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Man kommt ja zu nichts mehr!

3. März 2010

Außer manchmal zu den schönen Dingen. Wie zu einer Einladung eines zufriedenen Kunden, den ich das Glück habe, zu betreuen.

Letztes Jahr war das Dankeschön für die Leistungen des vergangenen Jahres für seine Mitarbeiter und mich eine Einladung zu einem Museumsbesuch einer Ausstellung (Impressionisten) mit anschließendem Dinner beim hervorragenden Italiener, dieses Jahr gab es als Event vor dem Essen einen Exkurs in das Dialogmuseum.

In Gruppen zu jeweils sechs Leuten übernahm ein blinder bzw. sehbehinderter Guide die Führung durch mehrere Ausstellungsräume der anderen Art, bei 0 Lux Beleuchtungsstärke, mit einem Blindenstock und einer Menge gemischter Gefühle dauerte die Führung durch die Dunkelheit über eine Stunde, die wie im Flug verging. Ebenso, wie man die Atmosphäre und Geräuschkulisse eines Waldes mit Vogelstimmen, Äste knacken und Bachrauschen genoß, verängstigte das Szenario „Stadt“, mit Hupen, Martinshörnern, LKWs, die gefühlt einen Meter an einem vorbeirauschen. Die Aufgabe, eine Straße an der Ampel zu überqueren, war trotz Grün-Audio-Signal ein echter Herztest. Insgesamt neigte man dazu, sehr schnell verunsichert zu werden und zwischendurch gebotene Stille zu genießen.

Aufgefallen ist mir, dass ich, je sicherer ich mit dem Stock umging, umso mehr die Augen einfach geschlossen hielt. Auch, dass ich Stille als zunehmend wohltuend und Sicherheit vermittelnd empfand. Der Weg durch die Räume war derart gestaltet, dass man anfangs noch mehr Möglichkeiten hatte, in der einen Hand den Stock zu halten und sich mit der anderen an einer Wand entlangzutasten. Die Wände wurden weniger, der Bezug zur Stimme des Guides und der der anderen Mitwanderer wurde immer wichtiger. Man half sich untereinander und legte auch anfängliche Berührungsängste ab. Immerhin handelte es sich nicht um enge Freunde oder Bekannte, sondern um Kollegen, die ich kaum kenne.
Zum Schluß gab es die Möglichkeit, dem Guide über das Alltagsleben eines Blinden Fragen zu stellen, da war das vorangegangene Erlebnis natürlich eine hervorragende Grundlage.

Diese Ausstellung, die weltweit tourt, kann ich nur wärmstens empfehlen, bitte folgen Sie dem obengenannten Link, es lohnt sich! Und wenn Sie sich weitergehend informieren wollen, empfehle ich Sie an das Blog http://www.blindpr.wordpress.com von @HeikoKunert weiter, da bekommen Sie qualifizierte Antworten auf Fragen zum Thema.

Und dann gab es Essen. Hier.

Bei der Menüauswahl (es standen je zwei Vor-, Haupt- und Nachspeisen zur Auswahl) waren Dinge dabei, die ich nicht mal dem Namen nach kannte und selbst in der Food-Deko verbargen sich optisch gar wundersame Dinge.
Drum schreibe ich nur, was ich gegessen habe und stelle fest: es war gut. Was immer es war.

Tatar vom Yellow Fin Tuna mit Bottarga, Koriander & langem Pfeffer
***
Zanderfilet mit Kartoffelschuppen auf Champagnerkraut & Krustentierbisque
***
„Delicé von Mango & Vollmilch-Schokolade“ Gâteau, Sorbet, paté de fruit et Jus

Abgesehen davon, dass der Museumsbesuch vorher der Teambildung sehr förderlich war, war der anschließende Restaurantbesuch der Motivationsbildung sehr förderlich. In Relation dann wieder geringer finanzieller Einsatz für maximales Ergebnis. So muss das.

