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Bei L.A. Law war das irgendwie immer anders…

30. August 2010

Am Donnerstag war es nun soweit. Prozesstermin gegen den Hufbeschlagspfuscher. Anwesend: er und seine verbiesterte Anwältin, ich und meine dicke Anwältin mit Doppelnamen, die das Mandat für den von mir engagierten Experten übernommen hat, weil er so weit weg residiert und das aus Verhältnismässigkeitsgründen so üblich ist. Wie ich mir sagen lassen musste. Aber mit voller Akteneinsicht und immerhin mit mir als unerschöpflicher Informationsquelle. Da die Dame mit dem Doppelnamen beim vorangegangen Gütetermin nichts weiter tun musste als die Gütevorschläge abzuweisen, war ich eher unvorbereitet auf das, was dann am Donnerstag so kam.

Aufgeboten hatte ich eine Armada an Zeugen, darunter drei fachkundige Zeugen (den Schmied, der mein Pferd die 12 Jahre vorher betreut hat, der Schmied, der die Sauerei später wieder richten musste und den Tierarzt, der die medizinische Betreuung des armen Gequälten übernahm), die glasklare Aussagen machten, was der Richterin, die auch eher als materienfremd zu bezeichnen ist, das Ganze etwas Transparenter gestalteten. A pain in the ass war die gegnerische Anwältin, eine Freundin/Kundin ihres Mandanten, die ihre ganze Energie einsetzte, um die Zeugen zu verwirren. Durch vorwiegend sinnbefreite Fragen oder ständige Wiederholung von bereits beantworteten Fragen, die allerdings in ihrer Aussagekraft eher gleich Null waren. Dankenswerterweise war die Richterin nach relativ kurzer Zeit ebenso genervt von der Methode wie ich und machte diesem Treiben immer mal wieder ein Ende.

So ganz anders als MEINE Anwältin! Die sich darin gefiel, weder die ständigen Attacken der anderen auf „meine“ Zeugen abzuwehren noch meinen Zeugen sinnvolle Fragen zu stellen, um deren aufgeregte Aussagen etwas zu strukturieren. Die nicht-fachmännischen Zeugen, die alle das erste Mal als Zeuge vor einem Richter aussagten, waren nämlich relativ schnell durch den Wind und fühlten sich -zu Recht- sehr alleingelassen.

Was ich auch nicht wusste: da meine Aussage bereits in der Akte vorlag, durfte ich während der Verhandlung NICHTS mehr sagen. Ich bin neben der übergewichtigen Frau, mit Doppelnamen und in ausgelatschten Sandalen, fast implodiert, kritzelte ihr auf den vor uns liegenden Zettel ständig Infos zu den Aussagen, mit denen sie was hätte anfangen können, den einzigen Zeugen der Gegenseite hätte sie mit einer einzigen Frage aushebeln können, was sie nicht tat. Der tat uns zumindest den Gefallen, sich dann im Verlauf seiner Aussage durch Widersprüche selbst auszuhebeln und deutlich den Eindruck zu hinterlassen, als handele es sich um eine Gefälligkeitsaussage. Auch auf die Richterin. Und auf die eigene Anwältin, die vor lauter Sorge, er könne das noch verschlimmern, auf weitere Fragen verzichtete.

Was selbst für einen Laien nach allen Aussagen durchkam -und ich hoffe, dass ich die Richterin zu diesem Kreis zählen kann- war: vor der Bearbeitung war das Pferd gesund, danach war es kaputt. In den Jahren vor der Bearbeitung hatte er nie Probleme, danach massive.
Die behaupteten Vorschäden und die mangelnde Pflege gab es genaus wenig wie den Zwang, bei schlechter Beleuchtung zu arbeiten. Der Schaden ist aus tiermedizinischer Sicht eindeutig in kausalen Zusammenhang mit der Dienstleistung zu bringen.

Fazit: die Beschlußverkündung ist am 09.09.10, entweder ergeht dann ein Urteil oder der Beschluß, einen unabhängigen Gutachter zu bestellen, wenn der Richterin die Akten und die Zeugenaussagen nicht ausreichen. Was mich wundern würde.

