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Meine Reisen und ich – heute: Barcelona

12. April 2011

Sie wissen ja. Muddi, ich, Barcelona. Sollte eine Art alternative Geburtstagsparty werden. Zunächst lief auch alles prima. Was ja bei mir/uns auf Reisen nicht selbstverständlich ist, nach dem Prinzip „Irgendwas is immer“. Flug war pünktlich, wir auch drauf, der Aerobus Richtung Innenstadt war sofort am Start in Barcelona, erste Station Sagrada Familia, das legendäre Bauwerk, das Senor Antoni Gaudi 1882 begonnen hat und das dann ca. 2026 fertig sein soll.

Was aber schon fertig ist, ist wirklich wunderschön. Ich bin kein passionierter Kathedralen- oder Kirchenbesucher, aber diese Basilika ist nicht nur architektonisch sehr beeindruckend, sondern auch noch sehr hübsch. Erinnert partiell an Hundertwasser, von den verspielten Ideen her, die Lichteffekte sind sensationell – was ich natürlich aufgrund meiner fotografischen Defizite wieder mal nicht angemessen wiedergeben konnte. Zwei, drei Beispiele dennoch, Sie verzeihen die Qualität, denken Sie es sich bitte so schön wie es war oder fahren Sie selbst mal hin.

Die kleinen Bilder gehen mit Klick auch größer. Wenn man das will. Schönere Bilder, also richtig schöne, gibt es hier.

Sollten Sie selbst mal hinfahren, empfehle ich Ihnen allerdings, Wertsachen möglichst an empfindliche Körperteile zu tackern, so dass Sie es auf jeden Fall bemerken würden, wenn jemand dran zieht. Ich hatte meinen wertvollsten Wertgegenstand in meiner Handtasche, die ich in den ersten Stunden wie ein Luchs im Auge hatte. Nicht jedoch in der Metro Linie L2 Richtung Passeig de Gracia, wo es im Wagen sehr voll war. Und ehe man sich es versieht, ist man in einem Geschiebe und Geschubse, hat keinen Halt, schwankt mal hierhin und mal dahin – und die beiden harmlos anmutenden Frauen mittleren Alters ziehen die Geldbörse aus der Tasche, machen sogar den Reißverschluss schön ordentlich wieder zu und entschwinden unbemerkt. Muddi und ich hingegen entschwanden -bis dahin noch frohgemut- Richtung Santa Maria del Mar, die in der Nähe des Hotels liegt, da war aber zu, dementsprechend dann doch zunächst ins Hotel.

Dort habe ich dann bemerkt, dass das Portemonnaie fehlt, als wir im Hotel einchecken wollten und ich meine Kreditkarte zücken wollte. Stellen Sie sich einen gefühlten Blutdruckanstieg von entspannten 100/60 auf 250/100 in maximal einer Sekunde vor. In der Sekunde, in der ich realisierte: „WEG!“ Innerhalb von weiteren fünf Sekunden erreichte ich eine gefühlte Körpertemperatur von ca. 51 Grad. Im Schatten. Dem völlig konsternierten Hotelmann erklärt, dass hier gerade so richtig der Baum brennt, er verstand das trotz meiner eher leidlichen Spanischkenntnisse und übte sich in Geduld. Während ich hektisch nach den passenden Telefonnummern zur Sperrung von diesem und jenem im Handyinternet suchte, dazwischen mich nicht entscheiden konnte, ob ich fluchen oder heulen soll und letztlich beim Fluchen blieb, erklärte der Hotelmann dann noch, dass das gebuchte Zimmer übrigens kein Fenster hat und darüber hinaus eher die Größe einer Hasenkiste. Ich habe ihn relativ schnell überzeugen können, dass es für alle Beteiligten besser wäre, wenn er ein neues Zimmer beschaffen könnte. Ich denke, in meinem mittlerweile optisch wie akkustisch relativ aufgelösten Zustand habe ich überzeugend gewirkt. Hotelmann bot an, während wir zur Polizei zwecks Anzeige unterwegs wären, würde er uns sein schönstes Zimmer zurechtmachen. Auch wegen Geburtstag und so. Wir also Richtung Ramblas, auf vage Richtungserklärungen sehr schnell sprechender spanischer Pferdetaxifahrer, Menschen in Barcelona-Fussballtrikots und Standbetreiber dann auch Polizeirevier gefunden. Und wissen Sie was? Gleich wenn Sie da reinkommen, gibt es einen Schalter, da passiert nichts anderes als die Aufnahme von Diebstahlsanzeigen. Und wissen Sie noch was? Da gibt es eine Warteschlange! Menschen ohne iPod, iPhone, Geldbörsen, Sonnenbrillen, Brieftaschen, aber mit Nerven, und zwar am Anschlag, in rauhen Mengen. Und ein einsamer junger Mann plus ein katalanischer Polizeibeamter im Diskurs mit allen Nationalitäten.