10 Kommentare leave one →
  1. 3. März 2010 15:04:24

    Was ich mich immer wieder frage. Wenn man von Geburt an blind ist, wie versteht man dann bitte das Sehen? Wenn man nicht weiß wie es ist zu sehen, wie soll man sich das vorstellen? Und wie manifestieren sich Träume? Dort „sieht“ man ja auch Bilder. Sind diese dann nicht ziemlich verwirrend, wenn man blind ist?

    • 3. März 2010 16:11:26

      Ich hab mich ein bißchen umhergelesen, auch aufgrund meiner Twitterbekanntschaft mit @HeikoKunert, der als Blinder ein wunderbares Blog betreibt http://blindpr.wordpress.com/ und zu dieser Frage sicher etwas sagen könnte.
      Soweit ich gelesen habe, ist es in der Tat für von Geburt an Blinde, denen später eine OP wieder zum Sehen verhalf, extrem schwer und verwirrend, da das Gehirn das Sehen und Verstehen des Sehens ja nicht gelernt hat. Das jetzt mal so als laienhafte Zusammenfassung. Wie gesagt, ich kann das Blog von Heiko Kunert nur empfehlen, darüberhinaus ist er ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Mensch, der diese Fragen sicher gern beantwortet.

  2. 3. März 2010 16:48:31

    Mach ich doch gern.;-) Menschen, die nie gesehen haben, sehen auch im Traum nicht. Träume speisen sich aus den Gefühlen und Gedanken, die im Gehirn vorhanden sind. Und wenn da nie ein visueller Eindruck abgespeichert wurde, dann kann da auch im Traum nichts auftauchen. anders ist es bei mir, der ich früher gesehen habe. Ich träume hin und wieder noch in Bildern. Das sind dann Bilder, die ich als Kind irgendwann mal gesehen habe und die dann hochkommen.

    Es ist in der Tat geburtsblinden Menschen schwer vermittelbar, was sehen ist. Abstrakt kann man das, aber mehr auch nicht. Es gibt z.B. Tastmodelle, die ein Gefühl dafür vermitteln, was perspektivisch sehen bedeutet. Zu Farben kann man die entsprechenden Assoziationen und Begriffe (warme Farbe, kalte Farbe usw.) lernen. Das ist dann wie Vokabeln lernen.

    ch hoffe, dass ich ein bisschen helfen konnte. bei weiteren Fragen immer gern bei mir melden.

    • 3. März 2010 16:50:15

      Vielen Dank, ich bin froh, dass hier kompetente Antworten auf Fragen gegeben werden können, gefährliches Halbwissen ist immer so eine Sache.
      😉

  3. 6. März 2010 09:46:40

    ich schleiche schon seit Jahren immer mal wieder um das Hamburger Dialog im Dunkeln rum, aber finde immer niemanden, der mit mir da rein gehen würde.

    Ich stelle mir das Leben als Blinder natürlich im ersten Moment als eine Behinderung vor, die letztendlich aber einer Sensibilisierung weicht. Ich kenne niemanden mit Sehbehinderung und weiß es daher nicht genau, aber ich denke ein organisierter Blinder kann seinen Alltag ähnlich gut meistern, wenn nicht sogar besser als ich.

    • 6. März 2010 12:24:51

      Auch hier kann ich nur wärmstens Heiko Kunerts Blog empfehlen.

      Wenn ich mal wieder mehrere Tag in Hamburg, würde ich ich sofort mitgehen, das war eine so interessante Erfahrung, dass ich auch gern wüsste, wie es das zweite Mal auf mich wirkt, ob ich vielleicht schon souveräner damit umgehe.

      • 6. März 2010 17:48:30

        Das kann man sicherlich mal machen, ich freue mich ja immer neue Leute kennenzulernen. Ich verkneife mir jetzt Kommentare in Hinsicht auf Blind Dates.

        • 10. März 2010 10:20:30

          Das, was Sie sich verkniffen haben, fand ich trotzdem amüsant. Verkneife mir aber eine diesbezügliche Einlassung.

  4. 4. April 2010 19:11:25

    Haben Sie die Fahrradklingel geklaut?😉

    Hummel, Hummel!

Trackbacks

  1. „Du blinder Schiri, Du!“ oder „Siehst Du Susi tanzen?“ « Fabulous Sankt Pauli

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