Nicht wundern sollte den ursprünglich mit dem Mandat betrauten Anwalt meine Email vom Freitag, in der ich feststellte, dass ich mich am Prozesstag wohl besser selber vertreten hätte. Die Zeugenvernehmung ging drei Stunden, in dieser Zeit hat sie unter Zwang („Nun fragen Sie ihn doch mal!!!!!“ eine einzige Frage gestellt, meine armen Zeugen dieser Gewitterhexe ausgeliefert und war so nützlich wie ein Kropf. Auch wenn das Ergebnis dann so ist, wie ich es mir wünsche, ändert das nichts dran, dass ich mich extrem schlecht vertreten gefühlt habe. Also eigentlich sogar nicht.

Ein Gutes könnte diese Aufregung allerdings haben: da mein Blutdruck gefühlt von 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr bei 220/150 lag, dürfte der entstandene Druck sämtliche eventuellen Stenosen einfach weggesprengt haben. Ich war fix und fertig danach, einfach vom Nichtstun und Nichtssagen.

23 Kommentare leave one →
  1. ottoerich permalink
    30. August 2010 10:02:17

    auf See und vor Gericht ist man in Gottes Hand

    • 30. August 2010 10:06:20

      Und Recht haben heisst nicht gleich Recht kriegen. *klingeling*

      • Hajo permalink
        31. Oktober 2010 22:59:44

        Wie wahr, wie wahr ….

        Schau mal auf mein Xing-Profil :o)

        Geht es Dir gut?

        LG H.

  2. 30. August 2010 10:03:21

    Hatten Sie denn hinterher noch ein Gespräch mit der Dame? Oder ganz bewusst nicht?

    • 30. August 2010 10:07:23

      Ich hab schon meine Verwunderung über ihre Untätigkeit und Schweigsamkeit ausgedrückt, aber so richtig geantwortet hat sie nicht. Und dann habe ich mich damit beschäftigt, meine armen Zeugen zu beruhigen, die der Ansicht waren, total versagt zu haben. Haben sie aber nicht. Glaube ich jedenfalls.

  3. 30. August 2010 10:04:12

    Das hört sich jetzt aber so an, als hätten Sie da ganz schön leiden müssen. Verdient hätte dieser Fall einen Anwalt von der Güte der Boston Legal-Crew und nicht eine, die offenbar noch nicht mal das Casting zu Richterin Barbara Salesch bestanden hätte. Ich drücke daher die Daumen für eine angemessene Entscheidung am 9.9.10.

    • 30. August 2010 10:09:54

      Wie gesagt, beim einzigen Zeugen der Gegenseite hätte eine einzige Frage am Anfang genügt, er war aufgerufen zum Thema „White Line Disease“ (eventuelle Vorerkrankung). Auf die Frage „Haben Sie die White Line dieses Pferdes jemals gesehen?“ hätte er mit Nein antworten müssen. Das wäre das Ende dieser Vernehmung gewesen. So hat er sich zwar innerhalb der nächsten 20 Minuten selbst um Kopf und Kragen geredet, was aber eher den Nachfragen der Richterin zu verdanken war. Ich war wirklich sehr unzufrieden.

  4. 30. August 2010 10:19:48

    Es handelt sich ja um einen Zivilprozess und dein Anwalt hat wahrscheinlich keine Zulassung für diesen Gerichtstand deshalb der „Korrespondenzanwalt“, das ist übrigens eine ziemliche Vollkatastrophe. Frag‘ sie mal, wann sie Akteneinsicht genommen hat, ich garantiere dir eine halbe Stunde vor Prozessbeginn…

    Die nächste Hürde ist die Richterin …ein Urteil bedeutet Arbeit und deshalb rechne mal lieber nicht damit, wahrscheinlich wird’s auf den Sachverständigen hinauslaufen verbunden mit der Aufforderung sich doch besser zu vergleichen.

    Gesunder Menschenverstand kannst Du vor Gericht nicht mehr erwarten – zuviele Normen😦

    • 30. August 2010 10:32:41

      Der Vergleich wurde ja von beiden Parteien bereits beim Gütetermin abgelehnt. Die Zulassung wäre wohl kein Problem gewesen, es ging auf Nachfrage nur um die Anreisekosten, die auch eine Rechtsschutzversicherung nicht tragen würde. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich lieber aus eigener Tasche bezahlt als mit dieser Lachsersatz-Anwältin…. *argh*

      Die Richterin machte allerdings einen sehr pfiffigen Eindruck, ich ich baue da mal drauf. In knapp zwei Wochen weiß ich mehr. Sie hat auf jeden Fall -anders als meine Anwältin- die richtigen Fragen gestellt und meine Sachverständigen waren bereits tadellos. Dann gehts eben in die nächste Instanz, I don’t care. Für den Gutachter habe ich eine Menge Material (Fotos, Hufeisen etc.), da ist mir auch nicht bang.