Der junge Mann, der die Erstaufnahme betreut, sieht Original aus wie ein Zwilling von Herrn @Gesundbrunnen! Und spricht (mindestens) fünf Sprachen fließend. Und zwar so fließend, dass man kaum die Übergänge mitbekam, während er vier Geschädigte in vier Sprachen gleichzeitig versorgte und dabei katalanisch mit dem ihm beigeordneten Polizisten sprach. Der Mann ist an dieser Stelle irgendwie verschwendet, man muss aber zugeben, das hat er extrem gut im Griff gehabt.

Danach also mit einer neuen Identität versehen zurück zum Hotel, mit Umweg über die Kathedrale Santa Maria del Mar, jetzt geöffnet. Nach der Sagrada allerding eher etwas enttäuschend, aber dennoch sehr schön. Vorm Hotel (man musste immer eine Handynummer anrufen, damit einem aufgetan wurde, ohne Schlüssel kein Einlass) festgestellt, dass das Handy akkumässig in den letzten Zügen lag. Natürlich genau dann nur die Mailbox des Hotelmanns. Ich sah uns schon ohne Gepäck und ohne Zimmer im Viertel herumirren, während der Warnton des Handys immer eindringlicher wurde. Endlich ging er dran. Zimmer fertig. Schönes Zimmer. Mitten im Barrio Gotico, einem Stadtteil, wo das Leben tobt. Dann Ladegerät angeschlossen. Festgestellt, falsches Ladegerät erwischt. Genug der Glückwünsche empfangen, Handy tot.

Nach kurzer Entspannungsphase neues Ladegerät gekauft (erstaunlich günstig und es funktionierte) und endlich den schönen Dingen des Tages zugewandt: Hafen, Restaurant, Paella, Sangria und Sangre de Toro. Dass die Rückreise nur unter Vorlage der Diebstahlsanzeige (meinem einzigen Identitätsnachweis) möglich war und auch ein klitzekleinesbißchen komplizierter, muss ich nicht näher erwähnen, oder? Dennoch, insgesamt war Barcelona schön. Das „Schnupperwochenende“ hat zwei Erkenntnisse gebracht: wir müssen nochmal ausführlicher hin und wir müssen deutlich vorsichtiger sein. Es gibt noch viel zu sehen in und um Barcelona, eine Reise lohnt sich auf jeden Fall, wir hatten Spaß -also vor und nach der Episode mit der Polizei- und bis auf zwei Menschen aka Trickdiebe waren alle superfreundlich, hilfsbereit und nett. Die Nähe zum Meer ist natürlich eine ganz eigene Attraktion, ich lieber Wasser in Form von Meer und Flüssen im Urlaub und ja, ich habe viel zu wenig Fotos gemacht. Sehen Sie es mir nach, dass ich meine Kamera dann doch im weiteren Verlauf im Hotelzimmer zurückgelassen habe. Man weiß ja nie….

Angekommen gegen 14.00 Uhr, ab zum Ponyhof. Grilltag der Neuzugezogenen. Und wem fällt ein Goldinlay aus dem Backenzahn in den Nudelsalat? 100 Punkte. Ein großartiger Abschluss eines großartigen Wochenendes. Ich erspare Ihnen die Zitate meiner Flüche, Sie wären zu schockiert.

Aber das Beste an diesem Wochenende waren meine Blicke auf den twitter-Account, Facebook und Emails/SMS.

Meine lieben Alle, Sie ahnen vielleicht jetzt erst, wie sehr ich mich über Ihre Glückwünsche gefreut habe, die ich natürlich so einzeln übers Handy nicht beantworten konnte bzw. mich bedanken. Was ich aber dennoch nicht versäumen will, zwar nicht jedem einzeln und explizit, aber nochmal hier. Meiner sehr angekratzten Laune haben Sie sehr gut getan, mit den lustigen Videos und den charmanten Sprüchen (auch hier keine Einzelheiten).

Vielen lieben Dank als auch an dieser Stelle an meine Lieblingsgefollowten bei twitter:

HansW_Metzger, peer_arne, cerbifc,  miradlo, TaschaCL, gawd668, theswiss, FrauRausHH, probek, moppelkotzer, SarahKiez, pathologe, Fleetmaus, 2Takter, xeniCds, baziblogger, Paul_in_Hamburg, quotenrocker, stadtneurotikr, ol_sen, kleinertod, AdamaBergerac, bhuti, blogLK, SanktPauli1910, peddi_hh, norge_troll, Curi0us, forzaUSP, Murmeltiertag, Flockheimer, heinzkamke, Foxxibaer, michaelhein, ring2, rim_light, bucanero1910, Hellprayer2_0, diepauliane, unverlierbar, MAGsein, tobybaier, cHHrissi

und die Freunde bei facebook:

Bodo, Jessica, Thomas, Karsten, Sebastian, Malte, Jürgen, Hajo, Lars, Robert, Mo Digi, Gerhard, Alexandra, Sarah Kristin, Jens, Christoph, Neon Hamburg, Ute, Tanja, Natascha, Steffi, Paul, Peter, Jürgen KI, Drei im Weggla, Julia, Kiki, Thomas, Markus, Thilo, emju, Stefan, Gabi, Bernhard, Katja, Michél

(diesen Leuten können Sie übrigens allen bedenkenlos auf twitter folgen oder auf Facebook adden, eine absolute Bereicherung der täglichen „Timeline“ und auch in echt…)

und die auf anderem Wege:

sparschaeler, kuschelpunker, Madame Larousse, Claudia, Britta, Danny, Sebbi, Alex und Caro, Michi, Angelika, Norbert und sin Fru, die Jungs vom Feuerwerkforum, Tom, Matthias, Michael.

Gerade an diesem Wochenende war das besonders schön und helped me make it through the day.

🙂

21 Kommentare leave one →
  1. 12. April 2011 07:46:10

    In der U-Bahn gelesen. Da haben Sie ja was durchgemacht. Schön, dass Sie nicht böse sind auf die wunderbare Stadt Barcelona.

    • 12. April 2011 07:49:59

      Nein, keinesfalls. Das passiert ja heutzutage überall, man denkt halt immer nur, man selbst bliebe verschont oder würde es merken.

      Ich mochte Barcelona aber gleich sehr. Entscheidet sich immer bei mir in den ersten Minuten. Oder wie man bei Facebook sagen würde: Gefällt mir!🙂

  2. 12. April 2011 10:04:50

    Das Sie immer so denkwürdige Reisen unternehmen müssen.😉

    Das nächste Mal bitte die Flüche ausführlicher beschreiben.

    Sie wissen ja, ich lerne nie aus.😉

    • 12. April 2011 10:10:17

      Ist ja nicht so, dass die schon planerisch so angelegt sind. Sie werden halt immer irgendwie… so.
      Gut, dass ich exotische Ziele und Unternehmungen wie Wildwasser-Rafting in Usbekistan, Canyon Canoeing in Utah oder Schnorcheln vor Kap Horn noch nicht in Planung hatte. Da hätte ich jetzt Angst.

      • 12. April 2011 10:13:05

        Sollten Sie diese exotischen Ziele ernsthaft in Betracht ziehen, dann sollten Sie evtl. die entsprechende Reisebegleitung einplanen.

        Nichts gegen Muddi-Reisen, aber für gewisse Ziele sollte man einen Lifeguard im Gepäck haben.😉

        • 12. April 2011 10:15:01

          Alternativ käme dann aus Sicherheitsgründen wohl Weinlese in Gau-Bickelheim in Frage.

          • 12. April 2011 10:19:54

            Auch eine Weinlese beinhaltet ein gewisses Gefahrenpotential.

            Insbesondere akut auftretende morgendliche Kopfschmerzen sollen dort weit verbreitet sein.

            Habe ich mir sagen lassen.😉

  3. 12. April 2011 10:22:54

    Wie ich an der Mosel erfuhr, stößt man sich auch gerne mal eine Rebe ins Auge beim Traubenpicken. Also stimmt, Weinlese ist auch Risikourlaub.
    Langsam bleibt nicht mehr viel.

