Bei L.A. Law war das irgendwie immer anders…
Am Donnerstag war es nun soweit. Prozesstermin gegen den Hufbeschlagspfuscher. Anwesend: er und seine verbiesterte Anwältin, ich und meine dicke Anwältin mit Doppelnamen, die das Mandat für den von mir engagierten Experten übernommen hat, weil er so weit weg residiert und das aus Verhältnismässigkeitsgründen so üblich ist. Wie ich mir sagen lassen musste. Aber mit voller Akteneinsicht und immerhin mit mir als unerschöpflicher Informationsquelle. Da die Dame mit dem Doppelnamen beim vorangegangen Gütetermin nichts weiter tun musste als die Gütevorschläge abzuweisen, war ich eher unvorbereitet auf das, was dann am Donnerstag so kam.
Aufgeboten hatte ich eine Armada an Zeugen, darunter drei fachkundige Zeugen (den Schmied, der mein Pferd die 12 Jahre vorher betreut hat, der Schmied, der die Sauerei später wieder richten musste und den Tierarzt, der die medizinische Betreuung des armen Gequälten übernahm), die glasklare Aussagen machten, was der Richterin, die auch eher als materienfremd zu bezeichnen ist, das Ganze etwas Transparenter gestalteten. A pain in the ass war die gegnerische Anwältin, eine Freundin/Kundin ihres Mandanten, die ihre ganze Energie einsetzte, um die Zeugen zu verwirren. Durch vorwiegend sinnbefreite Fragen oder ständige Wiederholung von bereits beantworteten Fragen, die allerdings in ihrer Aussagekraft eher gleich Null waren. Dankenswerterweise war die Richterin nach relativ kurzer Zeit ebenso genervt von der Methode wie ich und machte diesem Treiben immer mal wieder ein Ende.
So ganz anders als MEINE Anwältin! Die sich darin gefiel, weder die ständigen Attacken der anderen auf „meine“ Zeugen abzuwehren noch meinen Zeugen sinnvolle Fragen zu stellen, um deren aufgeregte Aussagen etwas zu strukturieren. Die nicht-fachmännischen Zeugen, die alle das erste Mal als Zeuge vor einem Richter aussagten, waren nämlich relativ schnell durch den Wind und fühlten sich -zu Recht- sehr alleingelassen.
Was ich auch nicht wusste: da meine Aussage bereits in der Akte vorlag, durfte ich während der Verhandlung NICHTS mehr sagen. Ich bin neben der übergewichtigen Frau, mit Doppelnamen und in ausgelatschten Sandalen, fast implodiert, kritzelte ihr auf den vor uns liegenden Zettel ständig Infos zu den Aussagen, mit denen sie was hätte anfangen können, den einzigen Zeugen der Gegenseite hätte sie mit einer einzigen Frage aushebeln können, was sie nicht tat. Der tat uns zumindest den Gefallen, sich dann im Verlauf seiner Aussage durch Widersprüche selbst auszuhebeln und deutlich den Eindruck zu hinterlassen, als handele es sich um eine Gefälligkeitsaussage. Auch auf die Richterin. Und auf die eigene Anwältin, die vor lauter Sorge, er könne das noch verschlimmern, auf weitere Fragen verzichtete.
Was selbst für einen Laien nach allen Aussagen durchkam -und ich hoffe, dass ich die Richterin zu diesem Kreis zählen kann- war: vor der Bearbeitung war das Pferd gesund, danach war es kaputt. In den Jahren vor der Bearbeitung hatte er nie Probleme, danach massive.
Die behaupteten Vorschäden und die mangelnde Pflege gab es genaus wenig wie den Zwang, bei schlechter Beleuchtung zu arbeiten. Der Schaden ist aus tiermedizinischer Sicht eindeutig in kausalen Zusammenhang mit der Dienstleistung zu bringen.
Fazit: die Beschlußverkündung ist am 09.09.10, entweder ergeht dann ein Urteil oder der Beschluß, einen unabhängigen Gutachter zu bestellen, wenn der Richterin die Akten und die Zeugenaussagen nicht ausreichen. Was mich wundern würde.
Nicht wundern sollte den ursprünglich mit dem Mandat betrauten Anwalt meine Email vom Freitag, in der ich feststellte, dass ich mich am Prozesstag wohl besser selber vertreten hätte. Die Zeugenvernehmung ging drei Stunden, in dieser Zeit hat sie unter Zwang („Nun fragen Sie ihn doch mal!!!!!“ eine einzige Frage gestellt, meine armen Zeugen dieser Gewitterhexe ausgeliefert und war so nützlich wie ein Kropf. Auch wenn das Ergebnis dann so ist, wie ich es mir wünsche, ändert das nichts dran, dass ich mich extrem schlecht vertreten gefühlt habe. Also eigentlich sogar nicht.
Ein Gutes könnte diese Aufregung allerdings haben: da mein Blutdruck gefühlt von 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr bei 220/150 lag, dürfte der entstandene Druck sämtliche eventuellen Stenosen einfach weggesprengt haben. Ich war fix und fertig danach, einfach vom Nichtstun und Nichtssagen.
Scotland the Brave, Jeky the Tired
Und am Wochenende war es soweit: Edinborough. 11 Jahre nach dem Erstbesuch, einer traumhaften Autorundreise durch die Highlands, wollten wir -Muddi und ich- das nachholen, was wir damals nicht rechtzeitig eingeplant hatten: einen Besuch des Edinburgh Military Tattoo direkt vor dem Eingang zum altehrwürdigen Edinburgh Castle. Nein, es handelt sich nicht um eine Tätowierung, die wir uns im fortgeschrittenen Alter noch gönnen wollten, sondern um die 60. Auflage des Höhepunktes des Edinburgh Festivals.
Freitag abend angereist, Samstag morgen schon um acht Uhr das Hotel verlassen. Carpe horam. Und entgegen aller immer wieder gerne geäußerten Unkenrufen: auch bei diesem zweiten Besuch in Schottland lachte die Sonne. Strahlend blauer Himmel bei bestimmt 25 Grad, T-Shirt-Wetter, Hunderte von Menschen auf dem gepflegten Grün unterhalb der Princess Street – ein Traum.
Da ohne Auto angereist, kauften wir uns diese 24 Stunden gültigen Bustour-Tickets „hop on and off“, rauf auf den Doppeldecker und alles, was letztes Mal aus Zeitmangel nicht ging, nachgeholt.
Aber der eigentliche Grund unseres Hierseins war die für 22.30 Uhr angesetzte Vorstellung des Tattoo. Mit Feuerwerk. Es heißt, die Tribünen bieten 8.600 Menschen Platz.
Allerdings ist „Platz“ da eher relativ. Da wird menschliche Nähe gefördert, wo sie keiner so wirklich haben will, alles, was im Format über den normalen BMI hinausgeht, ist das echt stressig. Vor allem, wenn entweder a) die Reihe oder b) der Platz verwechselt wird und ein munteres Hin-und Herwechseln angesichts der schwindelsteilen Höhe nicht ganz ungefährlich ist.
Bis man allerdings hier zum direkten Zugang zum Castle kommt
bewältigt man ein eineinhalbstündiges Anstehen. Für einen gestählten St. Pauli-Fan ohne Dauerkarte ein Klacks.
Die Showacts sind ja, wie im wiki-Link beschrieben, traditionell zum größten Teil festgeschrieben, mit einigen Varianten. Wobei ich gestehen muss, dass bei aller musikalischen Virtuosität der Teilnehmer die Massed Pipes and Drums für mich unschlagbar sind. Selbstverständlich habe ich vom Aufmarsch Fotos gemacht, zu der gewohnten Unschärfe kam dann noch die Dunkelheit und die Leistungsschwäche des Blitzes und schwupps waren sie fertig, die Fotos, die ich hier nicht mal mehr einstellen kann. Und selbst wenn, das gibt das alles gar nicht her, wie großartig das klingt und aussieht.
Und wenn nach dem Feuerwerk die schottische Flagge auf der Burg gehisst und angestrahlt wird und eine Stimme, die klingt wie Mel Gibson in Braveheart, aus der Nationalhymne zitiert
Towering in gallant fame,
Scotland my mountain hame,
High may your proud standards gloriously wave,
Land of my high endeavour,
Land of the shining river,
Land of my heart for ever,
Scotland the brave.
dann ist bei mir Gänsehautzeit. William Wallace, Robert the Bruce, Highlander … hach!
Also begnüge ich mich mit Panoramen des Tages, vom Frühstück Samstags morgens in der Frederick Street
bis Sonntag zum Brunch Ecke Princess Street
und das Ganze bei Traumwetter.
Vom -hervorragenden- Hotel aus übrigens direkter Blick aufs Castle, Laufentfernung ein Kilometer bis da hin, wo das Leben tobte.
und nur einen knappen Kilometer Fußweg dorthin, wo während des „Fringe“, des Festes der Straßenkünstler aus Schottland und der Welt in den Fußgängerzonen rund um die High Street, das pralle Leben tobt.
Abends gibt es in jeder Kneipe und jedem kleinen oder großen Theater Kleinkunst, Ausstellungen, Comedy, Schauspiel – endlose Unterhaltungsmöglichkeiten. Dazwischen auch mal gerne ein englisches Erdbeersahnetörtchen
das wir uns aber beim erneuten Besteigen des Scott Monuments
und seiner 287 Stufen wieder abtrainiert haben. Ganz oben kommt man übrigens auch nur mit Normal-BMI durch das letzte in Stein gehauene Loch zum Ausblick rund um Edinburgh. Warum ich davon dann kein Foto mehr gemacht habe – keine Ahnung. Muss der Sauerstoffmangel gewesen sein.
Alles in allem: es war großartig! Abgesehen davon, dass mein Reisepass noch nie so oft kontrolliert wurde wie beim Transfer von Amsterdam nach Edinburgh. Und dass ich noch nie so oft Laptop rein-Laptop raus, Flüssgkeitstüte rein-Flüssigkeitstüte raus praktiziert habe wie auf dieser Reise. Dass das Hotel einen Upgrade auf Executive Suite gewährt hat, hat uns die Anreisekleinigkeiten aber schnell vergessen lassen. Es war insgesamt wie vor 11 Jahren: so viel zu tun, so wenig Zeit. Könnte sein, dass wir nochmal hin müssen.
Und für den Herrn @tobybaier hab ich auch was mitgebracht: aus der kleinsten schottischen Destillery eine Kostprobe des 10jährigen Highland Single Malts. Da er sich ja hier nicht explizit zur MENGE des mitzubringenden Single Malts geäußert hat, sind es 5 cl geworden
Alles in allem ein sehr laufintensives, wenig schlafbezogenes Wochenende, das sich aber rundherum gelohnt hat. Kann mich ja die Woche über regenieren, bevor am Wochenende Freiburg passiert.
It’s not a trick, it’s my pony
Heute wollte die Tochter einer Stallkollegin mal probieren, ob sie mit dem Roten zurechtkommt und ihn dann zukünftig einmal die Woche betreut. Da das ein sehr zuverlässiges Mädchen mit akzeptablen Reitkünsten ist, nahm sie also heute eine Reitstunde bei der hofansässigen Trainerin. Erstmal rausfinden, wie das Tier so tickt, ob die Chemie stimmt. Natürlich konnte ich mir das nicht entgehen lassen, ich kenn ihn ja.
Und wie erwartet hat er seine Trickkiste auch geplündert, um herauszufinden, ob man den Zweibeiner da oben auch ernstnehmen muss. Ich hätte jedesmal ein paar Sekunden vorher voraussagen können, was er als nächstes versucht. Und geklappt hat es auch immer, aber sie war zäh und hat sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Er ist aber auch ein Schlitzohr, ein schlaues. Das hat er dann durch gute Mitarbeit honoriert. Ich glaube, die zwei werden ein gutes Team. Sie will nicht so viel, er profiliert sich durch einfache Leistungen, ich habe einen Tag frei die Woche und alle sind zufrieden.
Und jetzt packe ich mal meinen Koffer. Ja, ich weiss, das wollte ich schon den ganzen Tag getan haben, aber nachdem ich nach dem ersten abgehakten Punkt auf der To Do Liste (To Do Liste lesen) erstmal eine Pause gemacht habe, kam ich irgendwie zu nix mehr. Fotoapparat für gewohnt unscharfe Bilder ist ganz wichtig, bin schon lange meinem Ruf nicht mehr vollumfängliche gerecht geworden.
Schöne Überraschung für die Black Eyed Peas
Wahrscheinlich kennt das schon wieder jeder außer mir, aber trotzdem, das kann man sich auch öfter ansehen.
Anlässlich eines Open Airs der Black Eyed Peas, von Oprah Winfrey organisiert, war das Publikum wohl anfangs nicht so in Stimmung…
Schottland ohne Highlands
Am Wochenende gehts nach Schottland. Nach Edinborough, und zwar nicht einfach so.
1999 waren Muddi und ich schon mal da, zum Zwecke einer Rundreise. Selbst organisiert, einmal um die Hälfte rum. Auf den Spuren von William Wallace, über Falkirk, Loch Lomond, Oban, Fort William, das unvermeidliche Loch Ness, Inverness, Aberdeen, Culloden, Edinborough und dann wieder Richtung Manchester und zurück nach Hause.
Und wir haben exakt die Festivalwochen erwischt, allerdings ohne es zu wissen. Hatten dementsprechend auch keine Tickets am Start für das berühmte Military Tattoo auf dem Schloß. Die muss man wohl auch ein Jahr vorher kaufen. Hatten wir nicht und so sahen wir neidisch am Straßenrand sitzend bei strahlendem Wetter den Leuten mit Karten hinterher und hatten nur den Sound und ein bißchen vom Feuerwerk. Damals haben wir uns vorgenommen, das nachzuholen. Und dieses Wochenende ist es soweit. Diesmal mit Karten. Und alles schön rechtzeitig gebucht. Flüge, als es sie noch gab sogar zum Schnäppchenpreis (zur Zeit statt regulär 221 Euro Economy über 600 pro Ticket), Hotels, als noch was unter 5 Sterne verfügbar war.
Diesmal also nicht vorwiegend die rauhen, blühenden schottischen Landschaften, sondern nur Stadt. Die kam beim letzten Mal auch zu kurz. Ich freue mich.
Reminiszenzen – Hommage
Wenn man so an „früher“ zurückdenkt, an die Schulzeit, sucht man eigentlich immer irgendwelche aussergewöhnlichen Erinnerungen. Besondere Lehrer, besondere Mitschüler.
In der Kategorie „besonderer Lehrer“ erinnere ich mich nur an einen. Englisch- und Französischlehrer. Gefürchteter Disziplinator. Selbst die härtesten Schulschwänz-Cracks kamen zu seinen Stunden extra aus dem Café herbeigeeilt. Und wir waren kein leichter Jahrgang. Wir waren der ultimative Test für Referendare. Wer uns überlebte, war der angehende König des Lehrerzimmers.
Aber ER hatte uns im Griff. Hausaufgaben vergessen? Gott bewahre!
Wer eine simple ein-seitige Zusammenfassung von irgendwas vergessen hatte, konnte sicher sein, die nicht einfach nur nachreichen zu müssen. Nein, die wollte er dann in Lautschrift. An der Tafel. Ohne Spickzettel.
36 Mann standen stramm, wenn er das Klassenzimmer betrat. Obwohl er selbst maximal 1,65 m groß war – war er ein Riese. Ein Emotionsriese. Der nie schreien musste. Je leiser er wurde, umso bedrohlicher wurde die Situation. Der es schaffte, dass man sich nie vor der Klasse schämte, wenn man geschlampt hatte, sondern nur vor ihm und sich selbst. Aber es war wohl die Kombination aus extremer Präsenz und dem unglaublichen Wissen, dass dieser Mann hatte und auch zu vermitteln vermochte. Wir lasen nicht einfach nur so „Wuthering Heights“. Wir hörten das Album von Kate Bush dazu. Wir lasen nicht einfach nur Shakespeare, wir spielten Shakespeare. Seine Art, uns Wissen zu vermitteln, war ein Erlebnis, immer wieder. Er war stets tadellos gekleidet. Perfekt gebügeltes Hemd, passende Krawatte, die Haare lagen wie zementiert. Er trug elegante Uhren. Und jedesmal nach den Ferien legte er die Uhr zu Beginn der Stunde auf dem Schreibtisch ab. Man sah das weiße Band rund um den sonnengebräunten Arm. So wussten wir zumindest, er war dort, wo viel Sonne war. Er sprach nicht weiter darüber. Nie. Aber wir konnten es sehen. Das reichte ihm.
Und niemals gab er Persönliches preis. Sein Privatleben war strikt getrennt vom Schulleben. Als würde er eine Lampe ein- und ausknipsen. Andere erzählten vom Urlaub, von ihrer Familie, wir wussten nichts von ihm. Immer distanziert, immer reserviert, immer höflich. Diszipliniert, anspruchsvoll, unerbittlich. Er lachte selten. Dass er in den Ferien in den USA an der Summer School lehrte, erfuhr ich erst viel später. Er erwähnte allenfalls in einem scheinbar belanglosen Nebensatz, wo er war. Nicht, wie es war. Feuerland. Alaska. China. Keine Details.
Ich hatte Glück, ich gehörte zu seinen Lieblingsschülern. Was mir aber keinerlei Vorteile brachte, im Gegenteil. Von mir erwartete er immer mehr. Und ihn zu enttäuschen, war eine Katastrophe. Niemand in vergleichbarer Position hat mich vorher oder nachher gleichermaßen motiviert, angespornt, herausgefordert.
Als in der Oberstufe in den Leistungskursen Halbjahresarbeiten angesagt waren, war es ein großes Zittern, denn sie sollten vorgetragen werden. Vor der Klasse. Und ihm. Eine Rundreise durch die englische und amerikanische Literatur. Oscar Wilde, D.H. Lawrence, John Steinbeck … und ich kriegte Nathaniel Hawthorne. The Scarlett Letter. Aus dem Jahr 1850. Nichts, worüber man sich damals mal eben schnell die beliebten „König’s Erläuterungen“ schnappte und das Buch schon mal gar nicht mehr hätte lesen müssen, um irgendwas zusammenzukritzeln. Was bei ihm ohnehin sinnlos war, er kannte sie ALLE.
Ich sage Ihnen, das war ein hartes Stück Arbeit. Und dann verrann die Zeit, viele Termine, wir kamen einfach nicht zu den Vorträgen. Alle atmeten auf, als nach dem Abgabetermin keinerlei Ansagen über die Vorträge kamen. Drei Tage vor den Zeugniskonferenzen kam er ins Klassenzimmer, legte mir meine Halbjahresarbeit hin und teilte mir mit, dass ich, da ich ja sicher so intensiv an dem Thema gearbeitet hätte, jetzt 20 Minuten Zeit hätte, um mir Stichworte zu machen und dann bitte über Hawthorne referieren möge. Was habe ich ihn in diesem Moment gehasst! Ich, die ich ohnehin Vorträge bei Gruppenarbeiten damit vermied, dass ich mich sofort zum Schreiben von Protokollen, Folien etc. meldete. Vorträge und ich sind wie … Feuer und Wasser. Gehen nahtlos in Blut und Wasser über. Schwitzenderweise. No mercy. Ich musste durch. Während alle anderen vor Erleichterung erschlafft in ihren Stühlen hingen.
Ich erinnere mich noch, wie er eines Tages ins Klassenzimmer kam und erzählte, er habe mit einem Bekannten gewettet, er würde innerhalb von 14 Tagen so viel Italienisch lernen, dass er sich fließend im Alltagsgespräch unterhalten könne, Er konnte vorher kein Italienisch. Nach 14 Tagen brachte er einen italienischen Schüler mit (den er nicht als Lehrer hatte) und ließ sich von ihm beurteilen. Perfekt.
Er studierte Anglistik/Romanistik für das Lehramt an Gymnasien an den Universitäten Tübingen, Aix-en-Provence, Leicester und der Sorbonne. Was er tat, war perfekt. Und wieviel ich von ihm gelernt habe, kann ich immer noch heute ermessen. Ein halbes Jahr nach dem Abitur besuchte ich ihn. Um ihm für das zu danken, was nicht auf dem Abiturzeugnis stand. Dafür, dass er mich begeistern konnte. Dass er mich disziplinierte, als es besonders schwierig war, das zu tun. Dass er mehr von mir erwartete als ich es selbst tat.
Er spielte gerade Cello.
Edit: Natürlich habe ich in Zeiten des Internets herausgefunden, was er heute tut, wo er ist. Und natürlich ist es nicht irgendwas, sondern was Besonderes. Und natürlich spricht er mittlerweile vortragsreifes Spanisch und ebensolches Portugiesisch. Und genauso wie damals würde ich nie veröffentlichen, was er genau tut. Vielleicht schreibe ich ihm ja mal. Oder schicke ihm den Link. Womöglich wäre er aber enttäuscht, dass nichts Außergewöhnliches aus mir geworden ist. Und ihn zu enttäuschen, war mir ja schon damals ein Greuel….
Morgens im Stall
Ich bin ja gerne am Wochenende morgens früh im Stall, um die Pferde auf die Weide zu werfen. Die Luft ist so klar und frisch, an heißen Tagen die schönste Zeit. Und die morgendliche Begrüßung ist umwerfend, wann wird man schon so freudig begrüßt? Nicht mal im Büro, wobei ich es da sicherlich verdient hätte.
Ansonsten gestaltet sich das normalerweise recht unspektakulär. Bis auf heute, als dieser große Transporter mit Werbeaufschrift auf den Hof fuhr und mir eine Stallekollegin erzählte, dass gestern abend ein Friesenhengst zur Übernachtung eingetroffen sein, schicker Kerl, sollte ich mir mal ansehen. Also das Pferd.
Drei Männer mit unverkennbar österreichischem Dialekt entstiegen dem Transporter und klärten mich dann mal auf, was das eigentlich alles soll. Das Pferd ist Teil eines Show Acts für die neue Ausgabe dieser Supertalent-Show von Diiiidääär Bohlen und muss heute nachmittag irgendwo hin zum performen, wurde bei uns im Stall geparkt. Soweit auch unspektakulär, wenn der eine Österreicher nicht mit dem anderen Teil des Showacts aus dem Transporter gekommen wäre: Udo. 38 oder 40 Jahre alt. Steinadler. Fernsehstar.
Und das macht Udo so beruflich oder auch das.
Also, so Auge in Auge mit einem Steinadler, der noch nicht gefrühstückt hat, ist schon… besonders. Der von der Crew mitgebrachte Jagdhund wäre offensichtlich genau seine Kragenweite gewesen, gut für den Hund, dass Udo fest verzurrt auf der Hand des Herrn saß und seine Jagdversuche schnell unter Kontrolle waren. Ganz schön groß, so aus der Nähe, der Udo.
Dankenswerterweise stand auf dem Transporter auch, was die Firma Blaickner so macht.
Normalerweise schaue ich dieses Supertalent-Dingens ja nicht, aber Ende August soll wohl die Folge mit Udo ausgestrahlt werden. Die schaue ich.
Edit: damit das auch alles eine runde Sache ist, habe ich mir soeben die DVD des Films „Geierwally“ bestellt. Wenn man schon einen der Hauptdarsteller kennengelernt hat, sollte man das. Und wo man gerade bei der Geierwally ist (übrigens unvergessen auch das Original des Films aus dem Jahre 1940), dann fällt einem auch sofort die unvergleichliche Maria Callas ein mit der Arie aus der Oper von Alfredo Catalani und ich stelle fest, jedesmal wieder Gänsehautfaktor. Ungefähr so wie bei „Hell’s Bells“
Wunderschön, fast wie neu …. my a**!
Ich habe ja schon so einiges bei der Bucht gekauft und muss sagen, dass ich bisher nie enttäuscht worden bin. Aber es gibt für alles ein erstes Mal.
Ich ziehe ja bald um. Und leider gehört die Küche in der jetzigen Wohnung exakt in die jetzige Wohnung. Die Elektrogeräte habe ich, fehlt also das Drumherum. Und nun habe ich mich in diese Modulküche von diesem nordischen Möbelhaus verguckt, die allerdings sehr mediterrane Preise hat. Da dachte ich, hm, schau mal in der Bucht. Und wurde fündig. Unter dem Stichwort „fast wie neu“ bot eine Verkäuferin aus Saarbrücken ein paar Teile an, unter anderem einen Spülenunterschrank mit Arbeitsplatte, eine weiße Keramikspüle inklusive passender Armatur und einen Hängeschrank des begehrten Programms. Wie es der Zufall wollte, beabsichtigte die Verkäuferin, nach Wiesbaden zu ziehen und bot an, die Teile im Umzugswagen mitzunehmen, ich solle sie aber bitte unverzüglich am Tag ihres Einzugs abholen. Mangels Transporter und helfender Hand entschloss ich mich, einen Transportservice zu engagieren, auf Stundenbasis. Kalkuliert für den Weg 15 Minuten, Einladen 15 Minuten, Weg zurück 15 Minuten, Ausladen 15 Minuten = 1 Stunde. Es hieß, sie sei auf jeden Fall ab 15.00 Uhr da, avisierte also meine Ankunft für kurz nach 16.00 Uhr.
Treffe mich mit Transportmann um 16.00 Uhr. Netter Typ, Angst vor Pferden, aber nicht vor Kamelen, wohnt am liebsten im Gewerbegebiet und war schon seit 04.30 Uhr am Start. Letzter Job für den Tag.
Kommen also um 16.15 Uhr an, rufe vorher durch. Sie sei noch unterwegs, aber der LKW sei schon da, die Männer wüssten Bescheid, die wären morgens 1,5 Stunden zu spät gekommen. Angerufen, um mir das zu sagen, hatte sie allerdings nicht. Das Ausladen im vollen Gang, die Möbelpacker nach den Stücken gefragt. Antwort: naja, das dauert noch so ne Dreiviertelstunde, die sind ziemlich hinten. FAIL. Da hatte ich schon einen mittleren Krötenhals. Aber nichts gegen das, was noch kam. Vierzig Minuten später. Erst kam der Hängeschrank. In Ordnung. Eingeladen. Dann die Arbeitsplatte mit dem Spülbecken. Riesenschmarre vorne in der Platte und im Syphon des Beckens eine Ansammlung von Essensresten. Von der Optik so ein bisschen wie Labskaus mit Salat. Ekelhaft. Dann der Spülenunterschrank, die Metallverkleidung der Füße brutalst abgerissen, so dass die Nietstellen geplatzt waren, darüberhinaus noch einige andere Schmarren. Ich sage nur „fast wie neu“. Während ich mit meinem zwischenzeitlich mächtigen Krötenhals kämpfte, lud der überaus sympathische Transportmann alles ein, aber sein skeptischer Blick traf meinen und ich eine Entscheidung. „Bis auf den Hängeschrank alles raus, diese Trümmer bleiben hier!“ Gesagt, getan.
Wir also mit einem Hängeschrank, der auch locker auf meinen Beifahrersitz gepasst hätte -was er später auch tat- in dem Transporter wieder zurück. Transportmann: „Damit das nicht noch länger dauert und kostet, fahren wir zur Firma zurück (wo mein Auto stand), ich lade den bei Ihnen ein und gut.“ Genau so haben wir das dann auch gemacht und mein freundlicher Nachbar Markus half mir dann noch, das Teil die steile Kellertreppe runterzuwuchten. Soll heißen, er hat ihn gewuchtet, ich habe die Türen aufgehalten.
Jetzt hat mich also dieser Hängeschrank wegen des Transports genausoviel gekostet, wie ein neuer gekostet hätte, nur dass ich ihn nicht mehr zusammenbauen muss. Ok, Lehrgeld. Merke ich mir. Da die Verkäufertrulla telefonisch nicht mehr zu erreichen war, habe ich ihr eine Mail geschrieben im für mich typischen Style, wenn ich sauer bin. Ich vermute, sie hat jetzt Angst vor den Bewertungen, die ich abgeben könnte, wenn ihr da nicht was richtig Gutes einfällt…
Langer Rede kurzer Sinn: es fehlt also wieder ein Spülenunterschrank, ein Spülbecken und eine Armatur. Ich habe allerdings den Eindruck -von mir jetzt- dass ich das vielleicht doch oldschool beim Händler kaufe. Den ich von hier aus fast sehen kann. Und was das Zusammenbauen angeht: wenn ich was kann, dann sowas.
Riesenpaket für Jekylla … allein zuhaus
Komme gerade nach Hause, hat der Götterbote ein Paket abgegeben bei der Nachbarin im Laden. „Kleine Spülmaschine“ heißt aber immer noch „zu groß für alleine in den Keller tragen“. Guter Rat teuer, weil das Paket aus der Nachbarin Laden raus musste. Dachte schon dran, einen Hausbewohner zu fragen, da sehe ich diese zwei jungen Bauarbeiter gerade in ihren LKW steigen. Hingeflitzt, gefragt, ob sie gerade eben nochmal 5 Minuten vielleicht, weil schweres Paket und ich alleine *jammer* und natürlich gibts auch was dafür und *jammer*
Die zwei wieder raus aus dem Wagen, rein in den Laden, Paket geschnappt, kurz geächzt und losgelaufen, ich vorangesprintet, alle Türen aufgemacht und schwupps war das Paket versorgt. Und wie ich noch nach meiner Tasche greife von wegen Entlohnung, waren sie schon wieder Richtung LKW. „Lassen Sie mal, ham wer doch gern gemacht!“
Mein Highlight des Tages und deswegen einen Blogeintrag wert. Danke schön!!!!
Samstag morgen irgendwo im Wald
Stundenlang kann man da ausreiten, ohne jemandem zu begegnen. Außer einem Reh vielleicht. Aber heute nicht mal das. Fühlt sich an, als sei man am Ende der Welt, dabei ist die Autobahn Luftlinie nur 7 km entfernt. Man hört sie nicht. Sieht sie nicht. Nur das Rauschen der Blätter und das gleichmässige klack-klack der Hufe. Und danach gibts Frühstück. Für beide. So könnte jeder Tag anfangen.











