe.

Der beste Freund von allen ist alles andere als ein Mädchen, aber er gab gestern unumwunden zu, dass er Angst hatte. Angesichts der Vorfälle der letzten Zeit kein Wunder. Und wenn es einen dann selbst betrifft, beängstigend. Er hatte Glück, dass diese vier (noch) nicht die Gewaltbereitschaft erreicht haben, die das hätte eskalieren lassen, aber er ist sich der Tatsache bewusst, dass er gegen die vier zusammen, wenn sie denn Ernst gemacht hätten, keine Chance gehabt hätte.

Sein Fazit: nicht mehr unbewaffnet in die Innenstadt.

10 Kommentare leave one →
  1. 12. Oktober 2009 10:15:11

    Tsja, so ähnlich erlebe ich das in meiner ecke ja häufig. Und hier musste ich lernen zu unterscheiden zwischen den kleinen pubertären kids, die anfangen sich frei zu strampeln, denen mit einem bösen blick von oben beizukommen ist und denen, die schon älter sind und tatsächlich den ärger wollen, weil sie danach womöglich einmal wenigstens als sieger rausgehen. bis jetzt habe ich – als frau – noch sehr gute erfahrungen gemacht, mit offensivem verbalen feedback. bis jetzt hat das gesessen, noch halten sie sich zurück bei einer frau. allerdings bin ich auch groß, meistens größer als diese hansel. ich will nicht darüber nachdenken, was sich frauen anhören und gefallen lassen müssen, die einen kopf kleiner sind als ich – oder einfach ängstlicher. allerdings ist auch bei mir der wunsch nach einer ausstattung im ernstfall stetig am wachsen. das problem ist, dass man nie weiß was für einen trip die gerade geschmissen haben, dann hilft normales logisches verhalten nicht mehr weiter.

    freitag hatte ich so einen moment mit einer frau. fußgängerbrücke zum s-bahnhof. ich lief ganz rechts am geländer in verkehrsrichtung, wie man das eben macht in einem land mit rechtsverkehr, und wühlte in meinem portemonnaie nach fahrgeld. von vorne links kam ein mädel, das dann, warum auch immer meinte, in meine spur schwenken zum müssen und wie eine bekloppte mich überrannt hat. ich habe sie kommen sehen und wir haben uns sehr bewusst in die augen gesehen. die wollte halt stress, denn hatte sie dann. ich bin dmal nicht ausgewichen, bin ihr hinterher und habe ihr eine rübergezogen, damit sie den gleichen schmerz spürte, den sie mir gerade zugefügt hatte und habe sie in grund und boden geschrien. komischerweise: richtig laut anschreien: da knicken die immer noch ein. ich hasse so etwas, selbstjustiz ist so banane. andererseits ist mit reden da auch nichts mehr zu regeln und ich habe keine lust mehr, mich von diesen kleinen *pardon my french* wichsern und wichserinnen (gegendert!) drangalisieren zu lassen. ich merke, wie mein eigenes aggressionspotential stetig wächst. und das macht mich erst richtig sauer!

    jetzt stelle man sich vor, solche typen bauen sich vor einer älteren frau um die 70 auf?

    • 12. Oktober 2009 10:21:20

      Dass meine Mam von Jugendlichen in Paris überfallen wurde, hatte ich ja erzählt. Auch chancenlos.
      Ich bin ja eher nicht groß, aber sehr wehrhaft, ich denke, es kommt bei den Typen auch auf den ersten Eindruck an (leichte Beute). Wenn man mal mitten im Zenit ihrer Aufmerksamkeit ist, ist es eh zu spät. Ich hoffe nur, ich komme nie in eine wirklich lebensgefährliche Situation, aus der ich mich nicht mehr rausbluffen kann. Wie in Mönchengladbach vorm Stadion, als dieser Vollhonk… ach das ist eine andere Geschichte.

      Stimmt, das eigene Aggressionspotential wächst. Vor Jahren hab ich wegen eines „Übergriffs“ mal so einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Ich denke, ich werde mich jedenfalls nicht zu billig verkaufen, wenn es dann brennt. Meine Hemmschwellen sind jedenfalls ausgemerzt (Fingernagel ins Auge, treten, beissen, kratzen, boxen…)

      • 12. Oktober 2009 10:22:20

        Sagen wir mal, ich hoffe, dass ich mich nicht zu billig verkaufe. Wie man im Ernstfall wirklich reagiert, weiss man meistens erst, wenn er eintritt..

  2. 12. Oktober 2009 11:34:40

    Ja, man kann nur hoffen. Es tragen sich aber neuerdings nie geahnte Ängste ins Leben und die rauben Lebensqualität.

    • 12. Oktober 2009 13:35:32

      Das ist wahr. Darüber hat man früher nie nachgedacht. Nachdenken müssen.

  3. 12. Oktober 2009 13:32:16

    Ich hoffe nur dein Freund hat sofort Anzeige bei der Polizei wegen versuchten Raubüberfalls erstattet und seine Aussage auch bekräftigt.
    Richte von ihm bitte aus, dass ich ihm zu seiner Courage gratuliere und das es sehr schade ist, dass es nicht mehr solcher Menschen gibt.
    Ich kann gut verstehen, dass man Angst in einer solchen Situation hat, aber wenn man sich immer nur auf die anderen verlässt, ändert sie nie etwas.

    Gruß

    AMUNO

    • 12. Oktober 2009 13:37:46

      Oh, soweit ich weiß, hat er das nicht. Wobei der Sinn oder auch die Sinnlosigkeit auch fraglich sind. Ich erzählte hier, dass meine Mutter während eines Parisaufenthaltes überfallen und beraubt wurde, natürlich Polizei, Protokoll, Anzeige. Kommentar des Polizisten: „Wieder was für den Stapel Ablage“. Dürfte hier nicht anders sein. Zumal ja immer erst was passieren muss. Wenn man nicht verletzt oder tatsächlich beraubt wurde, sind soclhe Bedrohungen ja für die Behörde eher Peanuts.

  4. chaot permalink
    12. Oktober 2009 19:39:30

    ah wie ich sowas liebe! nein, ich sage jetzt nichts. nein. ahhhh!

  5. 13. Oktober 2009 00:23:46

    Da hofft man nur, dass die Ohnmacht nicht die Übermacht erhält – nur leider stellt sich Ohnmacht immer schnell ein. Entweder angesichts der gezeigten Dreistig- und Unverschämtheit, andererseits aus purem Überlebenswillen. Neuerdings heißt es ja auch bequem, dies alles ist nur das Ergebnis fehlender Integrationsmaßnahmen…

    • 13. Oktober 2009 15:15:55

      Bequemlichkeit. Das ist ja die fiese Krankheit an der sehr, sehr vieles krankt in diesem Land.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: