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Email von Helmut

29. April 2013

Zur Vorgeschichte: anlässlich eines Interviews von Helmut Schulte im Dezember 2010, zu dem ich inhaltlich einige Anmerkungen hatte, schrieb ich auf dem jetzt geschlossenen Blog „Fabulous Sankt Pauli“ einen offenen Brief an ihn. Kurz darauf erreichte mich eine Email mit Einladung zu einem Gespräch in die Geschäftsstelle. Dieses Gespräch dauerte nicht wie erwartet eine schnelle halbe Stunde, sondern fast vier Stunden und blieb mir als sehr interessant, respektvoll, informativ und intensiv in Erinnerung.

Es gab danach nur noch einen Kontakt zwischen uns, als Helmut Schulte den Verein überraschend verließ, an dem ich mein Bedauern über seinen Weggang ausdrückte. Danach ging er, wie bekannt, zu Rapid Wien und es gab keinen Kontakt mehr. Ich habe in der Zwischenzeit mehrfach seiner Kompetenz und seinem Sachverstand und auch seiner spröde-liebenswerten sauerländischen Art nachgetrauert, für mich war Helmut Schulte fast untrennbar mit St. Pauli verbunden.

Passenderweise erschien nun im März sein Buch „Drei Leben für St. Pauli“, geschrieben Support von Werner Langmaack, über das es in der MoPo (ja, ich lese auch die MoPo und tue nicht so, als ob nicht) bereits einen Artikel gab, der es „Abrechnung Light“ nennt. Den ich natürlich aus reinem Selbstschutz nicht verlinke.

Ich hatte mir vorgenommen, das Buch zu kaufen, als ich vor kürzlich eine Email erhielt. Von Helmut Schulte. Der sich offensichtlich an unser damaliges Gespräch erinnerte, meine Schreibe anscheinend nicht schlecht fand als Leser des damaligen Blogs und mich fragte, ob ich Interesse hätte, das Buch zu lesen und meine Meinung dazu zu äußern. Wie Sie wissen, habe ich eine Meinung und scheue mich auch nicht, sie zu äußern und auch Gefälligkeitschreibereien sind nicht mein Ding, also habe ich zugesagt unter der Prämisse, dass ich auch einfach schreibe, was ich denke. War ok. Also gut.

hs 3stpaulilebenHS-Widmung

(ganz charmant fand ich in der Widmung den twist zum Titel des damaligen Blogposts mit dem offenen Brief)

Zum Buch:

Für jeden St. Pauli-Fan sehr viel Interessantes an Details aus früheren Tagen, aus dem ersten und zweiten Leben. Flüssige Schreibe und  wer ihn schon hat erzählen hören (ich ja einmal bei unserem Treffen und vorher auch anlässlich einer Lesung im Fanladen von Nagel/Pahls Buch, erkennt seinen Stil. Trocken, zeitweise bissig, amüsant und direkt.
Darüberhinaus natürlich die hochinteressante „Affäre Schubert“ und was drumherum passiert ist, das hat ja Nachwirkungen bis heute, auch bei der sich sehr verladen vorgekommenen Presse, die mit dem Thema sicher auch noch nicht durch ist. Wer lässt sich schon gerne verladen?
Egal, zurück zum Thema: die Mopo hat das Buch ja als Abrechnung bezeichnet, ich sehe es nicht so. Sehen bzw. spüren kann ich allerdings, dass Schulte sich nachhaltig verletzt fühlt aufgrund des Umgangs mit der Akteure mit ihm, was absolut nachvollziehbar ist. Das Umfall-Präsidium kämpft nach wie vor mit den Themen Inkonsequenz, mangelndem Arsch in der Hose, Verantwortungsweitergeschiebe und katastrophalem Umgang mit den Medien. Das war damals so, das ist heute immer noch so und sofern sich nicht grundlegende Dinge, i.e. auch Personalien ändern, wird es auch so bleiben.
Für den geneigten St. Pauli Fan finden sich also interessante Geschichten von früher, wunderbar bebildert mit dem Charme der 80er-Frisuren und – Mode, aber eben auch einmal ein paar sogar minutiöse Details über die mich schwärzeste Medienstunde seit langem rund um die Affäre „Schubert“. Ich weiss nicht, wie es Ihnen gehen wird -sollten Sie das Buch lesen- aber mancher erscheint da genau im rechten Licht. Also in dem Licht, in dem ich ihn ohnehin schon sah…
Das Buch ist geprägt von Schultes sauerländisch-emotionalem Stil und sehr ehrlich und habe es sehr gern und vor allem sehr schnell gelesen. Es hat meine Meinung, die ich von Helmut Schulte hatte, nicht geändert, im Gegenteil. Ich finde es heute noch schade, dass er -und vor allem auf diese schändliche Art und Weise- nach drei St. Pauli-Leben so gehen musste. Zumindest ist er von „uns“ nicht direkt zu einem Verein gekommen, in dem alles cool, calm und collected ist, das zumindest dürfte ihm das heimisch werden leichter gemacht haben. Neu allerdings dürfte ihm solche Aktionen sein.
Wie auch immer, ich finde, dieses Buch gehört in die St. Pauli.Bibliothek. Also meine jedenfalls. Mit drei St.Pauli Leben kann auch sonst niemand mithalten.

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