  5. Foxxi permalink
    30. August 2010 14:05:36

    Ich hatte das mal bei einer Streitigkeit, beide Parteien wollten ein Urteil nur die Richterin partout nicht, es war grauenvoll, ich hoffe Du hast da mehr Glück, jedenfalls drück‘ ich beide Daumen. In der erwähnten Streitigkeit, habe ich übrigens meinen Rechtsanwalt „gefeuert“, er war unerträglich. Mein „richtiger“ Anwalt hat das dann honorartechnisch für mich sogar noch ausgebügelt, sowas kommt wohl öfter vor als man denkt.

    • 30. August 2010 14:13:09

      Ich bin gespannt, der „richtige“ wird sich wohl noch äußern müssen, meine vor Begeisterung nicht gerade überschäumende Email ging am Freitag ja raus. Vermute allerdings, er wird das Urteil abwarten, wenn wir gewinnen, in der Annahme, dass es mir dann ohnehin egal ist.

  6. 30. August 2010 19:25:43

    Oh je! Aber ich hoffe und drücke die Daumen dass es am Ende heißt: Ende gut, alles gut.

  7. 31. August 2010 20:59:43

    Tatsächlich ist das so, wenn ein Prozess vom Sachverhalt für den Kläger ziemlich klare Sache ist, hängen sich Anwälte auch nicht mehr ins Zeug. Der ganze Kram steht ja eh schon in den Papieren. Wer vor Gericht noch kämpft hat im Prinzip üblicherweise verloren.

    Wer hat gekämpft und sich dabei seinen Zeugen zerschlagen? Sehen ’se! Emotion ist so ziemlich das Letzte, was Richter vor Gericht haben wollen …

    Aber alleine wie Sie da saßen und der Dampf Ihnen aus den entzückenden Öhrchen gekrochen sein muss, ich hätte es zu gerne gesehen! ,-)

    • 31. August 2010 21:02:41

      Naja, meine Laien-Zeugen waren ziemlich allein und äußerst verwirrt. Etwas Schutz vor Anwältin des Beklagten wäre schon schön gewesen. Was ja dann die Richterin übernommen hat.
      Ich fand es einfach schlecht. Wir werden sehen, was nächste Woche dabei rausgekommen ist. Wenn nix, dann gehts eben in die nächste Runde. Dann aber mit dem, den ich ursprünglich engagiert hatte.

      Ja, das hätten Sie wohl gern gesehen. Den menschgewordenen Eyjafjallajökull, zehn Sekunden vor Ausbruch. Gefühlt.

      • 1. September 2010 13:02:15

        Den Schutz kann im deutschen Gericht aber auch nur die Richterin übernehmen. Wir haben ja dieses „Einspruch“-Gedöns hier nicht. Hier erzieht einzig alleine der Richter die Anwesenden. Zur Not muss der Zeuge selber sagen, dass er sich ein gewisses Verhalten verbittet.

        Letztendlich geht es aber nur um das ausgesagte Wort, nicht um Attitude und das wissen Richter hierzulande ganz gut zu separieren. ,-)

        Meine kleine Vulkanialla!

        • 1. September 2010 13:06:40

          Und warum durfte diese gegnerische Anwältin nahezu tun, lassen und fragen, was und wie sie wollte?
          Meine armen, armen kleinen Zeugen…😦

          Naja, spätestens übernächste Woche wissen wir mehr.

  8. 1. September 2010 14:01:37

    Vermutlich ganz simpel: weil Deine Zeugen sich nicht abgegrenzt haben. Man hat auch als Zeuge das Recht, wenn der/die Richter/in dafür nicht sorgt, dem Anwalt klar aufzuzeigen, wann er persönliche Grenzen überschreitet. Vor Gericht geht es alleine darum, Fragen gestellt zu bekommen und diese zu beantworten. Wenn der gegnerische Anwalt daraus ein „ich-profiliere-mich-mal-eben-blöd“-Spiel macht: Kontern. Kurze Ansage, man hätte gerade das Gefühl sich in einer mittäglichen vom Kabelkanal günstig produzierten Gerichtssoap zu befinden, ob das auch anders ginge vielleicht mit etwas mehr Respekt vor den Zeugen.