    Aber man kann viel über mich sagen, langweilig mit mir ist es eher selten😉

    • Elke permalink
      13. April 2011 09:25:20

      Ich empfehle Heilfasten in der Klinik. Da liegt man wahlweise im Bett rum (bitte Gitterbett ordern!) oder wird UNTER AUFSICHT durch die Botanik gescheucht. Das scheint mir für Sie das Mittel der Wahl zu sein.

  4. 12. April 2011 10:29:02

    No risk, no fun sagte mal jemand.😉

    Zwischen Langeweile und Abenteuerurlaub liegt aber noch viel urlaubswertes.😉

  5. 12. April 2011 10:31:25

    Nach den Tweets, die ich zwischenzeitlich aus Barcelona von Ihnen lesen durfte, hätte ich gedacht, Sie hätten etwas besonderes erlebt. Aber so war es ja doch nur ein ganz normaler Urlaub. Enttäuscht.
    Genauso enttäuschend, wie die überhaupt nicht verwackelten Bilder von Ihnen…

    • 12. April 2011 10:34:19

      Ich seh schon, bei Ihnen sollte es doch das Schnorcheln vor Kap Horn sein. Und perspektivisch gesehen war es wohl in der Tat ein ganz normaler Urlaub. Für meine Verhältnisse zumindest.

      Was die Bilder angeht: ich hab den Trick jetzt raus! Ich denk einfach nicht mehr drüber nach über scharf oder unscharf. Ich visiere an, löse aus und voila! Ihr Geheimnis ist gelüftet *gnihihi*

      • 12. April 2011 12:59:53

        Wie machen Sie das? Also ohne Kamera anvisieren und dann abdrücken?

        Oder sollte ich das den postmortalen Hufschmied fragen?

  6. theswiss permalink
    12. April 2011 19:08:31

    Wenn eine eine Reise tut .. schön, dass Sie beide trotzdem Spass hatten an dieser tollen Stadt! (und danke für den #ft🙂

    • 13. April 2011 19:16:53

      Sie empfehle ich doch jederzeit mit dem größten Vergnügen🙂

      Ich finde mich halt schnell mit unabänderlichen Tatsachen ab und mache das Beste draus. Sehr hilfreich.

  7. courban permalink
    13. April 2011 19:02:57

    Liebe Frau jekylla,

    entgegen meiner sonstigen Zurückhaltung in der virtuellen Welt lasse ich hiermit zu meinem zweiten Kommentar hinreissen und empfehle Ihnen nach diesem gar aufreibenden Kurzurlaub für den nächsten Tripp mein liebstes Eiland, http://www.norderney. de Keine Trickdiebe, dafür gute Zahnärzte, Traumhafte Reitstrecken, Meer und Ruhe. Und wenn Ihnen doch mal die Brieftasche abhanden kommt ( wie schreibt man noch mal PortmorXXX ; – ) wird einfach die Fährverbindung zum Festland gekappt, bis sie wieder da ist.

    • 13. April 2011 19:14:57

      Ein durchaus erwägenswerter Vorschlag. Vor allem, da die Flanierhaltung deutlich unverkrampfter sein dürfte dort. Unter den geschilderten Umständen.

      Warum auch in die Ferne schweifen….?

      P.S.: Freut mich sehr, dass dieses Thema Sie Ihre Zurückhaltung hat überwinden lassen🙂

      • courban permalink
        14. April 2011 11:57:28

        Liebe Frau jekylla,

        nachdem ich meine beiden Kommentare nochmals wohlwollend geprüft habe stelle ich fest, das sich Freud ( das gesundete Pferd ) und Leid ( Brieftaschen, Zahnkronen und sonstiges ) exakt die Waage halten. Betrachtet man diese Mail als neutral haben wir die wichtigsten Aggregatzustände erledigt und ich wünsche mir, hier in Zukunft möglichst viele positive Dinge von und mit Ihnen lesen zu können. Und möglichserweise ( sowie eventuell und vielleicht : – ) lege ich dann meine virtuelle Zurückhaltung kurzfristig zur Seite und lasse mich zu einem vierten Kommentar hinreissen😉

  8. 16. April 2011 19:09:27

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich!🙂

    (Und… äh… Respekt für die Contenance angesichts all der Mißgeschicke. Ich wäre im Quadrat gesprungen!)

Trackbacks

  1. Neunnachneun « Ansichten aus dem Millionendorf

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