    Dann hättest Du Frau Anwältin mal zucken sehen. Frau Richterin wäre danach auch wach gewesen und hätte für Benehmen in ihrem Gerichtssaal gesorgt. Zeugen splitten sich vor Gericht ja in genau zwei Kategorien: die ängstlichen und die großmäuligen (gut, auch meist so weil ängstlich). Es gibt aber gar kein Grund ängstlich zu sein. Denn man ist ja nicht angeklagt, sondern angefragt die Wahrheit zu sagen. Wer dem nachkommt, kann verlangen respektvoll behandelt zu werden.

    Ich stand einmal als Zeugin vor Gericht. Da habe ich jemandem angezeigt, Fehlverhalten im Straßenverkehr, das nur noch ganz knapp zu meinen Gunsten ausgegangen ist und gleichzeitig noch große Attitüde seinerseits hinterher. Da wurde ich dann geladen, witzigerweise stand er an dem Tag gleich in zwei Prozessen vor Gericht. Der Typ selber, recht jung, stand ziemlich großkotzig da – offensichtlich ging die Verhandlung zum Verfahren vorher ganz gut aus und der meinte nun, er hätte ’nen Run. Und machte mich ziemlich blöd vor Gericht an. Da habe ich nur zum Richter gesagt, dass man deutlich merken würde, wie sehr Herr X. nicht nur im Straßenverkehr sondern auch vor Gericht anderen Menschen gegenüber jeglichen Respekt vermissen ließe. Der wurde daraufhin vom Richter so schnell an die Kandarre genommen, haste nicht gesehen. Die Verhandlung kippte auch ganz schnell danach stimmlich ihm gegenüber. Man kann, darf Missverhalten Zeugen bzw. sich selbst gegenüber auch vor Gericht steuern und ansprechen, wenn man sich nicht gut behandelt sieht.

    • 1. September 2010 14:07:49

      Ja, die Zeugen waren hypernervös und haben sich total durcheinander bringen lassen. Gottseidank war das bei den Fach-Zeugen ganz anders, die waren sehr souverän und haben der Frau Anwältin schnell den Schneid abgekauft. Ich glaube, die Theorie bei der Zeugenaussage ist ganz einfach, in der Praxis siehts wohl anders aus, vor allem, wenn es sich eher um den schüchternen Typ handelt.
      Ist halt ein blödes Gefühl, wenn man da selbst so auf der Klägerbank sitzt und darf nix und die Anwältin daneben dürfte und macht nix.

      • 1. September 2010 15:49:58

        Ja, wir sind da mittlerweile medial völlig fremd inspiriert. In dt. Gerichten hält man eben die Klappe. Solange bis man gefragt wird. Naja, dafür müssen wir nicht auf die Bibel schwören. Zeuge sein ist nicht leicht. Vor allem wenn einem bewußt wird, wie wirklich wichtig die eine eigene Aussage ist bezüglich des Urteilspruches.

  9. 1. Oktober 2010 18:04:54

    ich war erst ein einziges Mal vor Gericht. Damals als Angeklagter sogar leider. Mein Anwalt hat auch eher weniger gesagt und die Gegenseite reden lassen. Bei uns hatte das Erfolg. Der gegnerische Anwalt war auch zugleich der Kläger und redete so intensiv, dass der Richter schon nach ca. 30 Minuten Verhandlung merklich quasi meine Verteidigung mit übernahm. Das war bei mir auch der Moment, wo mein Anwalt mir unter dem Tisch den Daumen hoch zeigte und sich entspannt zurücklehnte.

    Manchmal ist auch vor Gericht schweigen Gold, wenn die Sachlage klar ist.

    Allerdings klingt es bei dir so, als wäre das eher zufällig bei dir der Fall.

    Ich drück die Daumen

  10. Schacki permalink
    12. Oktober 2010 00:20:41

    Und? Wie isses nun ausgegangen? Habe ich was verpasst oder hat das Urteil eine Schreibblockade ausgelöst? Oder gibt es ein Spendenkonto für die Revision oder wie das dann heißt? Oder wird mit großer Euphorie in der Herbstsonne durch bunte Wälder geritten? Oder nach L.A.? Es ist immerhin schon Oktober. Also bei mir sinkt die Streitlust mit abnehmendem Jahr und schlägt in pure Aggressivität um. Nach den Weihnachtseinkäufen wird es dann langsam wieder besser und im späten Frühling bin ich sanft.

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